Wenn am Sonntag in der Grand Casino Arena in St. Paul der Puck fällt, geht es um weit mehr als nur den Einzug ins Finale der IIHF U20-Juniorenweltmeisterschaft 2026. Vier der größten Eishockey-Nationen stehen sich gegenüber, und jede einzelne von ihnen trägt die Last einer historischen Sehnsucht auf den Schultern. Tschechien wartet bereits seit dem Jahr 2001 auf eine Goldmedaille, eine Ewigkeit im schnelllebigen Junioreneishockey. Auch für die stolzen Schweden datiert der letzte Triumph aus dem Jahr 2012, während Finnland zuletzt 2019 ganz oben auf dem Treppchen stand. Selbst Kanada, das zwar 2023 triumphierte, steht nach dem frühen Ausscheiden in den Viertelfinals der letzten beiden Jahre unter immensem Druck, die Ordnung in der Eishockeywelt wiederherzustellen.
Besonders brisant ist die Situation für die beiden nordischen Vertreter, die als die „Unvollendeten“ der jüngsten Vergangenheit gelten. Die Schweden mussten sich 2024 bei ihrer Heim-WM in Göteborg mit Silber begnügen, ein Trauma, das tief sitzt. Finnland ereilte ein ähnliches Schicksal erst im vergangenen Jahr in Ottawa, als sie ebenfalls im Finale unterlagen. Beide Teams kennen den Schmerz der Niederlage im entscheidenden Moment also nur zu gut und brennen darauf, die Farbe ihrer Medaille endlich in Gold zu verwandeln.
Der Spielplan für diesen „Super-Sunday“ in Minnesota verspricht Dramatik pur. Den Auftakt machen um 15:30 Uhr Ortszeit (22:30 Uhr MEZ) die Nachbarn aus Skandinavien, bevor um 19:30 Uhr (2:30 Uhr MEZ) Kanada und Tschechien die Klingen kreuzen. In diesem Stadium des Turniers zählt keine Statistik der Vorrunde mehr, sondern ausschließlich die mentale Stärke und die Tagesform.
Das nordische Derby
Das erste Halbfinale ist ein echter Klassiker, der durch die jüngste Historie zusätzlich an Schärfe gewinnt. Die Partie zwischen Schweden und Finnland ist ein direktes Rematch des Halbfinals von 2025 in Ottawa. Damals setzten sich die Finnen in einem Herzschlagfinale mit 4:3 in der Verlängerung durch. Für die Finnen ist das Erreichen dieser Runde eine Bestätigung ihres Kampfgeistes, nachdem sie im Viertelfinale den Gastgeber USA dramatisch in der Overtime ausschalteten. Finnlands Kapitän Aron Kiviharju brachte die Stimmungslage nach dem Sieg gegen die Amerikaner auf den Punkt: „Man muss den USA Anerkennung zollen, das ist ein verdammt gutes Team. Aber ich habe gesagt, wir wollten diese Revanche für letztes Jahr, und ich denke, wir haben sie uns verdient.“ Nun wartet mit Schweden der nächste Erzrivale.
Stilistisch prallen in diesem Duell zwei Welten aufeinander. Die Schweden präsentierten sich im bisherigen Turnierverlauf als makellose Maschine und sind das einzige Team, das alle fünf Spiele in der regulären Spielzeit gewinnen konnte, zuletzt souverän mit 6:3 gegen Lettland. Finnland hingegen kultiviert das Image der "Comeback-Kids", die auch nach Rückständen nie aufgeben. Ein entscheidender Faktor dürfte das Duell zwischen Finnlands Torhüter Petteri Rimpinen und der schwedischen Offensive werden. Rimpinen, der bereits 2025 als bester Torhüter ausgezeichnet wurde, erhielt von Kiviharju das Prädikat „Showtime“. Er muss über sich hinauswachsen, um die schwedische Feuerkraft zu stoppen.
Taktisch wird viel davon abhängen, ob Finnland die schwedischen Scharfschützen limitieren kann. Mit Anton Frondell und Kapitän Jack Berglund, die beide bereits bei sieben Scorerpunkten stehen, verfügt Schweden über eine enorme offensive Breite. Die Finnen zeigten gegen die USA phasenweise, wie man Top-Favoriten ärgert, müssen aber disziplinierter agieren, um nicht in die schwedische Maschinerie zu geraten. In einem Spiel, das von taktischer Disziplin geprägt sein wird, könnte dem ersten Treffer eine noch größere Bedeutung zukommen als üblich.




















