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Kampfgeist auf und neben der Eisfläche

Brian Boyle, Patrick Eaves und Craig Cunningham durchleben schwere Zeiten, Aufgeben ist aber keine Option

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Neben all den sportlichen Höhepunkten und Krisen, die die NHL in dieser Saison bisher durchlebt hat, machten auch immer wieder andere, ernstere Themen Schlagzeilen rund um den Sport. Es ging schon vor den ersten Spielen mit der Tragödie von Las Vegas los, nun wurden in den letzten Tagen persönliche Schicksale von Spielern zum Thema, die zeigen, dass selbst der beste Sport der Welt manchmal nur eine Nebensache ist.

Einer dieser Spieler, um den sich derzeit Teamkollegen und Fans sorgen, ist Patrick Eaves. Der Stürmer der Anaheim Ducks liegt derzeit im Hoag Hospital, einem Krankenhaus in Kalifornien. Die Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die eigenen Nervenfasern angreift. Dank einer frühen Diagnose wird jedoch erwartet, dass sich Eaves vollständig erholen wird.

"Dank der hervorragenden Ärzte und Krankenschwestern im Hoag Hospital bin ich auf dem Weg der Besserung", erklärte Eaves. "Ich habe in den letzten Tagen unglaubliche Unterstützung erhalten, vor allem von meiner Familie, meinen Freunden und meinen Mitspielern. Ich bin entschlossen diese Krankheit vollständig zu überwinden und so bald wie nur möglich aufs Eis zurückzukehren."

Ein wichtiger Faktor, der einem Sportler hilft wieder auf das Eis zurückzukehren, ist dabei sein Kampfgeist, wovon auch General Manager Bob Murray spricht: "Was Patrick Eaves definiert, ist sein starker Charakter und das wird ihm auf seinem Weg zur Genesung sehr helfen."

Etwas weiter auf seinem Weg zurück in seine Mannschaft, ist derzeit Brian Boyle. Die New Jersey Devils wurden letzten Monat von der Nachricht erschüttert, dass ihr Center an Leukämie erkrankt ist. Boyle ist jedoch ebenfalls ein Spieler, der für seinen Kampfgeist, seine Begeisterung für den Sport und seine Unnachgiebigkeit bekannt ist. Nun nahm er am Sonntag erstmals wieder am gemeinsamen Training der Devils teil. Das war zufällig auch das öffentliche Training, so dass die Fans die Möglichkeit hatten, die erste Trainingseinheit ihres Spielers zu bejubeln und ihn wieder im Team willkommen zu heißen.

"Es war gut. Es tat gut die Fans zu sehen und es war ein schöner Willkommensgruß für meine Rückkehr, das war ein gutes Gefühl", freute sich Boyle über das erste Zusammentreffen mit den Fans. "Ich habe versucht mich auf das Training zu konzentrieren, aber ich habe sie die ganze Zeit gehört, das weiß ich zu schätzen."

Während Boyle am Sonntag von den Fans für seine Rückkehr in das Training und seinen Kampf gegen die Krankheit geehrt wurde, wurde einem ehemaligen Spieler am Montag eine besondere Ehre zuteil, der seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden musste.

Craig Cunningham verbrachte seine Karriere größtenteils in den Minor Leagues und kam nur auf 63 Spiele in der NHL. Das liegt aber auch daran, dass seine Karriere, und beinahe sein Leben, vergangenes Jahr, im Alter von 26 Jahren, durch einen schweren Schlag beendet wurde. Während eines Spiels der Tucson Roadrunners sackte er auf dem Eis zusammen. Er hatte einen Herzinfarkt, wurde wiederbelebt und lag neun Tage lang im Koma. Während seiner Zeit im Krankenhaus entwickelte sich eine Infektion, aufgrund derer ein Teil seines linken Beins amputiert werden musste.

 

"Ich war am Boden zerstört", erinnert sich Cunningham. "Mein Traum von einer Karriere als Eishockeyspieler war vorbei."

Mithilfe seiner Therapeuten und Mitspieler kehrte er vier Monate später mit einer Prothese auf das Eis zurück. Dank des Engagements der Arizona Coyotes, für deren Organisation Cunningham spielte, ist er heute sogar wieder im Profi-Eishockey tätig. Da er selbst nicht mehr spielen kann, sucht er nun als Scout nach dem nächsten großen Talent. Außerdem arbeitet er mit dem Arzt, der sein Leben gerettet hat, an einer Methode die Herzrhythmusstörung frühzeitig zu erkennen, die in den letzten Jahren bereits mehrere Spieler das Leben gekostet hat und die auch Cunninghams Karriere beendete.

Für die Bewältigung seiner schweren Situation und seinen Einsatz zur Prävention weiterer solcher Fälle wurde er bei der NHL Alumni Awards Gala jetzt mit dem Ace Bailey Award of Courage geehrt. 

Die Geschichten dieser drei Spieler sind beispielhaft dafür, wie der Sport selbst in der NHL immer wieder in den Hintergrund tritt und die Fans, Spieler, Funktionäre und Organisationen zusammen kommen, um einander in schweren Zeiten zu unterstützen.

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