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Edmontons Erfolgspuzzle

Draisaitl, Maroon und Talbot leisten wichtige Beiträge zum Erfolg der Edmonton Oilers

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Das Erfolgspuzzle der Oilers besteht aus vielen Stücken, die perfekt zueinanderpassen. Teamkapitän McDavid, der sich einen spannenden Kampf an der Spitze der Scorerwertung liefert, zieht verständlicherweise die meiste Aufmerksamkeit auf sich, doch alle leisten ihren Beitrag dazu, dass in Edmonton das lange Warten auf Stanley Cup Playoffs endlich ein Ende hat. Mit Schlussmann Cam Talbot, mit Linksaußen Patrick Maroon und selbstverständlich mit dem deutschen Stürmer Leon Draisaitl, um nur drei zu nennen, übernahmen in den vergangenen vier wichtigen Partien, die, nebenbei bemerkt, von den Oilers allesamt gewonnen wurden, Spieler Verantwortung, die dabei sind die beste Saison ihrer Karriere zu absolvieren. Draisaitl steuerte in jedem der Siege zwei Assists bei, erzielte zusätzlich einen Treffer in der Begegnung mit den Boston Bruins, und liegt mit mittlerweile 65 Scorerpunkten (24 Tore, 41 Assists) in 72 Partien unter den besten 15 Scorern der Liga. Maroon brachte es in seinen ersten vier NHL-Spielzeiten bei den Ducks von 2011/12 bis 2015/16 auf 26 Treffer in 204 Partien. In drei der letzten vier Spiele, in denen er insgesamt viermal die schwarze Hartgummischeibe im Netz versenken konnte, erhöhte der 28-Jährige seine Ausbeute auf 25 Tore - wohlgemerkt alleine in dieser Saison.

Und Cam Talbot?

Seit ihrer letzten Stanley Cup Finalteilnahme im Jahre 2006, bei der sie den Carolina Hurricanes in sieben Spielen unterlagen, waren die Edmonton Oilers zehn Jahre lang auf der Suche nach einem Schlussmann, der ihnen wieder den notwendigen Rückhalt verschaffen könnte, damit sie wenigstens einmal die Stanley Cup Playoffs wieder erreichen - an das Anknüpfen an alte glorreiche Zeiten war da gar nicht zu denken.

In den vergangenen elf Jahren kamen bei der Franchise aus dem Westen Kanadas, die zwischen 1984 und 1990 fünfmal den Stanley Cup gewinnen konnte, 18 Torhüter zum Einsatz. Einige von ihnen bekamen nur wenige Gelegenheiten sich auszuzeichnen, sind daraufhin in der Versenkung verschwunden, haben sogar ihre Karriere schon in jungen Jahren beendet oder deren gezeigten Leistungen wurden von der sportlichen Leitung nicht wertgeschätzt.

Wer erinnert sich noch an einen Tyler Bunz (75,0%, GAA 9,00), der in der Spielzeit 2014/15 ein Drittel lang bei den Oilers im Kasten stand und von zwölf Torschüssen drei passieren lassen musste? Vielleicht hat der eine oder andere NHL-Fan auch noch im Hinterkopf, dass der Schweizer Martin Gerber, ein Jahr nach seinem 'Russland-Ausflug', in der Saison 2010/11 dreimal das Tor der Oilers hütete (3 Sp, 3 Siege, 95,8%, GAA 1,30) und überzeugen konnte.

Video: LAK@EDM: Talbot stoppt mit der Fanghand Gaborik

Nur zwei der 18 Torhüter standen länger als drei Spielzeiten im Kader der Westkanadier - Nikolai Khabibulin von 2009/10 bis 2012/13 und der jetzige Stammtorwart der Minnesota Wild Devan Dubnyk von 2009/10 bis 2013/14 - elf von ihnen brachten es auf weniger als 35 Einsätze und zwölf wiesen am Ende ihres Engagements bei den Oilers einen schlechteren Gegentrefferschnitt als 3,00 aus.

Als ein Glücksgriff des Managements erweist sich die Verpflichtung von Cam Talbot, der am 27. Juni 2015 zusammen mit einem Draft Pick der siebten Runde im Tausch gegen Züge in der zweiten, dritten und siebten Runde für den NHL Draft 2015 von den New York Rangers nach Edmonton kam. Er setzte sich mit soliden Vorstellungen gegen den Schweden Anders Nilsson in der nördlichsten NHL-Stadt durch, so dass Edmontons Headcoach Todd McLellan auch in der laufenden Saison voll auf Talbot setzte. Der 29-Jährige zahlt das in ihm gesetzte Vertrauen eindrucksvoll zurück. Einhergehend mit seinen starken Auftritten sind die Oilers kurz davor, sich nach über einem Jahrzehnt wieder für die Stanley Cup Playoffs zu qualifizieren. Beim gestrigen '4-Punkte Spiel' im heimischen Rogers Place gegen die Los Angeles Kings wehrte Talbot alle 35 Schüsse ab die auf seinen Kasten kamen und konnte seinen zweiten Shutout in Folge feiern. Die Oilers bauten durch den 2-0 Sieg ihren Vorsprung gegenüber den Kings, bei noch zehn ausstehenden Partien, auf zwölf Punkte aus und übernahmen sogar den zweiten Platz in der Pacific Division vor den punktgleichen Anaheim Ducks.

Die Nervenstärke seinesTeamkollegen beeindruckte auch Edmontons Stürmerstar Connor McDavid: "Cam ist schon das ganze Jahr über spitze. Er war in den zwei Partien großartig [zwei Tage zuvor hatten die Oilers zuhause die Vancouver Canucks ebenfalls mit 2-0 bezwungen]. Es waren zwei der wichtigsten Spiele in dieser Saison für uns."

Mit seinen Saison-Shutouts sechs und sieben nähert sich der so Gelobte den ganz großen Namen in der Franchisegeschichte der Oilers. Obwohl Talbot erst in seiner zweiten Saison bei den Oilers im Tor steht, belegt er mit insgesamt zehn 'Zu Null-Partien' schon den dritten Rang hinter einem Curtis Joseph (14 Shutouts) und Tommy Salo (23). Hält Talbot noch ein weiteres Mal in der laufenden Spielzeit seinen Kasten sauber, dann zieht er mit den Franchisebestmarken der beiden Ausnahmetorhüter, die 1997/98 (Joseph) und 2000/01 (Salo) zu acht Shutouts kamen, gleich. Auch Grant Fuhr, der von 1981 bis 1991 das Trikot der Oilers trug, mit dem sie fünfmal Stanley Cup Champion wurden, muss um seinen Franchiserekord aus der Spielzeit 1987/88 bangen. Talbot fehlen noch vier weitere Siege, um die 40 Saisonsiege des damaligen Vezina Trophy Gewinners zu überbieten.

Das sollte doch, ebenso wie die Playoffqualifikation, zu schaffen sein!

Talbot stand in 65 der bisher 72 Saisonspiele der Oilers im Tor, fühlt sich nach eigenem Bekunden aber keinesfalls müde oder überfordert. Es ist eher der Gegenteil der Fall, wie er NHL.com am Montagabend sagte: "Ich habe den Eindruck, dass ich mich besser fühle, umso mehr ich spiele und ich werde von Tag zu Tag sicherer. Jeden wichtigen Sieg nehme ich mit und er überträgt sich auf das nächste Spiel, in das ich dann mit einem sehr guten Gefühl gehe."

Talbot ist ein Stein im Erfolgsbaukasten der Oilers

Ihren nächsten Auftritt haben die Edmonton Oilers in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Honda Center der Anaheim Ducks (10:00 pm ET).

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