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Seidenberg hatte großen Anteil am Cupgewinn

Im Rahmen unserer Rubrik zur Einhundertjahrfeier lassen wir seine Playoffs 2011 Revue passieren

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Am 1. Januar 2017 eröffnete die National Hockey League mit dem Eröffnungsbully zum Scotiabank NHL Centennial Classic die Feierlichkeiten zur Jahrhundertsaison. Seit ihrer Gründung im Jahr 1917 sah die Liga zahlreiche Kultpersönlichkeiten.

Während der Saison 2017 wird euch NHL.com/de jeden Samstag mit zahlreichen Geschichten über die vergangenen 100 Jahre versorgen.

Neben unseren monatlichen Rubriken Vorstellung der Jahrzehnte, besondere Eishockeypioniere, nationale Helden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie ausgewählten Dynastien werden wir in Monaten mit fünf Samstagen besondere Themen außerhalb dieser Rubriken aufgreifen. In dieser Ausgabe: Dennis Seidenbergs besondere Playoffs im Jahr 2011.

Es ist eher selten, dass Spieler aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, den NHL Playoffs ihren Stempel aufdrücken. Natürlich fällt dem Experten sofort Uwe Krupp ein, der im Jahr 1996 die Colorado Avalanche mit seinem Tor in der dritten Verlängerung von Spiel 4 des Stanley Cup Finales gegen die Florida Panthers zum Sieg schoss und so einen Moment für die Ewigkeit geschaffen hat, der in Highlight Videos aus der NHL Geschichte gerne auftaucht.

Wir wollen an dieser Stelle Verteidiger Dennis Seidenberg und seinen Lauf mit den Boston Bruins zum Stanley Cup Sieg im Jahr 2011 würdigen. Er schaffte es als zweiter Deutscher nach Krupp die begehrte Trophäe des Eishockeys in den Händen zu halten.

Seidenberg bereitet sich derzeit mit der deutschen Nationalmannschaft auf die am 5. Mai beginnende Heim-Weltmeisterschaft vor, kramte jedoch für NHL.com/de trotzdem in seinem Gedächtnis. Was war ihm am meisten in Erinnerung geblieben?

"Direkt an den Moment nach dem Spiel", sagte er. "Als ich den Cup hochhob, war da plötzlich irgendwie ein leeres Gefühl. Man denkt an das nächste Spiel, aber da ist kein Spiel mehr. Und natürlich erinnere ich mich an unsere Parade, bei der 1,5 Millionen Leute in Boston an der Straße standen und uns zuschauten. Das waren richtig schöne Momente. Das alles passierte seinerzeit wie im Rausch. Im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem die Szenen nach der Sirene, als alle gejubelt haben."

Doch bis dahin musste harte Arbeit verrichtet werden. Die Bruins starteten nach gesammelten 103 Punkten als Meister der damaligen Northeast Division und Drittplatzierter in die Playoffs.

Gegner der ersten Runde waren zum 33. Mal in der Geschichte der NHL Playoffs die Original Six Rivalen Montreal Canadiens. Als gleich die ersten beiden Heimspiele verloren gingen, sah es nicht gut für Boston aus, doch die folgenden drei Partien konnten die Bruins für sich entscheiden, wenn gleich zwei Mal in der Verlängerung.

Im Spiel 7 brachte wieder die Verlängerung die Entscheidung zu Gunsten der Gelb-Schwarzen. Bereits in dieser Serie zeigte sich, dass sich Seidenberg, der erst im Frühjahr 2010 von den Florida Panthers gekommen war, zu einem zuverlässigen Arbeiter in der Defensive entwickelt hatte.

In der zweiten Runde warteten die Philadelphia Flyers, gegen die mit 4-0 ein Sweep gelang und so der Einzug in das Conference Finale gegen die Tampa Bay Lightning perfekt gemacht wurde. Wieder ging es für die Bruins über sieben Spiele. Zwar kassierte Boston vier Mal fünf Gegentore, doch die Defensive blieb auch zwei Mal zu Null, inklusive bei einem 1-0 in Spiel 7, das am Ende reichte, um in das Stanley Cup Finale einzuziehen.

Gegner dort waren die Presidents Trophy Gewinner Vancouver Canucks, die demzufolge das Heimrecht hatten. Nach einem 1-0 in Spiel 1 gewannen die Kanadier auch Spiel 2 mit 3-2 nach Verlängerung und hatten die halbe Miete in der Tasche, doch die Bruins kamen mit einem beeindruckenden 8-1 in Spiel 3 und 4-0 in Spiel 4 zurück. Erneut verloren sie Spiel 5 mit 1-0 und waren damit in Spiel 6 unter Druck. Mit 5-2 ließen sie aber zu Hause nichts anbrennen und holten schließlich mit einem 4-0 Sieg im Spiel 7 in Vancouver den Stanley Cup.

Seidenberg hatte beeindruckende Playoffs gespielt. Er ist als Verteidiger nie der große Scorer gewesen oder hat offensiv viele Akzente gesetzt, doch insgesamt ein Tor und zehn Vorlagen waren für ihn ein besonderer Wert, der im Einklang stand mit seiner überragenden defensiven Arbeit, dank geblockter Schüsse und dem Vereiteln von Chancen aufgrund gutem Stellungsspiel, das ihn sehr präsent erscheinen ließ.

Besonders herausragend waren seine Plus 12 in der Plus-Minus-Statistik, die seine gute defensive Arbeit verdeutlichten. Überraschend war, dass einige Experten seinen Namen sogar für die Conn Smythe Trophy als den wertvollsten Spieler der Playoffs, in den Mund nahmen. Eine besondere Ehre für den gebürtigen Schwenninger, die seine Leistung adelte.

"Das wäre natürlich eine unglaublich tolle Sache gewesen", sagte Seidenberg heute rückblickend dazu. "Aber ich denke, da waren andere, die es verdient haben. Und letztlich ist ja auch der Stanley Cup das Größte, was es zu gewinnen gibt."

Die Trophäe bekam nicht zu Unrecht Bruins Torhüter Tim Thomas, der vier Shutouts sammelte und überragende 94 Prozent Fangquote verbucht hatte. Aber Seidenberg hatte ohne Zweifel seinen nicht geringen Anteil am Erfolg.

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