110123 Draisaitl EDM

Als die Edmonton Oilers im vergangenen Frühjahr in der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs mit 2:4 an den Vegas Golden Knights scheiterten, war der Ärger bei Leon Draisaitl, Connor McDavid und ihren Mitstreitern groß. Einmal mehr war das Ansinnen, den Stanley Cup nach Edmonton zu holen, vorzeitig gescheitert. 

Die Oilers zeigten sich unmittelbar nach dem Verpassen des großen Traums bitter enttäuscht, aber nach kurzem Durchatmen rasch zuversichtlich, aus den Erlebnissen der K.o.-Phase die richtigen Lehren ziehen zu können und es in der Saison 2023/24 besser zu machen.

Saisonstart 2023/24 entwickelt sich für Edmonton zum Albtraum

Dass das Unterfangen so schwer werden würde, wie es sich Mitte November darstellt, damit hatten sie im Lager der Oilers nicht gerechnet. Nach zwölf Begegnungen der Spielzeit 2023/24 rangieren die Kanadier mit einer Bilanz von 2-9-1 und daraus resultierenden fünf Punkten auf dem 31. Platz in der 32er-Liga. 

Lediglich die San Jose Sharks liegen mit ebenfalls fünf Zählern aus 13 Spielen hinter Edmonton. Und ausgerechnet gegen San Jose kassierten Draisaitl & Co. am Donnerstag die jüngste Niederlage. Diese unerwartete sportliche Krise richtig zu begreifen, fällt den Oilers schwer.

Optisches Übergewicht nicht zu Toren genutzt

„Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll", rang der gebürtige Kölner Draisaitl nach dem 2:3 im SAP Center nach Worten. "Wir schaffen es regelmäßig mehr Torschüsse abzugeben als der Gegner, belohnen uns aber nicht ausreichend dafür. Wir haben die richtige Balance in unserem Spiel leider noch immer nicht gefunden“, lautete seine erste Erklärung. Ein Blick auf die Statistiken des Spiels belegt tatsächlich, dass die Oilers mit 41:18 Torschüssen die Begegnung auf dem Eis deutlich dominiert hatten. Nur das Ergebnis passte aus Sicht der Gäste einmal wieder nicht zum geleisteten Aufwand.

Edmontons Stürmer Ryan Nugent-Hopkins gab sich nach der Schlusssirene dennoch kämpferisch: „Wenn man schwierige Phasen durchmacht, ist es einfach, sich aufzugeben, doch das gibt es in dieser Gruppe nicht", erklärte er. „Unglücklicherweise haben wir das in der Vergangenheit schon einmal durchgemacht. Damals haben wir einen Ausweg aus der Situation gefunden und das werden wir auch diesmal schaffen.“

Sieglosserie zerrt an den Nerven der Oilers

Dazu müssen sie bei den Oilers in den kommenden Tagen und Wochen die Nerven behalten, denn in San Jose kassierte der Titelmitfavorit bereits die vierte Pleite hintereinander, und das im Duell der beiden formschwächsten Teams der Liga.

Während die Sharks durch den zweiten Sieg inzwischen frisches Selbstvertrauen aufbauen können, nachdem sie zu Beginn der Saison elf Mal in Serie sieglos geblieben waren, geht das große Rätselraten bei den Oilers nach dem abermaligen Rückschlag weiter. Der letzte Erfolg gelang Edmonton vor fünf Spielen, ausgerechnet beim prestigeträchtigen Heritage Classic gegen die Calgary Flames (5:2), und auch die Auswärtsbilanz sieht mit 1-5-0 inzwischen alles andere als befriedigend aus.

Konzentration auf die tägliche Arbeit

Oilers-Coach Jay Woodcroft betonte, dass er sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz mache. „Nein, ich kümmere mich lieber um das tägliche Geschäft und meine täglichen Aufgaben. Ich stelle dadurch sicher, dass ich meinen Spielern etwas gebe, worauf sie sich konzentrieren können", gibt sich Woodcroft kampfeslustig. „Keiner ist mit unserer Situation zufrieden. Wir können uns verbessern, und darauf liegt mein Fokus."

Unglücklicher Spielverlauf in San Jose 

Der Spielverlauf in San Jose war für die feldüberlegenen Gäste unglücklich. 

Fabian Zetterlund brachte die Sharks nach 18:35 Minuten des ersten Drittels durch einen Handgelenkschuss mit 1:0 in Führung, obwohl die Oilers den ersten Abschnitt mit einem Torschussverhältnis von 14:6 klar dominiert hatten.

Edmonton glich in der zweiten Minute des Mitteldrittels durch Darnell Nurse aus. Es war sein 69. NHL-Tor. Draisaitl lieferte hierfür die Vorlage. Es war seine zehnte im Verlauf der Saison.
 
Eine Willensleistung, die auch Coach Woodcroft freute: „Man muss die guten Dinge aus diesem Spiel mitnehmen und sie in den Vordergrund stellen", befand der Trainer. „Gleichzeitig gilt es für uns die persönlichen Fehler deutlich zu reduzieren.“ 

Was zu selten gelang, wie beim 2:1 für San Jose durch Tomas Hertl in der 30. Minute. Hertl schnappte sich den herrenlosen Puck und verwertete diesen zur abermaligen Führung der Hausherren. Filip Zadina erhöhte in der 42. Minute sogar auf 3:1, nachdem der deutsche Nico Sturm ihn mit einem Querpass in Szene gesetzt hatte.

EDM@SJS: Zadina trifft gegen Oilers auf Vorlage von Sturm

Sturm sieht San Jose auf einem guten Weg

„Was mir an den letzten beiden Spielen gefallen hat, ist, dass wir immer dann, wenn wir ein Tor kassiert haben, die richtige Reaktion gezeigt haben", zeigte sich Sturm nach dem Sieg gegen die Oilers erleichtert. „Egal, ob wir ein Tor geschossen oder ein Gegentor kassiert haben, ich denke, wir sind auf Kurs geblieben, wie wir spielen wollten, und das ist offensichtlich ein gutes Zeichen für unser Team." Das gelingt dem Team aus Edmonton aktuell nicht. 

Anschlusstreffer durch Nugent-Hopkins kommt zu spät

Knapp drei Minuten vor Spielende gelang Nugent-Hopkins durch einen Handgelenkschuss das Anschlusstor für die Gäste, doch zum Ausgleich sollte es an diesem Abend nicht mehr reichen. „Das ist eine harte Liga", sagte Draisaitl hinterher. „Die Jungs haben alles gegeben. Offensichtlich gibt es nicht allzu viele Jungs in diesem Raum, die im Moment Selbstvertrauen haben. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Ich versuche einfach, jeden Tag besser zu werden." 

Nächste Herausforderung für Edmonton in Seattle 

An der Arbeitseinstellung mangelt es den Oilers nicht. Es fehlt ihnen einfach das eine oder andere Erfolgserlebnis, um das angeschlagene Selbstvertrauen zu stärken. Leichter wird das Programm allerdings in den kommenden Tagen nicht. Am Samstag sieht der Spielplan für die Oilers ein Auswärtsspiel bei den Seattle Kraken mit Philipp Grubauer vor.

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