SUI kevin fiala olympics

Am Donnerstag startet die Schweiz gegen Frankreich in die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026. Weniger als 24 Stunden vor der ersten Partie spricht Stürmer Kevin Fiala über seine Führungsrolle in der Mannschaft, das Erlebnis bei seinen ersten Olympischen Spielen und die Schweizer Auswahl, ihre Rolle und ihre Ziele.

Fiala als Anführer und Schlüsselspieler

Fiala gehört zu den vier Assistenzkapitänen, die mit Kapitän Roman Josi die Führungsriege der Mannschaft bilden werden. Das wurde am Mittwoch gegen Mittag bekanntgegeben. Eine große Überraschung ist das kaum. Der 29-jährige St. Galler ist mit 707 Spielen einer der erfahrensten NHL-Spieler der Schweiz, und ist auch bei den Los Angeles Kings einer der wichtigsten Spieler. Für Fiala geht mit der großen Rolle in der Nationalmannschaft ein Traum in Erfüllung.

„Darauf bin ich natürlich sehr stolz“, freute sich der Außenstürmer. „Das ist für mich das erste Mal, da fühle ich mich selbstverständlich sehr geehrt. Ich kann es nicht erwarten, endlich loszulegen.“

Er wäre selbst dann ein Schlüsselspieler, wenn er keine Führungsqualitäten mitbringen würde. In seinen 707 NHL-Spielen erzielte er bereits 528 Punkte (229 Tore, 299 Assists) und ist damit der zweitbeste Schweizer Scorer und drittbeste Torjäger und Vorbereiter der NHL-Geschichte aus der Alpenrepublik. In der laufenden Saison ist er mit 40 Punkten (18 Tore, 22 Assists) in 56 Partien der zweitbeste Scorer, Torschütze und Vorbereiter der Kings. Fiala hat aber noch mehr zu bieten, wie seine Mitspieler betonen.

„Er kreiert Chancen und bringt den Puck ins Rollen“, lobte Pius Suter, der für die St. Louis Blues aktiv ist. „Er bringt viel Energie und spielt mit so viel Stolz und das ist ansteckend für uns alle. Er sorgt dafür, dass wir bereit sind und den Spielen entgegenfiebern.“

NYR@LAK: Fiala klaut den Puck und trifft in seinem 700. NHL-Spiel

Schweizer Spieler genießen Olympisches Erlebnis

Die heiße Phase hat für die Eidgenossen noch nicht angefangen. Bisher konnten sich die Spieler darauf konzentrieren, zu trainieren, sich auf ihre Mitspieler einzustellen und schlicht das Erlebnis Olympia zu genießen.

„Ich liebe es hier“, schwärmte Fiala vom Leben im Olympischen Dorf. „Es ist echt cool und macht Spaß, den Kontakt mit den ganzen anderen Sportlern zu haben.“

Bei allen Ambitionen und dem Fokus auf den Erfolg, versäumt es die Auswahl auch nicht, sich abzulenken, zu entspannen und die historische Umgebung aufzunehmen. Mit dem Veranstaltungsort hätte man es auch schlechter treffen können, wie den Schweizern bewusst ist.

„Wir hatten gestern ein bisschen Freizeit und haben einige Zeit in der Stadt verbracht“, berichtete Fiala. „Eine wunderschöne Stadt. Ich war vorher noch nie hier. Wir haben uns den Dom angeschaut und das Olympische Feuer.“

Wie viel ist drin?

Doch am Ende sind Fiala und seine Kollegen nur zu einem Zweck hier. Sie wollen im Turnier so weit wie möglich kommen, die großen Gegner ärgern und beweisen, dass man die Schweiz niemals unterschätzen sollte.

„Wir schauen einfach von Tag zu Tag“, blieb der Assistenzkapitän bescheiden. „Heute ist das letzte Training und dann muss man die Dinge nehmen, wie sie kommen. Es ist kein Geheimnis, dass wir eins der kleineren Länder sind und ein bisschen zu den Außenseitern gehören. Es wird aber spannend, was wir in diesem Turnier schaffen können.“

Dass die Schweiz mittlerweile gegen jeden Gegner bestehen kann, ist längst bekannt. Immerhin wurde das Team von Trainer Patrick Fischer in den vergangenen beiden Jahren zwei Mal Vizeweltmeister. Die Vorrundengruppe mit Kanada, Tschechien und Frankreich ist nicht die leichteste, trotzdem haben die Eidgenossen das Potenzial weit zu kommen.

Eingespieltes Team mit Starbesetzung

Eine Stärke von Fischers Mannschaft ist, dass sie über die vergangenen Jahre zusammenwachsen konnte. Spitzenteams wie Kanada, die USA und Schweden wirken angesichts der NHL-Besetzung auf dem Papier überlegen. Viele dieser Spieler haben aber noch nie, oder zumindest seit der U20-Nationalmannschaft nicht mehr zusammengespielt. Das sieht bei der Schweiz anders aus.

„Wir stehen uns als Mannschaft sehr nahe“, versicherte Fiala. „Wir kennen uns schon sehr lange und sehr gut. Es ist ungefähr das gleiche Team wie bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Jeder kennt jeden und es ist eine große Familie. Da freut man sich schon auf das erste Spiel zusammen.“

Außerdem hat auch die Schweiz sehr viel mehr Talent in ihren Reihen als je zuvor. Josi und Fiala sind ebenso Stars in der NHL wie etwa Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler, das Trio von den New Jersey Devils. Das Talent in der Spitze ist groß und die Tiefe der Mannschaft kann sich sehen lassen. Trotzdem wird die Schweiz als Underdog gesehen. Wer sie unterschätzt, könnte das aber bereuen.

„Wir begrüßen diese Außenseiterrolle“, sagte Fiala. „Wir haben super Spieler, sowohl aus der NHL als auch aus der Schweizer Liga. Das ist eine gute Mischung, die Rollen sind gut verteilt. Es ist egal, was alle anderen sagen, wir wissen, was wir schaffen können. Wir müssen nur alle an einem Strang ziehen und das tun wir.“

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