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Deutschland hat zum Abschluss der Gruppenphase bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 mit 1:5 gegen die USA verloren. Trotz großem Kampf am Sonntagabend in der Santa Guilia Ice Hockey Arena mussten sich die Deutschen am Ende dem überwältigenden Tempo der Amerikaner geschlagen geben.

Aufstellung:

Bundestrainer Harold Kreis veränderte seine Aufstellung nach dem 3:4 gegen Lettland auf zwei Positionen: Im Tor erhielt Maximilian Franzreb den Start und damit sein Olympia-Debüt. Außerdem rotierte Stürmer Parker Tuomie für Wojciech Stachowiak rein. Damit rutschte Lukas Reichel von der dritten in die zweite Reihe und lief neben Tim Stützle und JJ Peterka auf. Alle drei wurden im NHL Draft 2020 gezogen.

US-Headcoach Mike Sullivan nahm im Vergleich zum 6:3 gegen Dänemark ebenfalls zwei Wechsel vor: Im Tor kehrte Connor Hellebuyck für Jeremy Swayman zurück: Im Angriff erhielt Clayton Keller den Vorzug vor Kyle Connor.

1. Drittel: Werenski gelingt „Buzzer Beater“

Die Vereinigten Staaten legten los, wie die Feuerwehr und machten vom ersten Faceoff an Druck auf das deutsche Tor. Aber: Die DEB-Auswahl stemmte sich mit allem, was sie hat dagegen, verteidigte leidenschaftlich und blockte viele Schüsse. Außerdem strahlte Franzreb viel Ruhe und Sicherheit aus und parierte alles, was durchkam. Selbst kam Deutschland nur punktuell zu Nadelstichen. Reichel setzte einen solchen mit einem schnellen Vorstoß, doch Hellebuyck war auf dem Posten (5.).

„Wir wussten schon vor dem Spiel, dass es schwer werden würde. Sie sind schnell und spielstark, da ist es schwer, ins Forechecking zu kommen. Aber ich finde, dass wir im ersten Drittel einen guten Job gemacht haben“, sagte Peterka.

Auch in Unterzahl wehrten sich die Deutschen weiter tapfer gegen die mit viel Tempo vorgetragenen Angriffswellen der Amerikaner. Eine erste Drangphase gelang Deutschland kurz vor der Pause mit Chancen von Peterka, Moritz Müller (beide 17.) und Moritz Seider (18).

Doch statt einer Überraschung setzten die US-Boys einen „Buzzer Beater“: 8,7 Sekunden vor der Sirene schoss Zach Werenski den Puck vom rechten Faceoffpunkt ins linke Eck zum 1:0 (20.).

„Wir sind ein wenig enttäuscht heute. In allen drei Spielen waren unsere Starts gut, aber 20 gute Minuten reichen nicht aus, um mit den großen Nationen mithalten zu können“, so Seider.

2. Drittel: Franzreb menschelt

Im zweiten Durchgang rückten die Special Teams in den Fokus. Deutschland kam zu einem frühen Powerplay, blieb dabei aber blass und hatte Glück, dass weder Dylan Larkin (21.) noch der gerade von der Strafbank zurückgekommene Jack Eichel (22.) an Franzrebvorbeikam.

Als die Vereinigten Staaten selbst ihre Überzahl-Formation aufs Eis schicken konnten, dauerte es nicht lange, ehe sie ihre Führung ausbauten. Nach einem Schuss von Quinn Hughes stand Auston Matthews vor dem Tor goldrichtig und fälschte die Scheibe eher glücklich zwischen die Beine von Franzreb zum 2:0 ab (24.).

„Gegen solche Jungs, musst du so perfekt spielen, wie es nur geht. Wir hatten Phasen, in denen wir offensiv gut waren. Aber diese Jungs sind tödlich, sie nutzten die Chancen, die du ihnen gibst“, haderte Nico Sturm.

In der Folge mühten sich die Deutschen, um nach vorne zu kommen. Die USA stellten aber die neutrale Zone gekonnt zu, spielten gute Schläger in der Defensive, zudem leistete sich Deutschland immer wieder Fehlpässe im Aufbau. War das DEB-Team mal vorne, fehlte die Präzision im Abschluss, um Hellebuyck zu überwinden.

„Wir wollen es zu schön machen und müssen mehr jagen“, forderte Seider. „Sie haben gute Schläger gespielt und waren immer in den richtigen Positionen. Manchmal muss man den Puck auch mal tief spielen und an die Arbeit gehen. Wenn wir eine Schussbahn bekommen, dann müssen wir sie nutzen.“

Ein Torwartfehler vom bis dato überragenden Franzreb führte zum 3:0 für die Amerikaner. Franzreb wollte einen ungefährlichen Distanzschuss von Brock Faber aus der Luft fangen, ließ sich aber vom Schläger von Jack Eichel irritieren, der weder den Puck noch den Torwart berührte, und griff daneben (38.).

„Ich glaube, ich habe ein gutes Spiel gemacht. Das dritte Tor war ein wenig unglücklich“, fasste Franzreb seine Olympia-Premiere zusammen. „Es war eine Ehre für mich. Super, wenn so Leute wie Eichel und Guentzel alleine auf die zufahren und du holst sie raus, dann hast du etwas richtig gemacht.“

3. Drittel: USA machen es deutlich

Mit neuem Mut und guten Möglichkeiten kam Deutschland raus aus der Kabine, doch wollte der erste Treffer einfach nicht fallen. Stattdessen machten die USA schon früh den Deckel drauf. Ein Schlagschuss von Tage Thompson schlug oben links zum 4:0 ein (42.).

Für die DEB-Mannschaft aber kam es noch schlimmer: Matthews fälschte einen Schuss von Jake Sanderson aus der Nahdistanz zum 5:0 ab (47.).

„Irgendwann hat man den Qualitätsunterschied gemerkt und sie haben Spielzug für Spielzug gestartet“, so Peterka.

Bei den Deutschen war ein wenig die Luft raus, zudem mussten sie immer wieder schmerzhafte Meter gehen, denn die US-Boys ließen dank ihrem Tempo aus allen vier Reihen immer wieder Angriffe anrollen. Trotzdem gab es kein Aufgeben, was belohnt werden sollte. Deutschlands Top-Torjäger Tim Stützle jagte den Puck zum 1:5 unter die Latte und markierte seinen vierten Turnier-Treffer (52.).

„Es war ein großartiger Forecheck und Pass von JJ. Ich habe gewartet, ihn ausgeguckt und reingeschossen“, kommentierte Stützle seinen Ehrentreffer.

Damit sind die USA als Gruppen-Erster direkt für das Viertelfinale qualifiziert. Deutschland geht als Zweiter in die Zwischenrunde und trifft dort auf Frankreich.

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