Grubauer

Bei der von NHL.com/de am Montag veranstalteten Videokonferenz zeigte sich ein sichtlich gut gelaunter Philipp Grubauer, trotz der frühen Tageszeit in Denver. Der Torhüter der Colorado Avalanche nahm an dem Pressetermin zusammen mit Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), Tobias Rieder (Calgary Flames) und Dominik Kahun (Buffalo Sabres) teil.

"Am Ende war es schwierig in irgendeinen Flieger nach Deutschland zu kommen", erzählt der Rosenheimer Grubauer, dessen Heimatort ein Hotspot der Corona-Pandemie ist. "Deswegen bin ich in Denver geblieben. Wenn es bald wieder losgehen sollte, dann bin ich schon da und muss nicht wieder rüber fliegen."

Auch Möglichkeiten fit zu bleiben, hat er die Besten in der Höhe seiner Wahlheimat in Colorado, die 1.600 Meter über dem Meeresspiegel liegt. "Ich habe aus der Trainingshalle ein paar Gewicht mitgenommen und in der Garage einiges aufgebaut", schildert Grubauer. "Aber deswegen bin ich auch in Denver geblieben, wegen der Freiheit, die man hier hat. Ich habe mir ein Rennrad gekauft und radle jeden Tag nach dem Krafttraining so 100 Kilometer. Das kann ich auch mal schieben, wenn zu viel los ist."

Grubauers Top-Saves in dieser Saison

Auf die Frage, wie denn der Umgang mit dem Schläger trainiert werden könne, fragt sich Draisaitl, wie es denn Grubauer mit seiner "Keule" machen würde. "Die Keule ist eingesperrt", raunzt der mit einem breiten Lachen zurück. "Die kommt erst wieder raus, wenn wir auf das Eis gehen."

Während Draisaitl sein Hund und Rieder, die seiner Eltern als Trainingspartner zur Verfügung stehen, kann Grubauer mit seinem Vierbeiner wenig anfangen, wie er zugibt. "Mein Hund macht gar nichts, der liegt nur faul auf der Couch", stellt er vergnügt fest. "Ich bin nur mit ihm in den Bergen unterwegs, weil Eishockey brauche ich nicht mit ihm zu spielen, denn da hat er Angst vor dem Schläger."

Schwierigkeiten sieht Grubauer beim Trockentraining für Torhüter, weil gewisse Effekte fehlen, wie er erläutert. "Die Hand-Augen-Koordination ist jetzt natürlich auf null", gibt er unumwunden zu. "Weil man bekommt jeden Tag keine 500 bis 600 Schüsse um die Ohren geballert. Wenn man das ein oder zwei Wochen nicht macht, dann verliert man das ganz schnell."

Leon Draisaitl fehlt das Eishockey

Hoffnung hat er aber dennoch, dass es nur eine Frage der Zeit sei. "Aber ich denke, das kommt ganz schnell wieder zurück", ist er überzeugt. "Man kann etwas mit dem Tennisball und Tennisschläger arbeiten, indem man den Ball an die Wand klopft, dass er Richtung der Rübe zurückkommt. Viel mehr kann man derzeit nicht machen."

Gut erholt hätte sich Grubauer von seiner Verletzung aus dem Spiel der NHL Stadium Series am 22. Februar gegen die Los Angeles Kings. "Kurz bevor die Saison unterbrochen wurde, wäre ich eigentlich schon wieder einsatzbereit gewesen", verdeutlicht er. "Deswegen schmerzt es umso mehr. Wir sind in der guten Lage, dass wir zu dem Zeitpunkt viele Verletzte hatten, so neun oder zehn Stammspieler haben uns gefehlt. Von daher war es für uns ein günstiger Zeitpunkt, denn sonst wären wir mit einer halben AHL-Mannschaft in die Playoffs gegangen. Jetzt hoffen wir, dass wir bald wieder anfangen, denn jeder will wieder spielen."

Mit wem aus seiner Mannschaft er am liebsten die Quarantäne verbringen würde, ist für Grubauer auch klar. "(Nikita) Zadorov ist unser Pausenclown in der Kabine", merkt er an. "Mit dem würde es Spaß machen."

Aber auch mit Draisaitl, Rieder und Kahun wäre es sicher lustig. Als Gegner schätzt Grubauer ihre Qualitäten besonders. "Alle drei können ein Häusel gegen mich schießen, aber der Leon hat doch irgendwie dieses Jahr den richtigen Riecher gehabt", schwärmt er mit bayerischen Einschlag bei der Wortwahl. "Und mit seinem Kollegen dem Connor (McDavid) sind sie ein brandheißes Duo."

Grubauer ist überzeugt, dass nach der Pause alle Spieler die Gemeinschaft im Team noch mehr schätzen werden. "Natürlich auf alle Fälle", unterstreicht er. "In der Gruppe hat man ja den Spaß, der es ausmacht. Nur wenn du Spaß hast in der Kabine, dann bist du erfolgreich. Das schätzen die Jungs ganz groß."

Zeitvertreib in der jetzigen Zeit sucht Grubauer mit seiner Freundin beim Spielen von Mario Kart auf dem Fernseher. "Ich bin in FIFA oder NHL überhaupt nicht gut, darum lass ich es lieber bleiben", fällt die Selbsteinschätzung deutlich aus.

Trotzdem hat er auch Tipps zum Fernsehschauen für die Fans parat. "Wir haben gestern auf HBO Chernobyl fertig angeschaut", erzählt er. "Das war recht gut, weil man damals doch ein bisschen was davon in Deutschland mitbekommen hat. Marco Polo war ganz gut auf Netflix. Das kann ich empfehlen, aber ansonsten habe ich auch nicht so viel Fernseh geschaut."

Zum Schluss hatte Grubauer eine klare Botschaft für die Fans: "Ich hoffe, dass alle gesund sind und gesund bleiben und man sieht wieder einmal wie wichtig die Fans im Eishockey sind. Ohne die Fans wären wir gar nichts. Zumindest Playoffs ohne die Fans wären natürlich katastrophal. Von daher hoffen wir, dass es bald weitergeht mit allen im Stadion."