Der Weihnachtsbraten lag den Detroit Red Wings beim 2:5 bei den Carolina Hurricanes offenbar noch etwas schwerer im Magen. Doch die Mannschaft von Trainer Todd McLellan hatte sich gleich wieder berappelt. Am Sonntagabend (Ortszeit) feierten die Red Wings den nächsten Sieg. Mit 3:2 nach Verlängerung schlug das Team die Toronto Maple Leafs in der heimischen Little Caesars Arena und ließ sich dabei auch von einem zweimaligen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen.

Die Niederlage in Carolina nach den Weihnachtsfeiertagen mussten die Spieler der Red Wings erstmal verdauen. Wobei man im Team trotz der Pleite gegen die Hurricanes gute Ansätze im dritten Drittel ausgemacht hatte, die einen zuversichtlich auf die kommende Aufgabe hatten blicken lassen. „Wir haben im Schlussabschnitt gegen die Hurricanes einige großartige Veränderungen vorgenommen. Diese haben uns noch mal eine gute Gelegenheit gegeben, eine Schippe draufzulegen und aufzuholen. Aber es war nicht gut genug“, befand Detroits Top-Verteidiger Moritz Seider nach dem Spiel in Carolina. Nun gehe es darum, das schnellstmöglich hinter sich zu lassen, weil am Sonntag gleich das nächste wichtige Spiel auf dem Programm stehe.

Chance genutzt

Das ist dann, wenn man so will, das Gute an einem Spielplan, der den Teams jeweils 82 Partien abverlangt: Man hat nicht viel Zeit, um über verpasste Möglichkeiten nachzudenken. Das nächste Spiel schaut quasi schon um die Ecke. Da hat man gleich die Chance, es besser zu machen. Die Red Wings nutzten diese Gelegenheit auch sofort. Was irgendwie klar war. Denn kein anderer Gegner hätte sich dafür wohl besser geeignet. Schließlich hatte Detroit bereits die beiden vorherigen Duelle dieser beiden Original Six Teams für sich entschieden – am 11. Oktober 6:3 zu Hause und zwei Tage später 3:2 in Toronto.

Jetzt folgte der dritte Sieg im dritten Spiel. Das ist aus Sicht des Coachs nicht zu unterschätzen: „Wir sind davon überzeugt, dass man die Serie über eine Saison gewinnen muss. Von daher war das sehr wichtig. Es war eng. Wir alle kämpfen um eine gute Position für April“, sagte McLellan nach der Partie und blickte schon mal mit dem Brustton der Überzeugung in Richtung Playoffs. Dieses Selbstvertrauen dürfen die Red Wings auch zurecht zeigen. Der Sieg gegen Toronto war der vierte in den vergangenen fünf Partien. Und die letzten drei Heimspiele hat man alle nach Verlängerung gewonnen, was auch für eine gewisse Nervenstärke spricht. Und für eine gewisse Risikobereitschaft. „Wenn wir in solche Verlängerungssituationen kommen, glauben wir, dass wir gewinnen können. Wir spielen da nicht auf Sicherheit“, betonte McLellan.

Seiders Hammer

Dass die Gastgeber überhaupt an einen Sieg glauben durften, lag auch an Seider. Der Deutsche packte 59 Sekunden vor dem Ende des Mittelabschnitts den Hammer aus und glich mit seinem siebten Saisontor die erste Gästeführung durch Matthew Knies (25., PP) aus. „Viele Jungs zeigen sich gerade dann, wenn wir sie brauchen. Mo hat sich da besonders hervorgetan. Wow, was für ein Spieler. Dass wir wieder ins Spiel gekommen sind, ist sein Verdienst. Wir haben im ersten Drittel nicht so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Simon Edvinsson, der in der Verlängerung der Held für die Gastgeber war. „Jedes Mal, wenn man spät im Drittel trifft, gibt einem das Momentum. Wir haben uns belohnt für gute sieben, acht Minuten, die wir davor gespielt haben. So ein Tor kann einem ein gutes Gefühl geben“, befand McLellan. Seider ist auf dem besten Weg, seine bisherige persönliche Bestleistung von neun Toren in einer Saison zu knacken. Diese datiert aus der Spielzeit 2023/24.

