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NHL.com/de schaut auf das Jahr 2020 voraus

Welche größten Geschichten, Erwartungen, Vorhersagen und Trends sind im Blickpunkt? Unsere Autoren haben das im Writers' Room diskutiert

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2019/20 wird das Team von NHL.com/de jeden Samstag in der Rubrik "Writers' Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Geschichten, Erwartungen, Vorhersagen und Trends für 2020.

Vier Tage ist das Jahr 2020 jung und noch 362 liegen vor uns. Genauso wie ein ablaufendes Jahr häufig Räume für Rückblicke bietet, so beginnt mit einem neuen die Zeit der Vorschau, geäußerten Erwartungen und Trend, die eintreten könnten.

Wer hätte zum Beispiel vor einem Jahr gedacht, dass die zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzten St. Louis Blues im Juni den Stanley Cup holen würden. Eine der größten Comebacks in der Geschichte des Profisports wurde geboren.

So etwas ist natürlich schwer vorhersehbar und solche Überraschungen sind eben unerwartet, weil sie kaum machbar und deswegen die absolute Ausnahme sind. 

Die Autoren von NHL.com/de wagen trotzdem einen Ausblick auf das fast noch komplett bevorstehende Jahr 2020.

 

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Stefan Herget: Ich glaube es ist nicht vermessen vorherzusagen, dass die Detroit Red Wings das Kunststück der Blues aus dem Vorjahr nicht wiederholen können und Stanley Cup Sieger 2020 werden, obwohl sie derzeit das punktschlechteste Team der NHL sind. Das liegt auch daran, dass sie bereits deutlicher abgeschlagen sind als das bei St. Louis im vergangenen Jahr der Fall war. Das Feld lag dichter zusammen und hat die Verwirklichung des Märchens natürlich begünstigt.

Aufgrund der Leistungsdichte in der Liga ist es schwer, vier Top-Favoriten für den Stanley Cup Sieg 2020 zu nennen. Entscheidend wird zusätzlich sein, welche Mannschaften sich bis zur Trade Deadline Ende Februar noch verstärken können.

Ich habe vor allem die Hoffnung, dass in den kommenden Stanley Cup Playoffs wieder mehr das Sportliche im Vordergrund steht und nicht so viel über Schiedsrichter-Fehlentscheidungen gesprochen werden muss, wie es im Vorjahr der Fall war. Ich denke, dass die Liga mit der maßvollen Erweiterung des Videobeweises den richtigen Schritt gemacht hat, dass Fehler, wie sie passiert sind, zukünftig korrigiert werden können.

Für den NHL Draft 2020 erwarte ich nach dem guten Auftritt der deutschen U20-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft, dass gleich ein paar deutsche Jungs in den vorderen Runden gezogen werden. Auch Österreich hat mit dem Aufstieg seiner Junioren in die Top-Gruppe und Talent Marco Rossi wieder ein paar Eisen im Feuer, damit aus der Alpenrepublik womöglich junges Blut in die NHL nachkommt.  

Gespannt bin ich auf das neue automatische Spieler- und Puck-Tracking, das neue Möglichkeiten eröffnet, Spiele und Spieler zu analysieren.

Christian Treptow: Eine Prognose wage ich schon mal: Es wird ein spannendes, interessantes Jahr in der NHL. Weil es einfach nie langweilig wird in der besten Eishockeyliga der Welt. Okay, das war ziemlich allgemein.

Konkreter: Die St. Louis Blues werden ihren Titel nicht verteidigen. Auch wenn sie derzeit einen tollen Lauf haben. Die Titelverteidigung ist in den letzten Jahrzehnten eine Ausnahme gewesen. Und da die Liga so ausgeglichen und gerade in der Western Conference die Konkurrenz enorm ist, wird es dieses Jahr einen anderen Stanley Cup Sieger geben. Der kommt für mich allerdings wieder aus dem Westen. Die Boston Bruins und Washington Capitals sind sehr gut. Aber in einer Serie über sieben Spiele werden sie sich nicht durchsetzen können.

Aufregend wird es ebenso nach der letzten Schlusssirene zugehen. Die General Manager müssen Entscheidungen treffen. In Pittsburgh können beide Torhüter Restricted Free Agents werden. General Manager Jim Rutherford wird sich für einen entscheiden, meiner Meinung nach für Tristan Jarry. Bei den Chicago Blackhawks können Corey Crawford und Robin Lehner Unrestricted Free Agents werden. Noch mal werden die Blackhawks nicht elf Millionen Dollar für zwei Torhüter ausgeben. In Boston wird Verteidiger Zdeno Chara seine Karriere beenden. In San Jose werden zwei großartige Karrieren unvollendet zu Ende gehen: Joe Thornton und Patrick Marleau werden die NHL verlassen, ohne den Cup gewonnen zu haben.

Und auch wenn die Saison 2019/20 gerade mal zur Hälfte vorbei ist, freue ich mich schon auf die kommende Spielzeit. Denn die Klubs müssen sich entscheiden, welche Spieler sie für den Expansion Draft schützen. Ab der Saison 21/22 spielt die 32. NHL-Franchise in Seattle. Ob Seattle ein ähnlicher Coup gelingt wie den Vegas Golden Knights mit Marc-Andre Fleury? In der Saison 20/21 werden auch die Top-Draftpicks 2019, Jack Hughes und Kaapo Kakko, einen Zahn zulegen.

