Tobias Rieder

Vor eineinhalb Wochen reiste Tobias Rieder von Calgary in seine Heimatstadt Landshut. Der Stürmer der Calgary Flames hatte die ersten Wochen der durch die Corona-Pandemie verursachten NHL-Pause noch in Kanada verbracht, ehe er sich für einen Ortswechsel entschied. In der Heimat bieten sich dem Stürmer neue, außergewöhnliche Trainingsmethoden. Die beiden Hunde der Eltern werden für Stickhandling-Übungen zu Verteidigern und versuchen Rieder das Spielgerät von der Kelle zu stehlen. Abgesehen von tierisch guten Trainingspartnern ist die tägliche Routine mitunter jedoch von wenig Abwechslung geprägt.

"Das läuft schon alles meist auf dasselbe hinaus jeden Tag", sagte Rieder am Montag bei einer Videokonferenz der NHL, an der auch Leon Draisaitl, Dominik Kahun und Philipp Grubauer teilnahmen. "Man versucht sich einfach fit zu halten." Wegen der fehlenden Möglichkeiten auf dem Eis zu trainieren müssen andere Wege gefunden werden. Rieder geht viel laufen und fährt Fahrrad. "Mit der Zeit wird das ein bisschen langweilig und einseitig, aber da musst du halt jetzt durch." Besonders der fehlende Antrieb durch die Mitspieler ist für Rieder eine große Herausforderung. "Sonst hast du den Ansporn durch die Teamkollegen." Statt wie gewohnt gemeinsam in den Kraftraum oder aufs Eis zu gehen, sei nun jeder auf sich gestellt. "So viele andere Sachen kannst du momentan nicht machen", meinte der Stürmer der Flames.

Deutsche Spieler über ihre Haustiere und Eishockey

Die Dauer der Pause wirkt für Rieder schon fast wie die Sommerpause, doch im Hinterkopf bleibt das Bewusstsein, dass es bei einem Neustart der laufenden Saison nach nur wenigen Spielen in die Playoffs geht. Trotz oder gerade wegen der ungewohnten Situation ist eines klar: "Jeder hofft, dass es so bald wie möglich weitergeht. Jeder vermisst Eishockey und jeder will wieder zurück aufs Eis."

Die Corona-Langeweile überbrücken die vier deutschen NHL-Profis nicht nur mit Training. Auf der Konsole steht bei Rieder ab und an FIFA 20 auf dem Programm. Müsste er sich einen Teamkollegen aussuchen, mit dem er die aktuelle Zeit verbringen dürfte, würde die Wahl auf Milan Lucic fallen. "Mit dem ist es immer lustig. Er hat immer einen lockeren Spruch auf Lager." Am liebsten würde er aber mit den anderen Deutschen eine Vierer-WG gründen.

Rieder überwindet 2019/20 seine Ladehemmung

In den direkten Duellen in dieser Saison war Draisaitl für Rieder stets der gefürchtetste Kontrahent. Ein dickes Lob für Rieder hatte Kahun parat: "Tobi spielt seine Rolle unglaublich gut, vor allem in Unterzahl. Da ist er immer gefährlich und macht seine Tore."

Nach seinen Erfahrungen in der vergangenen Saison sind die Duelle gegen Draisaitl und die Edmonton Oilers für Rieder jetzt erst recht etwas ganz Besonderes. Mit den Flames, als ehemaliger Oilers Spieler in der Battle of Alberta aufzulaufen, wecke zusätzliche Emotionen. "Die Duelle der Rivalen sind natürlich immer speziell und liefern zusätzliche Energie. Die Freundschaften zu den ehemaligen Teamkollegen machen es mir zwar schwer, den Schalter umzulegen. Wenn die Scheibe fällt, ist das dennoch alles vergessen", sagte er.

EDM@CGY: Draisaitl reiht sich in den 50-Tore-Klub ein

Vor allem beim Blick auf den aktuellen Tabellenstand muss Rieder genau diese persönlichen Gefühle außen vor lassen können. Würden die Playoffs heute starten, käme es zur Playoff-Version der Battle of Alberta. Draisaitl weiß, dass dieses Aufeinandertreffen noch emotionaler wäre als andere Duelle. Und auch beim Trash-Talk hätte der deutsche Superstar "schon irgendeinen Spruch für den Tobi". Rieder kann sich das zwar gut vorstellen, muss aber "sowieso immer lachen, wenn der Leon" mit ihm reden will.

Nicht zuletzt im Hinblick auf die Playoffs hofft Rieder, dass es bald weitergeht. In seinem Schlusswort an die Fans bedankte er sich für die Unterstützung, gerade in der aktuellen Situation, und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass alle gesund sind und bleiben.