Die Nashville Predators haben am Donnerstag im Rennen um die Stanley Cup Playoffs ein deutliches Lebenszeichen gesendet – und einmal mehr ist es Kapitän Roman Josi, der den Kurs vorgibt. Beim 3:1-Erfolg gegen die Seattle Kraken in der Bridgestone Arena zeigte Nashville genau jene Qualitäten, die Josi seit Wochen einfordert: Kampfgeist, Geschlossenheit und die Fähigkeit, enge Spiele für sich zu entscheiden.

Der Sieg brachte die Predators mitten hinein in das Rennen um den zweiten Wildcard-Platz der Western Conference. Sie stehen mit nun 71 Zählern aus 68 Spielen punktgleich mit Seattle (ebenfalls 71), nur einen Punkt hinter den Los Angeles Kings (72) – ein Szenario, das vor wenigen Wochen kaum vorstellbar war. Denn nach einem aktiven Trade-Deadline-Auftritt, bei dem mehrere Spieler abgegeben wurden, schien der Fokus eher auf die Zukunft gerichtet. Doch Josi und seine Mannschaft weigern sich, die Gegenwart aufzugeben.

Ein Kapitän, der den Ton angibt

Für Josi steht weniger die Tabelle als vielmehr die Entwicklung innerhalb der Mannschaft im Vordergrund. Der Schweizer Verteidiger, seit Jahren das Gesicht des Franchise, sieht vor allem eines: ein Team, das zusammengewachsen ist.

„Wir kämpfen um jedes Spiel und stehen als Team zusammen. Die Siege gegen Seattle waren wichtig für uns als Mannschaft“, betonte Josi nach dem Spiel. Gerade in engen Partien sei dieser Zusammenhalt entscheidend – und genau dort haben die Predators zuletzt überzeugt.

Auch gegen Seattle war die Partie lange offen, intensiv geführt und von hoher taktischer Disziplin geprägt. „Das war sehr wichtig heute. Das Spiel war eng und intensiv. Unser Beginn war stark. Annunen war stark heute. Er hatte einige wichtige Aktionen“, sagte Josi und lobte damit insbesondere Torhüter Justus Annunen, der kurzfristig einspringen musste und mit 25 Paraden überzeugte.

Dass Nashville solche Spiele inzwischen häufiger gewinnt, ist kein Zufall. Es ist das Resultat einer klaren Haltung – geprägt vom Kapitän selbst.

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Trotz Umbruch: Nashville bleibt im Rennen

Die Wochen vor der NHL Trade Deadline hätten das Team auch aus der Bahn werfen können. Nashville gab unter anderem Spieler wie Michael Bunting, Nick Blankenburg, Cole Smith und Michael McCarron ab – ein klassisches Signal für einen Umbruch.

Doch anstatt einzubrechen, reagierte die Mannschaft mit Trotz. Josi sieht darin ein Zeichen von Reife: Die Predators haben sich nicht auf Ausreden zurückgezogen, sondern ihre Identität geschärft.

„Wir sind eine junge Mannschaft und lernen“, erklärte er. Gerade diese Lernkurve sei entscheidend – vor allem in Spielen, die bereits Playoff-Charakter haben. Und genau so fühlten sich die Duelle mit Seattle an.

Innerhalb von zehn Tagen gewann Nashville zweimal gegen die Kraken, ein direkter Konkurrent im Kampf um die letzten Playoff-Plätze. „Das sind schon Spiele wie in den Playoffs“, sagte Josi. „Für uns ist es riesig, solche Spiele zu gewinnen.“

Die Aussage zeigt, wie sehr sich die Perspektive verändert hat: Vom vermeintlichen Verkäufer-Team hin zu einer Mannschaft, die aktiv um die Postseason kämpft.

Die nächste Generation überzeugt

Ein zentraler Faktor für den Aufschwung ist die Entwicklung der jungen Spieler. Viele von ihnen bekamen durch die Abgänge mehr Verantwortung – und nutzen diese Chance eindrucksvoll.

„Die jungen Spieler im Kader machen einen tollen Job. Das überrascht mich nicht. Wir wussten schon, was sie können, als sie hochgezogen wurden. Sie steigern sich von Spiel zu Spiel. Das ist wichtig“, erklärte Josi.

Dies zeigte sich auch im Spiel gegen Seattle. Verteidiger Ryan Ufko erzielte sein erstes NHL-Tor und brachte Nashville früh in Führung (7.). Es war ein Symbol für den frischen Wind im Kader – und für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig sorgen erfahrene Kräfte weiterhin für Stabilität. Ryan O'Reilly traf im Powerplay zur 2:1-Führung (28., pp), während Filip Forsberg einmal mehr als Offensivmotor glänzte (59., en).

Forsberg glänzt – Josi bleibt der Maßstab

Forsberg steuerte ein Tor und zwei Assists bei und unterstrich seine herausragende Form. Mit seinem 30. Saisontreffer setzte er ein weiteres Ausrufezeichen – und nähert sich gleichzeitig einer Bestmarke seines Kapitäns.

Es war bereits sein 183. Spiel mit mehreren Punkten – nur eines weniger als Josi, der mit 184 Partien den Franchise-Rekord hält. Dass Forsberg in diese Regionen vorstößt, spricht für seine Klasse. Doch es zeigt auch, wie konstant Josi über Jahre hinweg performt hat.

Während Forsberg offensiv glänzt, bleibt Josi (25:50 Minuten Eiszeit) der strategische Mittelpunkt des Teams. Er organisiert das Spiel aus der Defensive, übernimmt Verantwortung in allen Situationen und verkörpert die Mentalität, die Nashville derzeit auszeichnet.

Der Glaube ist zurück

Die Predators haben sich in eine Position gebracht, in der wieder alles möglich ist. Der Rückstand auf die Playoff-Plätze ist minimal, die Form stimmt, und das Selbstvertrauen wächst von Spiel zu Spiel.

Trainer Andrew Brunette sprach nach dem Sieg von einer neuen Energie im Team – und auch im Umfeld. Die Fans spüren, dass sich etwas entwickelt.

Für Josi ist das jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: Der Kapitän weiß, dass der Weg noch lang ist – und dass jeder Punkt entscheidend sein kann.

Doch eines hat Nashville bereits bewiesen: Dieses Team gibt sich nicht auf. Es kämpft. Es wächst. Und es glaubt an sich.

Oder, wie es Josi selbst formuliert: Die Predators „kämpfen als Team“. Und genau das könnte am Ende den Unterschied zu ihren Gunsten ausmachen.

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