DE G3 NYI TBL

Für die New York Islanders war die dritte Partie des Eastern Conference Finales gegen die Tampa Bay Lightning im Rogers Center von Edmonton ein richtungsweisendes Match. Mit einem 2:0-Serienrückstand war eine Niederlage keine Option und die Mannschaft von Barry Trotz zum Siegen verdammt. Andernfalls wäre der 3:0-Rückstand das vermeintlich sichere Playoff-Aus gewesen. Nur vier Mannschaften gelang es in der NHL bislang, einen solchen Rückstand noch zum Serienerfolg zu drehen. Darunter unter anderem die Islanders der Playoffs 1975, die das Kunststück gegen die Pittsburgh Penguins erreichten.

Durch den 5:3-Erfolg müssen die Islanders der Stanley Cup Playoffs 2020 keinem aussichtslosen Rückstand hinterherrennen, sondern können auf dem Gezeigten aus der dritten Begegnung aufbauen. Besonders die Torhüterleistung, der Beitrag aller Spieler, die Ruhe nach dem Ausgleich und das Wissen, den Lightning die eigene Spielweise aufgezwungen zu haben, dürfte New York das Selbstvertrauen geben, das in den nächsten Spielen wichtig sein wird.
Varlamov stand Kopf
Die ersten Minuten und besonders der erste Wechsel war eine Machtdemonstration der Lightning. Semyon Varlamov im Kasten der Islanders musste mehrfach in höchster Not retten und verhinderte so einen frühen Rückstand seines Teams. "Er hat uns einige Male gerettet", unterstrich Cal Clutterbuck den starken Auftritt des Schlussmanns. "Wir sind ein paar Mal in der Defensive zusammengebrochen und konnten nicht dicht machen, aber er war da, wenn wir ihn gebraucht haben. Das ist entscheidend."
Die Statistiken des russischen Goalies unterstreichen seine Bedeutung für New York. In den 17 Spielen, die er in der Postseason absolviert hat, kassierte er im Schnitt 2,26 Gegentore und parierte 91,3 Prozent der Schüsse. Unter den Vielspielern in den Playoffs rangiert er mit seinem Gegentorschnitt auf dem vierten Rang und gibt seiner Mannschaft in fast jeder Partie die Chance zu gewinnen.
"Er zeigt zur richtigen Zeit die entscheidenden Paraden, das ist es, was du in den Playoffs brauchst", lobte Trotz die Bedeutung des Schlussmanns. Mit einem wie in Spiel 3 aufgelegten Varlamov zwischen den Pfosten werden die Islanders ein harter Brocken, selbst für die starke Offensive der Lightning.

Nelson und Islanders gewinnen Sp. 3 gg. Lightning 5-3

Jeder liefert seinen Beitrag
Oft wird bei Mannschaften über die Kadertiefe gesprochen, so auch bei den Islanders. New York zeigt aber auch in jeder Partie, dass sie tatsächlich bis in die vierte Reihe stark besetzt sind. Gerade in den ersten beiden Begegnungen der Serie waren es die Formationen um Jean-Gabriel Pageau und Casey Cizikas, die hervorstachen, wohingegen die etatmäßigen Top-Formationen nicht glänzen konnten.
"Wenn wir in dieser Serie Erfolg haben wollen, dann weiß ich, dass wir alle vier Reihen brauchen werden", zeigte Trotz den Weg zum positiven Serienverlauf auf. "Die ersten paar Tore, die wir in dieser Runde geschossen haben, kamen eher von Reihen des Typs Pageau oder Cizikas. Wir haben es nicht geschafft, die anderen beiden Angriffsformationen auf die Anzeigetafel zu bringen. Heute Abend ist uns das gelungen und wir haben den Sieg eingefahren."
\[Hole dir hier alle Neuigkeiten von der Lightning-Islanders Serie\]
Auch unter den Spielern ist klar, dass jeder seinen Beitrag leisten muss. "Jeder in dieser Mannschaft hat in der Endrunde einen großen Beitrag geleistet", sagte Adam Pelech nach Spiel 3. "Das ist der Grund, warum wir Erfolg haben."
Besonders die Einstellung der Islanders ist einer der wichtigen Faktoren. Keiner der Spieler denkt, auch in schwierigen Situationen, daran aufzugeben. "Wir müssen uns nur die Situation anschauen und wie viel Zeit wir dafür investiert haben", zeigte Cal Clutterbuck den Grund für die kämpferische Mentalität auf. "So wie wir sind und wie weit wir gekommen sind, da glaube ich, dass Aufgeben kein Teil dieser Mannschaft ist. Es gab einige schwere Situationen, denen wir gegenüberstanden, und wir kapitulieren nicht."
Selbst den Ausfall von Cizikas kompensierten die Islanders gut, obwohl der Angreifer ein, laut Trotz "wichtiger Teil der Identität dieser Mannschaft" ist und besonders in der Kabine die Teamkollegen mitreisen kann. Cizikas spielte seit seinem NHL-Debut in der Saison 2011/12 nur für die Islanders und verkörpert diese Franchise derzeit wie kaum ein anderer. "Wenn du solche Spieler verlierst, dann beeinflusst das manchmal die Stimmung in der Kabine", zeigte Trotz die Gefahren durch den Ausfall von Cizikas auf. "Ich glaube aber, dass die Antwort als Team sehr gut war."

