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Die Seattle Kraken werden in der Saison 2021/22 offiziell zum 32. Franchise der NHL. In den Tagen vor dem Expansion Draft am 21. Juli berichtet NHL.com/de über Teams, die neu zur Liga stießen. In dieser Ausgabe: Expansion Draft der Vegas Golden Knights.

In der Regel hat eine Expansion-Mannschaft zwar viel Tiefe, aber nur wenig Qualität in der Spitze. Wie man sich dennoch ein Team zusammenstellt, das direkt um den Stanley Cup mitspielen kann, machten 2017 die Golden Knights vor: Der damalige GM George McPhee sorgte in Zusammenarbeit mit dem Ex-Coach Gerard Gallant für einen Kader, der zwar nicht die klanghaftesten Namen beinhaltete, dafür aber Spieler, die mit ihrer Mentalität, ihrem Charakter und ihren Fähigkeiten perfekt in die taktischen Pläne passten.
Das Resultat: Vegas gewann gleich in seiner Debüt-Saison total überraschend die Western Conference und zog in das Stanley Cup Finale (1:4 gegen die Washington Capitals) ein. Als ernstzunehmender Anwärter auf den Titel erreichten sie auch in den drei folgenden Saisons stets die Stanley Cup Playoffs.
NHL.com/de blickt auf den Expansion Draft 2017 zurück und analysiert, welche Schlüsselentscheidungen die Golden Knights damals gefällt hatten.
Fleury wird Starter, Publikumsliebling und Playoff-Monster
Unter den drei Torhütern, die Vegas im Expansion Draft ziehen musste, entschieden sich die Golden Knights für Calvin Pickard (Colorado Avalanche), Jean-Francois Berube (New York Islanders) und Marc-Andre Fleury (Pittsburgh Penguins). Während Pickard (Trade zu den Toronto Maple Leafs) und Berube (kein Vertragsangebot, Wechsel zu den Chicago Blackhawks) nie für Vegas spielten, wurde Fleury zum ultimativen Rückgrat der neuen Mannschaft. Der Goalie war, von Anfang an, der ultimative Publikumsliebling und das Gesicht der "Vegas Born"-Kampagne.
Auch sportlich wies der dreimalige Stanley Cup Sieger Fleury nach, dass es eine schlechte Entscheidung der Penguins war, ihn ziehen zu lassen. Bei den Golden Knights parierte sich der Torwart in einen Rausch und wurde zum Playoff-Monster. Die Bestätigung folgte nach seiner vierten Saison in Vegas im Sommer 2021 mit dem Gewinn der Vezina Trophy (bester Goalie der Saison). Kurios: Damit sich die Golden Knights verpflichteten, Fleury auszuwählen, schickte Pittsburgh zusätzlich auch noch ein Zweitrunden-Draftpick nach "Sin City".

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Marchessault, Karlsson, Smith - Eine Reihe für die Ewigkeit
2021 stehen nur noch fünf Spieler im Kader, die im Expansion Draft 2017 ausgewählt wurden: Neben Fleury auch Verteidiger Brayden McNabb (Los Angeles Kings) sowie die Stürmer William Carrier (Buffalo Sabres), William Karlsson (Columbus Blue Jackets) und Jonathan Marchessault (Florida Panthers).
Vor allem die Akquise von Karlsson und Marchessault erwies sich als echter Coup: Karlsson galt in der Saison 2016/17 mit gerade einmal 25 Scorerpunkten (sechs Tore, 19 Assists) in 81 Spielen als Enttäuschung und wurde deshalb nicht geschützt. In Vegas aber legte der Mittelstürmer einen beispiellosen Aufstieg hin und sammelte 2017/18 in 82 Spielen unglaubliche 78 Scorerpunkte (43 Tore, 35 Assists) sowie noch einmal 15 Punkte (sieben Tore, acht Assists) in 20 Playoff-Partien.
Durch die Auswahl von Marchessault erhielten die Golden Knights auch noch Reilly Smith hinzu und schickten als Ausgleich einen Viertrunden-Draftpick nach Florida. Der nächste "goldene Deal", denn sowohl Marchessault (77 Spiele, 27-48-75; Playoffs: 20 Spiele, 8-13-21) als auch Smith (67 Spiele, 22-38-60; Playoffs: 20 Spiele, 5-17-22) entwickelten sich zu ultimativen Leistungsträgern.
Die Sturmreihe Marchessault, Karlsson, Smith, die in Vegas' Debütsaison ligaweit für Furore gesorgt hatte, spielt übrigens bis heute so zusammen und dürfte als "Linie für die Ewigkeit" in die Geschichtsbücher der Golden Knights eingehen.

COL@VGK, Sp6: Karlsson nutzt Querpass von Martinez

"Spieler-Geschenke", Draft-Picks und Trades
Wie das Beispiel von Smith zeigt, nutzte Vegas die Möglichkeit, Deals auszuhandeln und zusätzliche Spieler oder Draftpicks zu generieren.
Die wichtigsten "Spieler-Geschenke" erhielten die Golden Knights von den Florida Panthers (siehe Smith), Anaheim Ducks und Minnesota Wild. So wählte Vegas etwa Clayton Stoner von den Ducks aus und erhielt zusätzlich Verteidiger Shea Theodore, der bis heute für die Golden Knights spielt. Von den Wild wählten die Golden Knights Erik Haula aus und erhielten zudem Power Forward Alex Tuch (im Austausch für ein Drittrunden-Pick), der bis heute eine wichtige Rolle spielt.
Zudem sicherte sich Vegas durch die Auswahl bestimmter Spieler oder später eingefädelte Trades eine Menge vielversprechender Draft Picks. So kamen etwa Nick Suzuki (via Erstrunden-Pick der Winnipeg Jets) oder Erik Brannstrom (via Erstrunden-Pick der New York Islanders). Jahre später konnte etwa der heutige Kapitän Mark Stone gegen unter anderem Brannstrom von den Ottawa Senators oder der heutige Erstreihen-Stürmer Max Pacioretty gegen unter anderem Suzuki von den Montreal Canadiens transferiert werden. Die Entscheidungen rund um den Expansion Draft hatten also auch weitreichende Auswirkungen auf die mittelfristige Zukunft.

MTL@VGK, Sp1: Theodore haut Onetimer zum 1:0 rein