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Das zeichnet einen Champion aus

Pittsburgh Penguins zeigten, dass sie sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Es war kurz vor Mitternacht am Donnerstagabend, es lief die zweite Verlängerung, als Sidney Crosby von der hinteren Bande in Richtung linken Bullkreis zog, Ottawa Senators Verteidiger Chris Wideman den Kapitän der Pittsburgh Penguins gewähren ließ, und Crosby ein Auge für seinen zwischen den Bullykreisen freistehenden Teamkollegen Chris Kunitz bewies. Kunitz zog direkt ab und die Scheibe schlug hinter Senators Schlussmann Craig Anderson ins linke obere Toreck ein.

Mit 3-2 Toren gewannen die Penguins in der PPG Paints Arena von Pittsburgh Spiel 7 des Eastern Conference Finales und stehen im zweiten Jahr in Folge im Stanley Cup Finale. Die best-of-7 Finalserie gegen die Nashville Predators beginnt am kommenden Montag (8 p.m. ET). Pittsburgh genießt zunächst zweimal Heimrecht.

Für den im Conference Finale favorisierten Titelverteidiger erwiesen sich die hinten kompakt stehenden und aufopferungsvoll kämpfenden Senators als echte Herausforderung. Fünf der sieben Aufeinandertreffen endeten mit einem Tor Unterschied, zweimal fiel das entscheidende Tor sogar erst in der Verlängerung. Mit Ausnahme von Spiel 5, das die Penguins mit 7-0 gewannen, verlangten ihnen die Kanadier alles ab.

"Ich bin so stolz auf die Spieler in dieser Gruppe. Sie geben sich nie auf, sie bewahren immer die Geduld, sie lassen sich gar nicht erst frustrieren und versuchen immer die Spiele zu gewinnen", lobte Sullivan auf der gestrigen Pressekonferenz pauschal jeden einzelnen Spieler in seinem Kader.

Einem echten Champion würdig, steckten die Penguins Rückschläge weg und meldeten sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder zurück - sei es in einer einzelnen Partie, in einer Serie oder über die gesamten Postseason hinweg.

Zum Ende der regulären Saison erfuhren die Penguins von der Hiobsbotschaft, dass ihr bester Verteidiger Kris Letang für die Stanley Cup Playoffs verletzt ausfallen wird. Beim Aufwärmen zu Spiel 1 der Erstrundenserie gegen die Columbus Blue Jackets verletzte sich dann auch noch ihr als Nummer 1 gesetzter Schlussmann Matt Murray. Marc-Andre Fleury sprang in die Bresche und mit ihm im Kasten verlor Pittsburgh nur eine Partie gegen die Blue Jackets. Fleury durfte sich in Spiel 7 gegen die Washington Capitals im Conference Halbfinale ebenso über einen Shutout freuen, wie im zweiten Aufeinandertreffen mit den Senators. Als Fleury in der darauffolgenden Begegnung schwächelte, setzte Penguins Chefcoach Mike Sullivan auf den wiedergenesenen Murray und bewies ein gutes Händchen. Murray wehrte bei seinen fünf Einsätzen 123 Torschüsse ab, brachte es dabei auf eine Fangquote von 94,6 Prozent sowie einen Gegentrefferschnitt von 1,35.

Video: OTT@PIT, Sp7: Kunitz gewinnt Serie in 2. Verlängerung

"Ich glaube, dass ich aus der Reha besser zurückgekommen bin als ich zuvor war. Ich habe versucht voll da zu sein, nachdem ich plötzlich reinkam. Du musst dann voll ins Wasser springen, wenn du erst mal mit den Zehen testet, wie das Wasser so ist, dann hast du schon verloren", verriet Murray, der seinen 23. Geburtstag mit dem Einzug in das Stanley Cup Finale feiern konnte, sein Erfolgsrezept.

Beim gestrigen Heimauftritt gaben die Penguins zweimal eine Führung aus der Hand, behielten aber, im Wissen ihrer Qualitäten, die Ruhe und wurden hierfür mit Kunitzs Siegtor belohnt. Sullivans Schachzug Kunitz, der sein letztes Tor am 16. Februar geschossen hatte, in einer Reihe mit Crosby und Conor Sheary auflaufen zu lassen, setzte die Senators matt.

"Das hat uns sehr gut gefallen, wie sie zusammen agiert haben. Wir haben uns dazu entschieden Conor zu bringen, da ich das Gefühl hatte, dass wir dadurch über vier Sturmreihen verfügen, die auch Tore schießen können", begründete Sullivan die Entscheidung Sheary, der zuletzt zweimal von der Tribüne aus zusehen musste, wieder auflaufen zu lassen.

Die Penguins verfügen wie kaum ein anderes Team über die Fähigkeit aus Fehlern zu lernen und sie im darauffolgenden Spiel zu vermeiden. Nach ihren Niederlagen in Spiel 1 und 3, wodurch sie in der Serie mit 1-2 hinten lagen, bemängelten sie, dass sie zu selten den Abschluss gesucht haben. In den folgenden vier Aufeinandertreffen brachte es Sullivans Team auf durchschnittlich 39,75 Torschüsse pro Partie.

In Spiel 6 zogen die Penguins mit 1-2 den Kürzeren, weil sie von drei Überzahlsituationen nicht profitieren konnten. Am Donnerstag standen sie nur einmal mit einem Mann mehr auf dem Eis - Justin Schultz ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und sorgte 8:16 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit für die 2-1 Führung.

Video: OTT@PIT, Sp7: Schultz perfekt aus dem Handgelenk

"Ein gutes Powerplay ist enorm wichtig, vor allem in den Playoffs. Wenn man die Chance bekommt und sie nutzt, so wie unsere Jungs heute, dann hilft es einem Partien zu gewinnen", hob Sullivan noch einmal die Bedeutung des Überzahlspiels hervor.

Auf gut funktionierende Special Teams werden die Penguins auch beim Aufeinandertreffen mit den Predators angewiesen sein.

Trotz aller Euphorie fand Kunitz auch warnende Worte: "Wir zeigten starke Einzelleistungen. Unsere Torhüter waren großartig, doch wir haben die Spiele nicht so dominiert, wie wir es uns gewünscht hätten. In den letzten Partien lief es etwas besser, doch wir müssen über die gesamten 60 Minuten besser spielen, wenn wir eine Chance haben möchten gegen Nashville zu gewinnen."

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