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Im Jahr 2000 waren die Dallas Stars zum letzten Mal in einem Finale der Western Conference mit 1:0 in Führung. Jason Dickinson war da gerade mal auf dem Weg, fünf Jahre alt zu werden, Radek Faksa war sechs Jahre Jung. Logisch, dass sich die beiden Stürmer der Stars nicht daran erinnern können. Und auch in der Gegenwart spielt das keine große Rolle. "Wir hatten noch keine Chance, groß darüber nachzudenken", gestand Dickinson. Die Gelegenheit dazu, werde man wohl erst haben, wenn man wieder zu Hause sei. So lange das aber nicht der Fall sei, werde man Spiel für Spiel angehen und den Moment genießen.

Das können die Stars auch. Nach dem 1:0 in Spiel 1 gegen die Vegas Golden Knights führen die Texaner auch 1:0 in der Serie. Und das Auftaktmatch war dabei nur ein Beweis, dass den Stars in dieser Postseason knappe Spiele liegen. Denn sieben von zehn Siegen haben sie mit einem Tor Differenz geholt.
Für den Trainer ist das nicht verwunderlich: "Wir halten an unserem Plan fest", betonte Rick Bowness. Ein paar Scheibenverluste hätten ihm nicht so gefallen. "Aber generell fühlen wir uns sehr wohl mit einer Führung von einem Tor. Und wir spielen einfach weiter, ganz egal, was der Gegner uns entgegenwirft."
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"Wir stehen in der Verteidigung sehr kompakt", meinte Dickinson. "Und wir spielen hart an beiden Enden der Eisfläche." Jeder im Team vertraue dem System.
Glaubt man seinen Spielern, dann überträgt der Trainer seine Art auf seine Schützlinge. "Rick ist extrem ruhig. Er hat viel Leidenschaft und er liebt das Spiel", meinte Dickinson. Und diese Leidenschaft habe sich auf die Mannschaft übertragen. "Wir wollen für ihn spielen, respektieren ihn", betonte der Stürmer.
Einen großen Anteil am Erfolg der Stars hat nach Aussage von Dickinson die Reihe mit Faksa, Blake Comeau und Jamie Benn. "Die Reihe macht immer die richtigen Dinge. Es ist leicht, ihrem Beispiel zu folgen, sich an ihnen zu orientieren. Wir respektieren, was sie machen." Dabei klingt das, was diese Formation zu Beginn eines Spiels macht, eigentlich recht simpel: "Wir wollen es einfach halten, den Puck tief bringen und die Kleinigkeiten richtig machen", erläuterte Faksa.
Für die Spieler sei es mitunter nicht einfach, gestand Bowness. Seit einigen Wochen sind die Teams, die noch dabei sind, in der Blase, abgeschottet von der Außenwelt. "Wir tun alles, was in unserer Macht steht, damit die Jungs einen klaren Kopf bewahren. Wir sind jetzt mehr als sechs Wochen hier. Aber es hat sich noch keiner beschwert. Alle ziehen voll mit. Mehr kann man nicht erwarten", sagte Bowness.
Ein ganz wichtiger Faktor für den Übungsleiter ist in dieser Serie das Forechecking. "Das ist eine Forechecking-Serie", nannte es Bowness. Beide Teams wollten das Pressing, das frühe Attackieren des Gegners, etablieren. "Unterm Strich unterscheidet die beiden Teams wenig. Ein versprungener Puck kann da schon den Unterschied machen", sagte der Trainer.
Er sieht Roope Hintz wieder auf einem guten Weg. "Junge Spieler werden nun mal irgendwann nervös", nahm er seinen Stürmer in Schutz. Aber der 23-Jährige, der im finnischen Tampere geboren ist, sei auf dem Weg zu alter Form. Er habe es mit verschiedenen Teamkameraden in der Sturmformation versucht, meinte Bowness. Doch die Reihe mit Hintz, Denis Gurianov und Joel Kiviranta funktioniere sehr gut. "Und das hilft Roope als Center. Die Drei können mit ihrem Tempo jeden Gegner unter Druck setzen", baut Bowness auch in den kommenden Spielen auf Hintz und Co.

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Und noch einer hat es Bowness richtig angetan: Miro Heiskanen. Der Finne spielt für seine zarten 21 Lenze schon abgezockt wie ein NHL-Veteran und hat in dieser Postseason auch schon 21 Scorerpunkte auf dem Konto (fünf Tore, 16 Vorlagen). "In diesem Alter habe ich noch keinen vergleichbaren Spieler gecoacht", sagte Bowness dann auch. Victor Hedman, der Starverteidiger der Tampa Bay Lightning, komme da vielleicht noch ran. Aber Heiskanen bringe das komplette Paket mit. "Er spielt jeden Abend gegen die beste Sturmreihe des Gegners, ist in Über- und Unterzahl auf dem Eis und steuert auch noch viele Scorerpunkte bei", zählte der Trainer auf.
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Lob gab es auch für einen, der in Spiel 1 nicht auf dem Eis war: Andrew Cogliano. "Es war die richtige Entscheidung für das Team", meinte Bowness. Aber der 33-Jährige habe es wie ein echter Profi aufgenommen und sich auch so verhalten. "Es war eine harte Entscheidung. Aber auch solche Entscheidungen müssen getroffen werden."
Keine harte Entscheidung wird wohl sein, wem Bowness im Tor das Vertrauen schenkt. Der Russe Anton Khudobin profitiert zwar auch davon, dass die etatmäßige Nummer 1 Ben Bishop nicht fit ist, liefert dem Coach aber auch keinen Grund, ihn nicht zu bringen. "Khudobin spielt auf diesem Level, seit er bei uns ist", sagt der Trainer und lobt vor allem die Persönlichkeit und die Arbeitseinstellung des Russen. "Wir brauchen ihn in dieser Form. Aber niemand ist bei uns überrascht, dass er so gut ist."