tobias rieder

NHL.com/de blickt in seiner Serie "International Ice" jeden Sonntag auf das Geschehen außerhalb Nordamerikas und berichtet über Themen oder Spieler aus den europäischen Ligen.

In dieser Ausgabe: Rieder und sein gelungener Neustart bei den Växjö Lakers
Die Luftveränderung durch den Wechsel von Nordamerika nach Schweden ist Tobias Rieder gut bekommen. Bei den Växjö Lakers aus der Svenska Hockeyligan (SHL) zeigte der 28 Jahre alte Landshuter in den vergangenen Wochen, dass er das Scoren in größerer Dimension nicht verlernt hat.
Nach sieben Einsätzen beim amtierenden schwedischen Meister stehen für ihn sechs Punkte (drei Tore, drei Assists) zu Buche.
Die Entscheidung nach Schweden zu gehen, sei absolut richtig gewesen, sagte Rieder im von Magenta Sport präsentierten Podcast "Die Eishockey Show". Er spiele bei einem ambitionierten Team, erhalte viel Eiszeit (bislang im Durchschnitt 15:35 Minuten pro Spiel) und schieße regelmäßig Tore. "Ich bin wieder glücklich", betonte der Flügelstürmer.
In der NHL war das zuletzt nicht immer der Fall gewesen. Nach drei für ihn durchwachsenen Spielzeiten bei den Edmonton Oilers, den Calgary Flames und den Buffalo Sabres hatte sich Rieder im Sommer vergeblich um einen neuen Arbeitgeber in der Beletage des nordamerikanischen Eishockeys bemüht. Bei den Anaheim Ducks erhielt er zwar fürs Trainingscamp einen Vertrag auf Tryout-Basis, doch am Ende entschieden sich die Kalifornier gegen eine Verpflichtung. Um eine lange Hängepartie zu vermeiden, entschloss sich Rieder, auch interessante Optionen außerhalb der NHL zu prüfen. Der Weg nach Växjö schien ihm am erfolgversprechendsten zu sein. Er verständigte sich mit den Lakers auf einen Kontrakt bis zum Ende der Saison 2021/22.

BUF@NJD: Rieder schießt ins Tordreieck ein

Eine Rückkehr in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) war dagegen für ihn kein Thema. "Ehrlich gesagt war ich in dem Jahr noch nicht so nah dran.
Ich habe mir gedacht, wenn ich zurück in die DEL gehe, dann gehe ich auch nicht mehr weg aus Deutschland", begründete er seine Entscheidung, stattdessen lieber in Schweden einen Neustart zu wagen. Er wolle auf jeden Fall noch einige Jahre im Ausland spielen. Dabei liebäugelt er nach wie vor mit einem NHL-Comeback. "Für mich ist dieses Kapitel nach zehn Jahren in Nordamerika längst noch nicht abgehakt", betonte Rieder.
Zunächst wolle er eine gute Saison in Schweden spielen und danach neu über seine Zukunft entscheiden. "Natürlich ist es dabei interessant zu fragen, wie groß ist das Interesse und wo habe ich am meisten Spaß. Im Sommer werden wir dann sehen, was passiert."
Die Chancen für Rieder, über die Zwischenstation SHL den Weg zurück in die NHL zu finden, stehen keineswegs schlecht. Die schwedische Eliteklasse gilt gemeinhin als stärkste Liga in Europa. Immer wieder leihen daher NHL-Klubs vornehmlich ihre europäischen Talente an schwedische Teams aus, damit sie dort Spielpraxis sammeln und sich das Rüstzeug für eine Karriere in der Topklasse Nordamerikas holen können.
Dadurch blicken die NHL-Scouts das gesamte Jahr über besonders interessiert auf das Geschehen in der SHL. Das wiederum verbessert auch die Aussichten für einen gestandenen Profi wie Rieder, sich bei den NHL-Vertretern durch starke Leistungen in Erinnerung zu bringen.
Ein weiteres vielbeachtetes Schaufenster werden die Olympischen Spiele 2022 im Februar in Peking sein. Bei dem Großereignis, bei dem diesmal wieder Spieler aus der NHL mitmischen, will Rieder unbedingt dabei sein.
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Beim vom 11. bis 14. November ausgetragenen Deutschland Cup, dem letzten großen Härtetest der deutschen Nationalmannschaft vor dem olympischen Eishockey-Turnier, empfahl sich der Linksaußen nachdrücklich für einen Platz im Kader der DEB-Auswahl für Olympia. Er gehörte zu den Aktivposten in der Abteilung Attacke und führte Deutschland zum Turniersieg. Beim 4:3-Sieg gegen Russland zum Auftakt sorgte er mit dem Treffer zum 4:2 für die Vorentscheidung. Es war zugleich der 50. Auftritt von Rieder im Nationaltrikot. Beim anschließenden 3:0 gegen die Schweiz zeichnete er für das Tor zum 1:0 verantwortlich. Beim abschließenden 4:1 gegen die Slowakei gelang ihm sogar ein Doppelpack.
"Die Nationalmannschaft ist ein Riesenspaß. Da sind Superleute", hatte Rieder im Vorfeld des Turniers in Krefeld verlauten lassen. Er zeigte sich überzeugt davon, dass Deutschland bei Olympia 2022 eine gute Rolle spielt. "Das deutsche Eishockey ist in den letzten Jahren immer weiter nach vorne gegangen. Es kommen so viele überragende junge Spieler nach.
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Das macht den ganzen Kader natürlich viel stärker", urteilte der Flügelflitzer.
Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea hatte Deutschland sensationell die Silbermedaille gewonnen. Zu Gold fehlten seinerzeit nur 56 Sekunden. Dann gelang der russischen Auswahl im Finale der 3:3-Ausgleich und in der Verlängerung schließlich der entscheidende Treffer zum 4:3.