TOR@DET: Seider gleicht mit Distanzschuss aus

Im dritten Drittel waren aber wieder die Gäste am Zug. Nicholas Robertson profitierte im Schlussdrittel vom guten Nachsetzen seines Teamkollegen John Tavares, der Axel Sandin-Pellikka die Scheibe klaute und Robertson mustergültig bediente (45.). Diesmal brauchten die Red Wings aber nicht lange für den Ausgleich. Mason Appleton traf schon 23 Sekunden später zum 2:2. „Es ist sehr wichtig, in solch einer Situation schnell auszugleichen, speziell, wenn man denkt, dass man eigentlich gut spielt. Das beruhigt einen sofort“, meinte der Torschütze. Dass man so gut mit Rückständen umgehen könne, zeige auch die Widerstandsfähigkeit des Teams. Enge Spiele scheinen den Red Wings in dieser Saison aber sehr zu liegen. 5-1 lautet ihre Overtime-Bilanz, und in Partien mit einem Tor Unterschied stehen sie bei 13-2-3.

Edvinssons großer Moment

In der Verlängerung schlug dann die große Stunde von Edvinsson. Er war Nutznießer der Tatsache, dass Gästekeeper Dennis Hildeby (33 Saves) der Versuch misslang, Auston Matthews anzuspielen. Edvinsson schnappte sich die Scheibe, umkurvte auch noch Hildeby und schob mit der Rückhand ein. Dabei sah es zwischenzeitlich nicht gut aus um den Verteidiger. Nachdem er bei einem Block die Scheibe auf die Seite des Knies bekommen hatte, musste er behandelt werden, konnte aber schon bald wieder weiterspielen. Der Verteidiger sprach hernach von „magischen Dingen“, die die medizinische Abteilung des Teams geleistet hätte.

Für den Schweden war es der fünfte Saisontreffer im 37. Spiel. Geht es nach seinem Trainer, könnte der Linksschütze noch mehr offensive Gefahr ausstrahlen. „Er hat viel Offensive in sich. Ich würde mir wünschen, dass er mehr schießen würde. Er hat einen guten Schuss. Alles, was wir von Moritz und Simon an Offensive bekommen können, ist ein Bonus“, sagte McLellan. Für Edvinsson war es bereits der zweite Siegtreffer in einer Verlängerung. Der erste datierte vom 13. November 2024. Er ist damit erst der siebte Verteidiger in der Geschichte der Red Wings mit zwei Toren oder mehr in der Verlängerung. An der Spitze dieser Liste stehen seine Landsleute Nicklas Lidstrom und Niklas Kronwall, beide mit jeweils vier Overtime-Siegtoren.

TOR@DET: Edvinsson begeistert mit Siegtor in der Verlängerung

Detroit hat durch den Sieg auch die Führung in der Atlantic Division verteidigt und bleibt mit 49 Zählern zwei Punkte vor Tampa Bay und drei vor Montreal. Wie eng es aber in der Eastern

Conference gerade zugeht, zeigt die Tatsache, dass Toronto als Schlusslicht der Atlantic Division gerade mal neun Punkte Rückstand auf Detroit hat. Die Red Wings haben jetzt erstmal zwei Tage Pause, müssen aber um den Jahreswechsel ran. An Silvester empfangen sie die Winnipeg Jets, an Neujahr müssen sie bei den Pittsburgh Penguins antreten. „Wir müssen noch viel mehr Spiele gewinnen. Wir sind in einer guten Position, aber wir dürfen nicht nachlassen“, betonte Edvinsson.

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