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Nico Sturm exklusiv: Die große Chance auf die NHL

Der 23-jährige Stürmer aus Augsburg spricht in Tête-á-Tête über seine ersten Tage in Minnesota

von Alexander Gammel @nhlde / NHL.com/de Autor

Jeden Donnerstag während der Saison 2018/19 wird NHL.com/de in der Rubrik "Tête-á-Tête" eine exklusive Konversation mit Spielern oder Persönlichkeiten der NHL über alle Bereiche auf und abseits des Eises präsentieren.

In dieser Ausgabe: Nico Sturm von den Minnesota Wild.

Seit Montag, den 1. April steht ein weiterer deutscher Spieler in der NHL unter Vertrag. Die Minnesota Wild verpflichteten für die letzten Spiele der Saison Center Nico Sturm von den Clarkson Golden Knights aus der College-Liga NCAA.

Der 23-jährige Augsburger, der nie gedraftet wurde, entwickelte sich an der Clarkson University zu einem Spitzenspieler der Liga, dessen Statistiken und Errungenschaften für sich sprechen. Sturm führte seine Mannschaft als Kapitän an und war mit 45 Punkten (14 Tore, 31 Assists) der beste Scorer und Vorbereiter, sowie der zweitbeste Torschütze des Teams.

Sturm, der nicht mit Ex-Bundestrainer Marco Sturm verwandt ist, wurde außerdem zwei Mal in Folge zum besten defensiven Stürmer der Liga gewählt und diese Saison unter die letzten zehn Kandidaten für den Hobey Baker Award gewählt. Dieser Preis zeichnet den besten College-Spieler der Saison aus und unter den Preisträgern befinden sich große Namen wie Jack Eichel, Johnny Gaudreau, Ryan Miller, Chris Drury und Paul Kariya.

NHL.com/de hatte die Gelegenheit exklusiv mit Nico Sturm über die Tage rund um die Vertragsunterzeichnung, seine Entwicklung und seine Ziele zu sprechen.

Du hast jetzt deinen ersten Vertrag bei einem NHL-Team, bei den Minnesota Wild unterschrieben. Wie hast du die Situation erlebt, wie ist das Ganze abgelaufen?

"Das waren einige verrückte Tage. Am Freitag sind wir mit Clarkson ausgeschieden, am Samstag ging es zurück nach Hause und am Sonntag hatte ich den ganzen Tag über Gespräche mit den NHL-Teams, die in Frage kamen. Am Sonntagabend war eigentlich klar, dass es die Wild werden und Montag früh habe ich unterschrieben. Ich habe dann schnell meine Sachen gepackt und dann ging es schon zum Flughafen. Dienstag war ich zum ersten Mal beim Training dabei. Mit dem ersten Spiel hat es wegen dem Arbeitsvisum gegen die Winnipeg Jets leider noch nicht geklappt, da musste ich noch zuschauen."

 

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Du bist einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen, bist nie gedraftet worden. Nach ein paar Jahren am College hat es jetzt doch geklappt. Hattest du die ganze Zeit über das Gefühl, dass du es noch in die NHL schaffst, oder kam die Hoffnung jetzt erst vor kurzem wieder?

"Man muss natürlich immer realistisch sein. In Deutschland habe ich im Nachwuchs gegen Leute wie Leon Draisaitl und Dominik Kahun gespielt. Die waren damals schon viel weiter, ihr Spiel war viel weiter entwickelt als meines und ich konnte auch körperlich noch gar nicht mithalten. Die Zeit hier am College hat mir sehr geholfen, mit 20 bis 23 Jahren die richtigen Schritte zu finden, in meinem Spiel und auch körperlich. Dass es jetzt eher spät geklappt hat, kann man ungewöhnlich nennen. Manche sagen mit 23, 24 hat man keine Chance mehr in die NHL zu kommen, das habe ich auch in Deutschland schon so gelesen. Das ist einfach falsch. Klar, die meisten sind jünger, aber das ist von dem einzelnen Spieler abhängig, manche sind erst später so weit. Das läuft bei jedem anders ab. Ich war mit 18 meilenweit von diesem Niveau entfernt, da musste ich einfach noch viel lernen. Am College habe ich gelernt richtig zu trainieren, mich richtig zu ernähren und auf meinen Schlaf zu achten. Das war wichtig. In den vergangenen Jahren hat sich das im Spiel am College ausgezahlt und das Interesse der Scouts stieg."

Nach dem College bist du jetzt angekommen und wurdest in deinem Spielstil schon mit großen Spielern wie Mikko Koivu und Ryan Kessler verglichen. Wie würdest du deinen Stil und deine Stärken beschreiben?

"Diese Vergleiche sind natürlich ein Ehre, aber da geht es eher um den Stil als das Können. Es geht jetzt darum, in den nächsten zwei Spielen mein Potenzial zu zeigen. Im College war ich ein vielseitiger Stürmer, der viel nach hinten mithilft. Die NHL ist natürlich etwas anderes und da liegt noch viel Arbeit vor mir. Es ist super, einen Spieler wie Mikko Koivu in der Mannschaft zu haben, der einen ähnlichen Stil spielt und eine große Karriere in der NHL hat. Von ihm und den anderen Spielern kann ich viel lernen, aber natürlich will ich mich nicht mit ihnen gleichsetzen. Ich bin jemand, der immer versucht die Scheibe vom eigenen Tor fernzuhalten. Das will ich jetzt auch in Minnesota zeigen."

Es ist bereits klar, dass für Minnesota nach der regulären Saison die Sommerpause ansteht. Während den Playoffs ist aber noch die Weltmeisterschaft. Du hast bisher nur für die U20-Nationalmannschaft gespielt, nicht für die Herren. Hast du schon einen möglichen Einsatz bei der WM im Blick?

"Natürlich schaue ich auch auf die Nationalmannschaft und ich bin auch mit (Bundestrainer) Toni Söderholm in Kontakt. Wenn die Woche vorbei ist, werde ich mich mit den Trainern von Minnesota zusammensetzen und einen Plan ausarbeiten, was im Sommer am besten für mich ist. Ich würde natürlich sehr gerne meine ersten Spiele für die Nationalmannschaft machen und Deutschland vertreten. Aber das ist noch offen und ich muss mich in den nächsten Wochen mit dem Team zusammensetzen und einen Plan machen."

 

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Du hast eine Chance, die nicht viele bekommen, du kannst dich in der NHL beweisen. Wenn davor auch noch Vergleiche mit Spielern wie Koivu und Kessler kommen, wie hoch ist da der Druck? Ist das auch ein Ansporn für dich?

"Druck ist natürlich immer da, besonders wenn es um die NHL geht. Das ist ein hartes Geschäft und wenn du keine Leistung bringst, dann bist du schnell raus. Der beste Rat den ich hier von meinen Mitspielern bekommen habe ist, es einfach nur zu genießen, sein erstes Spiel in der NHL macht man nur ein Mal. Es ist am Ende nur Eishockey, das kennt man schon sein ganzes Leben. Ich werde meine ersten Wochen hier einfach genießen und mich nicht unter Druck setzen."

Verfolgst du auch die Playoffs zu Hause in der DEL? Drückst du einem Team besonders die Daumen?

"Ich verfolge die DEL natürlich, ich bin ja gebürtiger Augsburger und trainiere im Sommer auch dort mit, deshalb drücke ich ihnen auch besonders die Daumen. Die haben eine starke Saison gespielt, da wird gerade wieder phantastische Arbeit geleistet."

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