Video: PIT@NYR: Kakko trifft zum Sieg in der Overtime

Christian Göbel: Meine Glaskugel hat den Jahreswechsel leider nicht überstanden, daher wird es mit Vorhersagen vermutlich schwierig. Spaß beiseite. Wie Stefan schon angemerkt hat, ist es nahezu unmöglich vorherzusagen, welches Team einen überraschenden Anstieg der Formkurve haben wird. Ich wage es dennoch mal auf die untere Hälfte der Tabelle zu schauen. Wer könnte es hier noch in die Playoff schaffen?

Sobald die Schlussrunde begonnen hat, stehen die Uhren wieder bei null und alle Teilnehmer haben die gleichen Chancen, das haben nicht zuletzt die St. Louis Blues bewiesen. Im Osten könnten es die Montreal Canadiens schaffen, sofern sie ihre Niederlagenserie schnell überwinden, noch in Richtung Playoffs zu schielen. Die Abstände hier sind aber nicht in den Dimensionen, um von einer Sensation zu sprechen.

Im Westen ist noch mit den Sharks zu rechnen, wenn sie die Leistung, die alle von der Mannschaft erwarten aufs Eis bringen. Ich persönlich glaube aber nicht, dass eines dieser Teams anschließend um den Titelgewinn mitspielen kann. Dazu sind die Top-Drei zu stark. Während im Osten die Boston Bruins und die Washington Capitals den Sieg in der Conference unter sich ausmachen, dürfte es im Westen nur über den amtierenden Champion, die St. Louis Blues in die Stanley Cup Finals gehen. Eines ist sicher, es wird wieder ein spannendes Jahr und Überraschungen wie 2019 sind das Salz in der Suppe, die uns alle begeistern.

Bernd Rösch: Im vergangenem Jahr waren die Tampa Bay Lightning der große Favorit auf den Stanley Cup, in diesem Jahr haben sie die Wenigsten auf der Rechnung, wenn über die Titelvergabe 2020 gesprochen wird. Genau das ist ihre Chance. Das Team von Trainer Jon Cooper verfügt über ein enormes Potenzial, das sie zu Saisonbeginn zu selten auf dem Eis gezeigt haben, steigert sich aber von Woche zu Woche. In der Western Conference sehe ich die Dallas Stars ganz vorne. Wird im Juni ein Blitz oder ein Stern den Eishockeyhimmel erleuchten?

Das Rennen um die Torjägerkrone dürfte erneut recht spannend werden. Auch wenn der ehrgeizige Alex Ovechkin zum Saisonende hin, immer noch etwas zulegen kann, zum dritten Mal hintereinander, wird er die Maurice Richard Trophy nicht gewinnen können. Mit David Pastrnak, Auston Matthews und Jack Eichel stehen drei Spieler, die nicht älter als 23 Jahre sind, in der Warteschleife um die russische Tormaschine abzulösen. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens, dass Leon Draisaitl als erster Deutscher die Art Ross Trophy als punktbester Spieler der Liga abräumen, und sich mit seinen Edmonton Oilers für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren wird.

Video: CGY@EDM: McDavid fälscht im 1. Drittel perfekt ab

Christian Rupp: Präzise Vorhersagen in dieser Liga? Keine Chance! Mir sind gerade meine Prognosen zu den Stanley Cup Finals 2018 und 2019 eingefallen und ich musste herzlich lachen: "Das wird eine Low-Scoring-Serie", sagte ich 2018 vor Spiel 1, das die Vegas Golden Knights dann mit 6:4 gegen die Washington Capitals gewannen. Knapp daneben oder? Zumal in der Finalserie 34 Tore, also 6,8 Treffer pro Partie, fallen sollten. "Ich glaube, die werden gesweept", war mein erster Reflex nach dem 4:2 der Boston Bruins in Spiel 1 gegen die St. Louis Blues ein Jahr später. Die Serie aber sollte über die Maximaldistanz von sieben Spielen gehen - mit dem besseren Ende für die Blues.

Gerade diese Eigendynamik und Unberechenbarkeit machen die NHL aus. Auch jetzt gerade sieht es so aus, als würden die bislang größten Enttäuschungen San Jose Sharks und Nashville Predators die Playoffs verpassen - ich selbst glaube noch nicht so wirklich daran. Noch ist alles möglich, was das Beispiel von St. Louis im Vorjahr bereits gezeigt hat. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Colorado Avalanche im Stanley Cup Finale 2020 stehen werden. Aber eine Playoff-Prognose im Januar? Besser nicht von mir oder?!

Stefan Herget: Das sind aber dann schlechte Karten für Philipp Grubauer und Colorado, das du, Ruppi, auf sie tippst. Ich gebe Bernd Recht und denke im Osten auch an die Lightning, aber der Konkurrenzkampf, wie ihn alle beschrieben haben, wird brutal. Da entscheiden dann am Ende Nuancen und welches Team weniger Fehler macht bzw. seine Chancen besser nutzt. Aber alleine diese Zeilen zeigen, dass wir alle uns auf ein spannendes Jahr 2020 freuen können.

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