Für die Vegas Golden Knights ging es am Freitag in Spiel 1 gegen die Dallas Stars darum die Top-Formation zu kontrollieren und das eigene System durchdrücken zu können. Am Ende setzten sich die Golden Knights in der T-Mobile Arena mit 4:3 nach Verlängerung durch, drehten erneut eine Partie und verschafften sich so den ersten Vorteil der Serie.

Bereits nach 1:35 gespielten Minuten in der Verlängerung konnte Brett Howden für Vegas den die Halle explodieren lassenden Siegtreffer erzielen. Es war der drittschnellste Playoff-Overtime-Treffer in der kurzen Franchise-Geschichte der Golden Knights. Nach der Begegnung waren alle Beteiligten Vegas-Akteure froh, dass es nicht wie am Vorabend lange dauerte. "Solange man gewinnt, das ist das Wichtigste, ist es egal. Je schneller, desto besser natürlich", resümierte Teddy Blueger.

Dass es in die Verlängerung ging, war einem erneuten Comeback der Gastgeber geschuldet, die, wie schon häufiger, zurücklagen und dennoch als Sieger vom Eis gehen konnten.

Nach 20 Minuten führte Dalals mit 1:0. Jason Robertson war es, der die Stars in Front schoss. Dennoch war Blueger mit dem Start zufrieden: "Wir sind gut in die Partie gekommen und haben dann, durch einige Strafen, etwas das Momentum verloren. So haben sie etwas Zeit in der Angriffszone und Offensivaktionen bekommen."

Es dürfte jedoch bereits hinlänglich bekannt sein, dass auch eine bis in die erste Pause bestehende Führung keine Garantie für einen Sieg gegen Vegas ist. Bereits viermal konnten die Golden Knights, nachdem sie mit einem Rückstand in die Kabine gegangen waren, den Spielverlauf drehen und gewinnen. Keinem anderen Team in den Stanley Cup Playoffs 2023 gelang das häufiger.

DAL@VGK, Sp1: Robertson fälscht im ersten Drittel ab

Der Grund für die vielen erforderlichen Comebacks liegt in den häufig schwachen ersten Abschnitten. In zwölf Partien musste Vegas in den ersten 20 Minuten 18 Gegentore hinnehmen und konnte nur elf selbst erzielen. Die Pausenansprachen von Trainer Bruce Cassidy scheinen jedoch genau den richtigen Ton zu treffen.

Zur Mitte der Partie hin drehen die Golden Knights regelmäßig auf und können in Drittel zwei 20 eigene Treffer bei nur fünf Gegentoren verbuchen. Lediglich der aktuelle Seriengegner ist hier noch schlagkräftiger und steht bei 22 Toren. "Das ist die positive Seite. Wir geben weiter Gas und finden Antworten", so Cassidy. "Wir freuen uns darüber, dass wir gewonnen haben und weiter reagieren können, aber wir werden weiter an einigen der Situationen arbeiten, mit denen wir uns konfrontiert sehen."

William Karlsson war es in Spiel 1 des Conference Finales im Westen, der die Golden Knights auf die Siegerstraße brachte und Antworten fand. Erst glich er im Mitteldrittel aus, dann sorgte er, im Schlussabschnitt, für die zwischenzeitliche Führung. Einen Ausgleich, eine weitere Vegas-Führung und das späte 3:3 durch Jamie Benn später ging es in die Verlängerung.

Der Treffer von Nick Howden besiegelte den Erfolg der Golden Knights, die damit zum siebten Mal, in diesen Playoffs, einen Rückstand in einen Sieg umwandeln konnten. In den vergangenen 20 Jahren gelang es nur fünf Teams diesen Wert zu übertreffen. Die Colorado Avalanche (2022) und die Pittsburgh Penguins (2009) stehen mit zehn Comebacks an der Spitze. Die Stars (2020) und Hurricanes (2006) folgen mit neun und die Los Angeles Kings (2014) mit acht Comebacks.

Bis auf die Stars durften alle diese Mannschaften am Ende den Stanley Cup in die Höhe recken und den Titel feiern. Dallas unterlag 2020 erst im Finale den dominanten Tampa Bay Lightning. Die Qualität keine Partie verloren zu geben, ist entsprechend wichtig einzuordnen.

Von Vorteil dabei ist auch das kurze Gedächtnis, das Cassidy seiner Mannschaft zusprach und ausdrücklich positiv belegte. Mit den Veteranen in der Kabine könne man schnell vergessen, wenn etwas schieflaufe und den Hebel umlegen.

Ebenso wie die Golden Knights auf Rückstände reagieren, können sie auch mit Last-Minute-Rückschlägen gut umgehen. Der späte Ausgleich von Benn schockte Vegas nicht. Der erste Schuss in der Verlängerung fand direkt den Weg ins gegnerische Tor. Karlsson beschrieb die Stimmung in der Kabine als sehr positiv. "Es ging nur darum, wer der Held sein will."

Bereits am Sonntag (3 p.m. ET; NHL.tv; 21 Uhr MESZ). wird in der T-Mobile Arena, bei Spiel 2, dann ein weiterer Held gesucht. Während Vegas alles daransetzen wird, nicht erneut den Umweg über einen Rückstand gehen zu müssen, dürfte Dallas eindrücklich vor den Comeback-Qualitäten der Golden Knights gewarnt sein.