TBL@NYI, Sp3: Clutterbuck feuert Nachschuss ins Netz

Die Islanders-Spielweise
In den ersten beiden Begegnungen der Serie gegen Tampa Bay gelang es den Islanders nicht ihre Spielweise durchzusetzen. Während in es in Spiel 1 an nahezu allem fehlte und New York nicht wirklich am Spiel teilnahm, waren in der zweiten Partie besonders die offensiven Akzente zu schwach. Mit ihrem körperlich starken Auftritt gelang es den Islanders im dritten Match den Spielverlauf so zu beeinflussen, dass er ihrer Spielidee näherkam als der der Lightning.
"Für uns ist es immer wichtig physisch zu spielen. Das ist Teil unserer DNA", stellte Clutterbuck klar, was der Schlüssel zum Erfolg für New York ist. "Das ist es, was uns zum großen Teil effektiv macht. Es ist also ein entscheidender Teil unserer Spielweise und das brauchen wir jeden Abend." 42 Checks fuhren die Islanders zu Ende und zwangen damit auch Tampa Bay zu mehr Körperkontakt. Die 62 Checks der Lightning waren deren Höchstwert der Serie und sind ein Indiz für die Änderungen im Spielablauf. Wenn die Islanders es weiterhin schaffen ihre Gegner in Zweikämpfe zu verwickeln, können sie die eigenen Vorteile stärker ausspielen.
Auch in der Offensive gelang es New York, an die besseren Spiele der Playoffs anzuknüpfen. Während in Spiel 1 und 2 die Passwege im Angriffsdrittel häufig zugestellt waren und Torchancen nur selten erspielt werden konnten, gelang das in der Partie am Freitag besser. Auch für den Schlussmann im Gehäuse der Lightning Andrei Vasilevskiy wurde es ungemütlicher. Während die Islanders ihn in den beiden ersten Matches noch nicht aus der Ruhe bringen konnten, setzten sie alles daran, ein Exempel für die nächsten Begegnungen zu statuieren.

TBL@NYI, Sp3: Nelson nutzt Zuspiel von Beauvillier

Wie die Spieler den gegnerischen Torhüter verunsichern, da mischt sich Trotz nicht ein: "Ich überlasse es den Spielern. Es war klar, dass wir es ihm schwerer machen müssen, wenn wir im Angriffsdrittel sind, müssen wir mehr Verkehr vor ihm machen. Wenn es die Möglichkeit gibt ihm die Paraden schwerer zu machen, dann wollen wir das tun."
Für Spiel 4 am Sonntag (3 p.m. ET; 21 Uhr MESZ; NHL.tv, DAZN, Sport 1+) sollten die Islanders gelernt haben, wie sie Tampa Bay schlagen können. Gerade die Reaktion nach dem Ausgleich der Lightning in der 53. Minute mit dem Siegtreffer in der 57. Minute, gibt Grund zur Hoffnung auf eine lange und spannende Serie.
"Diese Mannschaft ist in Hinblick auf die Widerstandsfähigkeit besonders", lobte Trotz sein Team. "Diese Gruppe kann sich auf den Moment konzentrieren und alles andere mental zur Seite schieben. Es zählt nicht, was du in der Vergangenheit gemacht hast." Mit genau dieser Einstellung werden die Islanders auch in den kommenden Partien ein unangenehmer Gegner für die Lightning.