stutzle 2-28

Tim Stutzle dreht schon wieder auf. Der deutsche Nachwuchsstar ist der dominante Faktor beim 6:1-Heimerfolg der Ottawa Senators gegen die Detroit Red Wings. Mit einem Treffer leitete er die Sechs-Tore-Serie seiner Mannschaft ein und bereitete dabei zwei weitere Erfolgserlebnisse vor. Es war der zweite Sieg gegen die Red Wings in nur zwei Tagen.

"Wir wussten schon zu Beginn der beiden Partien, dass sie, mit Blick auf die Tabelle, richtig wichtig für uns werden würden", so Stützle nach dem zweiten Sieg. "Heute Abend haben wir gezeigt, dass wir ein sehr gutes Eishockeyteam sein können."
Stützles Treffer war einer, der in den Geschichtsbüchern stehen wird. Ottawa lag mit 0:1 zurück, als der Angreifer für einen Penaltyschuss antreten durfte. Er lief über rechts an und überwand Ville Husso mit einem trockenen Handgelenkschuss ins lange Eck. Er war damit erst der vierte deutsche Spieler, der in der NHL per Strafschuss treffen konnte. Vor ihm gelang das nur Leon Draisaitl, Tom Kühnhackl und Marco Sturm. Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Tobias Rieder bekamen zwar je einmal die Gelegenheit, scheiterten jedoch bei ihren Versuchen.
Mit Draisaitl befindet sich Stützle in guter Gesellschaft. Der Angreifer der Senators wird immer mehr nicht nur zum Gesicht der Franchise, sondern auch zum Aushängeschild des deutschen Eishockey. Der Treffer gegen Detroit kam zu einem wichtigen Zeitpunkt und unterstrich, dass Stützle in jeder Situation ein wichtiger Faktor für seine Mannschaft ist. Selbst in Drucksituationen gelingt es ihm, trotz seines jungen Alters, mit Toren zu glänzen.

DET@OTT: Stützle gleicht mit Penalty aus

Stützle traf mit 21 Jahren und 44 Tagen als jüngster Penalty-Schütze in der Franchise-Historie und löste damit Mike Fisher ab, der am 5. Dezember 2001 mit 21 Jahren und 183 Tagen einen Strafschuss verwandeln konnte. Auch sonst ist der Angreifer auf Rekordjagd in den Statistikbüchern der Senators.
Der Torerfolg stellte seinen 62. NHL-Treffer dar. Er zog damit mit Marian Hossa gleich, der bis zu seinem 22. Geburtstag, in 186 Spielen, ebenfalls 62-Mal einnetzen konnte. Lediglich Martin Havlat (65 Tore in 212 Spielen) war in jungen Jahren bislang noch treffsicherer. Stützle benötigte für die 62 Treffer 188 Partien und hat noch einige Duelle vor sich, um die Spitzenposition in der Franchise einzunehmen.
Das Top-Ranking konnte Stützle bei den Torschützen in Ottawa in dieser Saison schon übernehmen. In 56 Begegnungen netzte er 28 Mal ein und steht damit bei 0,5 Toren pro Spiel. Dazu kommen 35 Vorlagen, von denen er zwei gegen Detroit lieferte. Stützle ist damit auf Kurs für seine erste Saison mit mehr als einem Punkt pro Partie.
Mit den zwei Assists zum 5:1 und 6:1 konnte Stützle sein sechstes Drei-Punkte-Spiel der Saison feiern. Einzig Brady Tkachuk steht für Ottawa bei ebenso vielen Matches mit drei Zählern.

Der Erfolg für Ottawa war bedeutsam, besonders, da man am Vortag ebenfalls gegen die Red Wings gewinnen konnte. Das Montagsspiel endete mit 6:2 für die kanadischen Hausherren, die durch die beiden Siege ihre Playoff-Chancen wahren konnten. Mit 64 Punkten zogen sie mit Detroit gleich und stehen nur fünf Punkte hinter den Pittsburgh Penguins, die den zweiten Wildcard-Rang in der Eastern Conference halten.
Entsprechend groß war der Frust bei den Red Wings. "Sie waren eine Mannschaft, die wir, wenn wir unseren Job gemacht hätten, aus dem Playoff-Rennen hätten drücken können. Wir haben sie stattdessen zurückkommen lassen, so dass sie jetzt mit uns gleichauf sind", fasste David Perron die zwei Tage in der kanadischen Hauptstadt zusammen.
In den 120 Spielminuten gegen Detroit konnten die Senators zwölfmal einnetzen. Damit kamen sie nahe an den eigenen Rekord, den sie am 2. und 3. November 2005 aufstellten, als sie in Back-To-Back-Spielen insgesamt 14 Tore erzielten. "Wir haben als Mannschaft großartig gespielt. Jeder hat seine Aufgabe erledigt", lobte Stützle seine Mitspieler und stellte dabei auch die beiden Torhüter in den Vordergrund.

Vier deutsche Penalty-Torschützen der Geschichte

Auf den Penaltyschuss-Erfolg von Stützle folgten noch im ersten Abschnitt ein Unterzahltor und ein Tor bei gleicher Spieleranzahl, jeweils von Austin Watson. Zum krönenden Abschluss setzte Alex DeBrincat noch einen Powerplaytreffer drauf. Die Senators sind damit erst das zweite Team in der NHL-Geschichte, das in einem Drittel in jeder der vier genannten Situationen treffen konnte. Bislang vollbrachten lediglich die Edmonton Oilers dieses Kunststück, als sie im Conference Finale der Stanley Cup Playoffs 1984 bei Fünf-Gegen-Fünf, in Überzahl, in Unterzahl und per Strafschuss einnetzen.
"Ich liebe diese Art von Eishockey, wenn die Emotionen aufflammen. Es bringt das Beste in jedem zum Vorschein und genau dafür spielen wir. Es ist besonders, hier aufs Eis zu kommen, besonders in Back-To-Back-Spielen", fasste Watson zusammen. Durch die beiden Erfolge können sich die Senators weiter Hoffnung auf emotionsreiche Spiele in den Playoffs machen. Ein Stützle, der weiter in Top-Form aufläuft, wäre dafür natürlich von entscheidender Bedeutung.