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Am Tag nach dem wilden 5:4 n.2.V. in Spiel 3 des Stanley Cup Finals kehrte bei den Vegas Golden Knights Ruhe ein: Die T-Mobile Arena blieb leer. Keine Spieler waren auf dem Eis. Kein Trainer auf dem Podium. Bei den Carolina Hurricanes war das nicht anders. Die Pause löste in beiden Teams gemischte Gefühle aus.

Wenn dich eine Pause weiterbringt

„Wir haben viel Hockey gespielt. Drei Spiele in fünfeinhalb Tagen, dazu die Reisen zwischen Ost und West“, erklärte Vegas-Headcoach John Tortorella in einem Zoom-Call für Medienvertreter am Sonntag. „Die Spieler sind heute nicht in der Halle. Das hat keine körperlichen, sondern mentale Gründe. Sie brauchen etwas Abstand. Heute lassen wir keinen aufs Eis.“

Tortorella hält es also mit Dichterin Elizabeth Barrett Browing, die einst sagte: „Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause.“

Entsprechend werden die Golden Knights erst am Montag wieder aufs Eis zurückkehren - wenn sie denn auch wollen.

„Unsere Trainingseinheiten sind optional“, so Tortorella. „Training kann dir gerade mehr schaden als helfen. Wir lassen die Spieler ihr eigenes Ding machen und vertrauen ihnen da voll.“

Doch die zwei Tage Pause zwischen Spiel 3 und Spiel 4 stieß nicht bei jedem auf pure Begeisterung. Frag nach bei Hurricanes-Trainer Rod Brind’Amour: „Ich hätte gerne weitergespielt“, so Carolinas Headcoach. „Es war eine lange Saison, da willst du einfach weiterspielen. Ich weiß nicht, ob diese kleinen Pausen schaden oder helfen, aber es ist, wie es ist. Wir werden versuchen, es positiv zu sehen, werden uns ausruhen und erholen und uns für das nächste Spiel bereit machen.“

Enorme körperliche Belastung

Insbesondere für eine Mannschaft wie Vegas waren die Stanley Cup Playoffs 2026 von einer unglaublichen Intensität geprägt. Die Golden Knights teilten insgesamt schon 665 Checks aus und steckten 688 Hits ein (250 gegen den Utah Mammoth in der Ersten Runde, 219 gegen die Anaheim Ducks in der Zweiten Runde, 105 gegen die Colorado Avalanche im Western Conference Finale, 114 gegen die Carolina Hurricanes im Stanley Cup Finale).

Allen voran das Stanley Cup Finale 2026 hob diese Physis noch einmal auf ein komplett neues Niveau. In den drei Spielen ließen Vegas und Carolina 240 teils heftige Hits aufeinander einprasseln (126:114). In Spiel 3 schienen beide Teams nochmal zuzulegen und warfen ein paar Extra-Prozent in jeden Check.

„In den Playoffs spielen alle Teams physischer, das ist Teil des Spiels“, sagt Tortorella. „Ob es dir hilft, hängt von bestimmten Momenten ab. Beide Temas bringen ihr Körperspiel ein. Das wird ein Teil dieser Serie bleiben.“

Hinzu kommt, dass zwei von drei Spielen in die Verlängerung gingen. Spiel 1 endete nach 60:00, Spiel 2 nach 63:56 und Spiel 3 nach 85:38 Minuten. Beide Teams pflegen einen Spielstil mit laufintensivem Forechecking. Weil das komplette System der Hurricanes auf Laufeinsatz ausgelegt ist, müssen die Golden Knights auch in diesem Bereich voll dagegenhalten.

CAR@VGK: Vegas gewinnt, nachdem es im 3. Drittel einen 4-Tore-Vorsprung verspielt hatte

Die Verteidiger Shea Theodore (39:09 Minuten), Brayden McNabb (35:47 Minuten) und Rasmus Andersson (30:56 Minuten) spulten alleine in Spiel 3 enorm viel Eiszeit ab. Es folgten die Stürmer Mark Stone (27:03 Minuten), Mitch Marner (27:00 Minuten) und Jack Eichel (26:43 Minuten). Besonders beeindruckend ist das bei McNabb, denn er hatte in Spiel 2 einen Direktschuss mit 140 km/h mitten ins Gesicht bekommen - und kehrte in Spiel 3 mit einem Vollvisier zurück.

Der Siegtorschütze in der Overtime Theodore bekam von Tortorella ein Extra-Lob. „Seit ich während der regulären Saison hierhergekommen bin, hat er sich enorm gesteigert und spielt auf hohem Niveau“, schwärmt Vegas Coach. „Er war zuvor etwas unsicher, aber von meinem ersten Tag an glänzt er mit seinem Spiel.“

Bei den Hurricanes gingen die Abwehrspieler Sean Walker (34:20 Minuten), K’Andre Miller (33:25 Minuten), Jacob Slavin (29:56 Minuten) und Jalen Chatfield (28:15 Minuten) sowie Angreifer Seth Jarvis (27:22 Minuten) als Eiszeit-Fresser voran.

CAR@VGK: Der Puck prallt von der Bande ab und Bussi schiebt ihn ins Tor

Die Gefahr der Momentum Swings

Bliebe also noch die psychische Komponente, die in der Final-Serie einen unglaublichen Einfluss hat. In Spiel 3 war das nicht anders: Vegas sah nach einem berauschenden zweiten Drittel mit vier Toren und dem schnellsten Hattrick der Geschichte im Stanley Cup Final von Mitch Marner schon wie der sichere Sieger aus. Dann aber folgte einer monströse Aufholjagd von Carolina im dritten Drittel mit vier Treffern. Ausgerechnet im dritten Drittel, was eigentlich immer die Spezialdisziplin der Golden Knights war.

„Das macht mir keine Sorgen“, sagt Tortorella. „Das ist Playoff-Hockey, da kann immer viel passieren. Ich weiß nicht, wie und warum diese Momentum-Wechsel passieren. Alles, was wir tun können, ist, künftig besser damit umzugehen. Meine Spieler verstehen diese Momentum-Swings - und die waren in den ersten drei Spielen richtig wild.“

„Wir warten darauf, dass sie Fehler machen und wollen diese nutzen“, so Brind’Amour. „Wir wollen so fokussiert bleiben, wie möglich. Wenn du nur einmal blinzelst, dann schlägt es hinten ein.“

Welchen Wahnsinn hält also Spiel 4 für uns bereit? Puck-Drop ist am Dienstag um 8 p.m. ET (Mittwoch, 2 Uhr MESZ) in der T-Mobile Arena in Las Vegas. Die Golden Knights führen in der Best-of-7-Serie mit 2:1.

„Die Spiele sind eng“, weiß Brind’Amour. „Wir müssen uns da einfach durchkämpfen. Beide Mannschaften haben verstanden, wie sie spielen müssen. Daran werden wir uns halten.“

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