Wirklich nichts sprach in dieser Phase für Carolina, doch binnen 39 Sekunden änderte sich die komplette Statik des Spiels. Bei 7:03 eroberte Jarvis den Puck im Forechecking und spielte ihn vors Tor, wo Jordan Martinook zum 1:4 traf. Bei 7:29 eroberte Sebastian Aho die Scheibe in der gegnerischen Zone und spielte sie auf den zweiten Pfosten, wo Taylor Hall auf 2:4 verkürzte. Bei 7:42 schoss Jaccob Slavin nach einem Faceoff-Gewinn verdeckt aus der Distanz, Jordan Staal fälschte ab und besorgte den 3:4-Anschluss (48.).
„Wir haben die Reihen ein bisschen umgestellt, besser zu unserem Spiel gefunden und das Spiel wieder spannend gemacht“, sagte Brind’Amour.
Der Weg zum Ausgleich hatte sich für die Hurricanes in Windeseile von einem Marathon zu einem 100-Meter-Rennen verwandelt. Carolina blieb auf dem Gaspedal stehen, Martinook prüfte Hart mit einem Rückhand-Schuss (51.).
Auch mit Hilfe eines Powerplays wehrten sich die Golden Knights zwischenzeitlich besser und sorgten für eine entlastende Phase. Erst fünf Minuten vor dem Ende bliesen die Hurricanes wieder zur Schlussoffensive.
Im Powerplay wurde der Druck dann zu groß. Nach einigen guten Möglichkeiten herrschte pures Chaos vor dem Vegas-Tor, also drückte Andrei Svechnikov den Puck zum 4:4 über die Linie (59.). Erst zum zweiten Mal in der NHL-Geschichte wurde ein Vier-Tore-Rückstand in einem Drittel in den Stanley Cup Playoffs noch aufgeholt.
„So läuft es im Hockey“, sagte Karlsson. „Du bist nie wirklich weg. Ich muss den Gegner loben. Sie haben sich zurückgekämpft und ausgeglichen.“
1. Verlängerung: Viel Spannung, hohe Intensität
Der Wahnsinn ging also in die Overtime, wo das Spiel hin und herwogte. Dabei hatten die Hurricanes in der ersten Hälfte, dann die Golden Knights in der zweiten Hälfte ein optisches Übergewicht durch mehr Zeit in der Offensive. Nach 80 Minuten hochintensivem Eishockey war aber noch immer kein Sieger gefunden.
2. Verlängerung: Die Entscheidung
Nach 5:38 in der zweiten Overtime sollte dann die Entscheidung zu Gunsten von Vegas fallen - natürlich auf kuriose Art und Weise: Shea Theodore schoss aus der Distanz am Tor vorbei, doch der Puck flipperte über den Schläger von Martinook und den linken Schlittschuh von Bussi in Carolinas Tor (86.).
„Zu diesem Zeitpunkt der Verlängerung willst du einfach alles Richtung Tor bringen, was geht, und hoffst auf einen Abpraller“, so Siegtorschütze Theodore. „Zum Glück haben wir ihn bekommen. Am Ende waren wir wieder eine widerstandsfähige Mannschaft. Wir bleiben ruhig und aufgeräumt.“
„Was für ein Spiel, oder?“, freute sich Eichel. „Es war natürlich nicht das dritte Drittel, das wir spielen wollten. Wir haben sie ins Spiel zurückkommen lassen. Am Ende des Tages zählt aber nur, dass wir einen Weg gefunden haben.“
Spiel 4 ist am Dienstag (8 p.m. ET; Mittwoch, 2 Uhr MESZ) erneut in der T-Mobile Arena.
„Zu diesem Zeitpunkt der Saison gibt es keine moralischen Siege. Das ist irrelevant, wenn ich ehrlich bin“, meint Brind’Amour. „Wir müssen uns jetzt sammeln.“