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Luft zu früh raus oder erstmal durchatmen

Einige Playoff-Qualifikanten schalteten erstmal einen Gang zurück, Playoff-Aspiranten geben Gas

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Erstes Saisonziel geschafft! Jetzt erstmal durchatmen! Es entsteht der Eindruck als würden die frühesten Qualifikanten für die Stanley Cup Playoffs 2018 unmittelbar nach dem Erreichten zunächst einen Gang zurückschalten.

Die Nashville Predators zogen am 16.3. als Erste in die Postseason ein. 48 Stunden darauf folgten die Tampa Bay Lightning als Spitzenreiter der Atlantic Division. Beide Mannschaften gelang es nicht die innere Spannung hochzuhalten. Die Predators verloren drei ihrer darauffolgenden vier Partien (1-2-1), ehe sie mit zwei Siegen in Folge wieder auf die Erfolgsspur zurück fanden. Und Tampa Bay kassierte in der Woche nach Planerfüllung sogar drei Niederlagen in Folge. Bevor die Lightning am Freitag mit einem 7:3-Kantersieg die Kurve bekamen - ob es nur ein kurzes Aufbäumen war, wird sich noch herausstellen - mussten sie sogar für 24 Stunden ihre Tabellenführung an die Boston Bruins abgeben.

 

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Und wie kamen die weiteren Playoff-Teams unmittelbar nach der Qualifikation aus den Startlöchern?

Die Winnipeg Jets bezwangen zwar die Bruins nach Penaltyschießen mit 5:4, ließen sich aber anschließend in Chicago, wo sie mit 2:6 unterlagen, vom Drittletzten der Western Conference, den Chicago Blackhawks, vorführen. Die Vegas Golden Knights schafften am 26. März mit einem 4:1-Heimerfolg über die Colorado Avalanche den Einzug, waren aber unmittelbar darauf, zu Besuch beim Tabellenschlusslicht Arizona Coyotes, nicht in der Lage über volle 60 Minuten alles zu geben und verloren mit 2:3.

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Ähnlich erging es auch den Washington Capitals. Sie erfuhren am Donnerstagabend von ihrem Playoff-Einzug, nachdem die Florida Panthers nur einen Punkt gegen die Ottawa Senators geholt hatten. Daraufhin endete die Siegesserie der Caps mit einer 1:4-Heimschlappe gegen die Carolina Hurricanes.

Lange Zeit um ihren 4:3-Auswärtserfolg bangen, mussten die Toronto Maple Leafs, denen erst knapp vier Minuten vor Spielende durch Auston Matthews das Siegtor gelang, nachdem sie gegen die New York Islanders zweimal in Rückstand geraten waren.

Ein Blick auf die Teambilanzen der vergangenen 14 Tage bringt ans Licht, dass sich unter den besten fünf Teams mit den Bruins (4-0-3) nur eine Mannschaft befindet, die sich bereits qualifiziert hat. Die St. Louis Blues (6-0-1), die Columbus Blue Jackets (6-1-0) und die San Jose Sharks (5-1-1) führen das Ranking an. Der Kampf um die Playoff-Teilnahme setzte bei ihnen zusätzliche Kräfte frei, wie auch zuletzt bei den New Jersey Devils (3-0-1) und Anaheim Ducks (4-1-1), den beiden Inhabern der zweiten Wildcard in ihrer jeweiligen Conference.

Ist es für die Playoffs erfolgversprechend kurz vor dem Saisonende vom Gas zu gehen oder die verbleibenden Spiele zu nutzen, um etwas Neues auszuprobieren? Haben jene Teams, die bis zum letzten Spieltag Vollgas geben müssen, bessere Aussichten in den Playoffs etwas zu reißen?

Seitdem die NHL zur Saison 2013/14 ihren Playoff-Modus umstrukturiert hat, lässt sich feststellen, dass keiner der acht Stanley Cup Finalisten die reguläre Saison als Divisionserster abgeschlossen hatte. Von den 16 Divisions-Ersten in diesem Zeitraum zogen nur drei in die Conference-Finale ein (Anaheim Ducks 2015, 2017; New York Rangers 2015), für sechs endete der Traum vom Cup sogar schon in der ersten Playoffrunde. Die Rangers waren 2015 der einzige Presidents' Trophy Gewinner der letzten vier Jahre, der die zweite Playoff-Runde überstand.

 

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Dies bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass eine späte Playoff-Qualifikation zu mehr Erfolg führt. Die Predators (2017) schafften es als einziges Team seit 2014 mit einer Wildcard bis in das Finale vorzudringen. In den 17 Endspielen seit der Jahrtausendwende stand sechsmal eine Mannschaft, die als Siebter oder Achter gerade noch die Playoffs erreicht hatte und nur eine, die Los Angeles Kings von 2012, konnte den Pokal auch gewinnen.

Aufgrund der Leistungsdichte in der Liga gibt es kein rundum gültiges Erfolgsrezept. Nicht jeder kann das Momentum eines guten Saison-Endspurts mit in die Playoffs nehmen. Am ehesten lässt sich noch schlussfolgern, dass eine Mannschaft, die schon in der ersten Runde voll gefordert wurde, den Gegner nicht unterschätzte, da sie gegen den Zweiten oder den Dritten ihrer Division antreten musste, die besten Erfolgsaussichten hat, recht weit zu kommen.

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