Vegas612

Wer sich schon als Kind mit Eishockey beschäftigt, hegt frühzeitig den Traum, eines Tages den Stanley Cup zu gewinnen. In diesen Bann lassen sich immer mehr Kinder und Jugendliche außerhalb Nordamerikas bringen, aber verstärkt tritt dieser Effekt natürlich in den USA und Kanada auf.

Wenn am Dienstag (8 p.m. ET; Sky Sport, ProSieben MAXX, MySports Edge, LAOLA1; Mi. 2 Uhr MESZ) der Puck in der T-Mobile Arena von Las Vegas zu Spiel 5 der Best-of-Seven-Serie zwischen den Vegas Golden Knights und den Florida Panthers fällt, dann haben die Hausherren die große Chance, ihre Träume mit dem vierten Sieg wahrwerden zu lassen. Sie führen nach Spielen mit 3:1 und können daher das Finale frühzeitig zu einem glücklichen Ende für sich bringen.

"Immer ein Spiel nach dem anderen und, um ehrlich zu sein, sollte man nicht zu viel nach vorne schauen", erläutert Ivan Barbashev nach dem Training am Montag. "Wir haben eine gute Gruppe und wir konzentrieren uns nur auf das Spiel morgen, mehr nicht." Der Stürmer hatte bereits 2019 das Vergnügen, den Stanley Cup mit den St. Louis Blues zu gewinnen. Sein Statement ist einfacher gesagt, als getan, zumal er in 2019 erlebt hat, wie die Blues es in Spiel 6 vor eigenem Publikum nicht geschafft hatten, die Serie zu beenden und erst auswärts bei den Boston Bruins in Spiel 7 erfolgreich waren.

VGK@FLA, Sp4: Stephenson trifft per Tunnel

Doch nahezu alle Teamkameraden blasen in das gleiche Horn. "Wir haben etwas Druck, aber es ist ein Spiel im Finale und wir haben weniger Druck als im letzten Spiel", verdeutlicht der zweifache Torschütze in Spiel 4 zum 3:2-Sieg Chandler Stephenson. "Druck ist immer da, aber wir können das managen."

Bei Spielern, die vor fünf Jahren mitansehen mussten, wie die Washington Capitals den Stanley Cup in Spiel 5 aus Las Vegas entführten, ist eine zusätzliche Motivation zu spüren, dieses Mal auf der richtigen Seite zu stehen.

"Es ist ein Spiel, wie jedes andere, aber es kann wie immer viel im Spiel passieren und dieses Mal auch danach", bekennt Jonathan Marchessault, der einer von sechs Golden Knights ist, der seit dem Beginn der Franchise 2017 in Vegas Eishockey spielt. "Wir wissen, wenn wir nicht gewinnen, dass wir dann wieder reisen müssen und ihnen neue Luft verschaffen. Sie sind ein kämpferisches Team. Das gilt es zu verhindern."

VGK@FLA, Sp4: Karlsson versenkt Abpraller im 2.

Auf der anderen Seite gibt es Vegas-Spieler wie Jack Eichel, die überhaupt noch nie zuvor Stanley Cup Playoffs gespielt haben. "Viele von uns, wie ich, erleben das Ganze hier das erste Mal und da weiß man natürlich nicht, was auf einen zukommt", gibt der Stürmer zu. "Aber man muss es einfach genießen und die Chance umarmen und nutzen."

Auch Eichel setzt darauf, am Dienstag einfach die Arbeit zu erledigen und erst danach, wenn möglich, zu feiern. "Wir versuchen den Moment zu genießen und nicht zu weit zu denken", gibt er seine Devise vor. "Das haben wir in den Playoffs bisher gut hinbekommen. Jeder weiß, was auf dem Spiel steht, aber wir müssen spielen und einfach nur unser Spiel spielen."

Eine altbekannte Phrase packt Verteidiger Brayden McNabb aus. "Das Wichtigste ist im Moment zu bleiben", erzählt er. "Der vierte Sieg ist immer der schwerste. Es wird verrückt werden, aber wir müssen es genießen. Man kann über vieles nachdenken, aber das sollten wir nicht tun, sondern die Gedanken löschen und an die Arbeit gehen. Das wird die größte Herausforderung."

Für den bisher überragenden Rückhalt der Golden Knights, Torhüter Adin Hill , sind die Geschehnisse bis hierhin auch eher eine Cinderella-Story, nachdem er in diesen Playoffs wie Phoenix aus der Asche stieg. "Wir können es nicht verleugnen, dass wir einen Sieg vom Stanley Cup entfernt sind", sagt er. "Das ist begeisternd, aber zur gleichen Zeit müssen wir uns auf unsere Grundlagen besinnen und konzentriert bleiben. Wir müssen es Schicht für Schicht und Schuss für Schuss abarbeiten."

Stephenson führt Golden Knights zum Sieg in Spiel 4

Marchessault findet es auch für die Zuschauer in Vegas reizvoll, die Cup-Vergabe nach Spiel 5 zu sehen. "Es ist wichtig für unsere Fans und wäre eine tolle Sache für sie", stellt er klar. "Aber, wie gesagt, wir wollen nicht zu weit nach vorne denken, uns heute erholen und morgen ein Spiel spielen und gewinnen."

Hill hält aus einem anderen, nachvollziehbaren Grund viel davon, die Serie in Spiel 5 zu beenden. "Wir wollen, wenn möglich, nicht mehr so lange im Flugzeug sitzen und das zu Ende bringen", zeigt er sich praktikabel.

Ablenkungen, Emotionen und die Tatsache, dass sie nur einen Sieg von der Verwirklichung ihrer Kindheitsträume entfernt sind, belasten die Golden Knights nicht, denn die Spieler scheinen darauf erpicht zu sein, das zu erreichen, was seit September ihr Ziel ist: den Pokal zu holen.

Genau vor diesem, zunächst einmal positiven Problem, stehen die Vegas Golden Knights, nachdem sie am Sonntag mit einer 3:1-Führung in der Best-of-Seven-Serie vom Stanley Cup Finale 2023 gegen die Florida Panthers die Heimreise, mit der großen Chance vor heimischen Fans in der T-Mobile Arena den Stanley Cup zu gewinnen, angetreten sind.