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Die NHL-Teams haben durch den für 1. Januar geplanten Beginn der Saison 2020/21 ihre unter Vertrag stehenden europäischen Spieler, insbesondere jüngeren Alters, teilweise an Mannschaften in Europa verliehen, um ihnen frühzeitig Spiel- und Trainingspraxis zu verschaffen. NHL.com/de wird in einer wöchentlichen Serie über einzelne dieser Spieler berichten, wie sie ihre Zeit bis zum Start der kommenden NHL-Saison überbrücken.

In der heutigen Ausgabe: Moritz Seider.
Talent haben viele junge Spieler, die beim NHL Draft ausgewählt werden. In der Regel abnehmend von Position zu Position, von Runde zu Runde. Doch dieser Fakt alleine ist keine Garantie, dass es mit einer Karriere in der NHL klappen wird. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es zu genüge, dass Spieler aus der ersten Runde nicht so einschlagen, wie gedacht und Spieler aus späteren Runden oder überhaupt nicht gedraftet, ihren Weg machen.
Der Grund liegt einfach darin, dass sich Spieler gerade zwischen dem 18. und 22. Lebensjahr auf dem Weg vom Jugendlichen zum Mann noch einmal enorm entwickeln. Ein Zeitrahmen, der für den Verlauf der Laufbahn häufig den Unterschied ausmacht.
Moritz Seider zeigt in diesen Tagen weiterhin, dass er die Vorschusslorbeeren zunehmend rechtfertigt, die er durch den überraschend frühen Draft an sechster Position von General Manager Steve Yzerman von den Detroit Red Wings beim NHL Draft 2019 erhalten hatte.

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Nach einer überzeugenden Saison in der AHL beim Farmteam von Detroit, den Grand Rapids Griffin, hatte Seider die Vorbereitung auf diese Spielzeit bei seinem Heimatklub Adler Mannheim begonnen, doch als sich der Saisonstart in der DEL zunehmend nach hinten schob, wurde die Ausleihe aufgehoben und der junge Verteidiger versuchte sein Glück in Schweden. Er schloss sich in Absprache mit den Red Wings dem Klub Rögle BK an.
Nach 15 Spielen für das schwedische Team, das die Liga mit 47 Punkten anführt, zeigt Seider, dass er sich zu einem Führungsspieler entwickelt. Und das unter nicht unbedingt einfachen Umständen.
Seider betonte kürzlich gegenüber dem Red Wings TV, dass es nicht einfach wäre, sich an die unterschiedlichen Spielstile in Deutschland, Nordamerika und Schweden in weniger als zwei Jahre anzupassen, doch er wäre einfach nur froh, Eishockey unter Wettbewerbsbedingungen zu spielen.
"Es war eine große Anpassung, aber es ist großartig die Möglichkeit zu haben, jetzt Eishockey zu spielen und einige Spiele zu absolvieren", sagte Seider. "Es ist eine Liga, in der jeder Schlittschuhlaufen kann. Darum geht es hier sehr viel. Man kann nicht einfach Spieler überlaufen. Man muss sehr vorsichtig bei der Benutzung des Schlägers sein und wie man Jungs angeht. Das war wirklich eine gute Sache, das in den ersten Wochen zu lernen."
Dass er viel lernt und gelernt hat, zeigt auch seine Ausbeute. Elf Punkte durch zwei Tore und neun Assists stehen für ihn zu Buche und damit eine für einen Defensivmann sehr gute Punktequote von 0,73 pro Partie. Damit liegt er nur unwesentlich hinter seinem etablierten Teamkollegen aus der Verteidigung Eric Gelinas, der mit 16 Punkten (5 Tore, 11 Assists) in 21 Spielen auf 0,75 kommt.
Seider erzählt, dass er die größere Eisfläche durchaus zu schätzen weiß, ebenso in allen Situationen zum Einsatz zu kommen. "Die Fläche in Europa ist etwas größer als in Nordamerika. Natürlich hat man dadurch etwas mehr Zeit und Raum, was ich ehrlicherweise vorziehe", erzählt Seider. "Es ist immer schön Spielzüge zu machen und für Teamkollegen vorzubereiten. Insgesamt ist es eine Liga, in der die Special Teams den Unterschied machen. Ich bin wirklich glücklich, in beiden Special Teams zum Einsatz zu kommen und kann hoffentlich jeden Abend den Unterschied ausmachen."
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Einen kleinen Haken hat jedoch das Engagement in Schweden. Seider wird deswegen nicht für Deutschland an der Junioren-Weltmeisterschaft Ende Dezember in Edmonton teilnehmen können, ebenso wie am Trainingscamp und dem Saisonstart der Red Wings. Dies bestätige Detroits Trainer Jeff Blashill im Interview mit der Detroit FreePress.
Die Red Wings planen demnach alle Spieler, die nach Europa ausgeliehen wurden, zurückzuholen, mit Ausnahme derjenigen aus der schwedischen Eishockeyliga, die nur Spieler akzeptiert, die die komplette Saison zu Verfügung stehen. Somit wäre Seider frühestens frei, wenn die Saison in Schweden abgebrochen würde oder Rögle ausscheidet, was als Tabellenführer bis in den späten April hinein dauern könnte.
"Ich glaube er ist nicht so weit davon entfernt zu spielen", verdeutlichte indes Yzerman im November bei NHL Tonight. "Er hat sich in der AHL im letzten Jahr gut gemacht. Sie kämpften gerade um einen Playoffplatz als die Saison unterbrochen wurde und hatten eine gute Chance reinzukommen. Wir haben für Mo und die anderen Jungs gehofft, dass sie in den Playoffs weit kommen würden. Das hätte ihnen eine gute Erfahrung beschert, um bereiter zu sein, für uns zu spielen, wenn die Saison 2020/21 startet. Mo spielt jetzt in der schwedischen Liga und hat einige Zeit in Mannheim bei seinem Heimatklub trainiert. Er hat schon einige Spiele in Schweden gemacht und sich sehr gut geschlagen. Wir würden ihn sehr gerne demnächst in der NHL sehen, wenn es nicht diese Saison klappt, dann in der nächsten. Ich werde keinen bestimmten Tag nennen, an dem ich es erwarte, dass er spielen wird. Doch er braucht nicht mehr viel."
Seider ist trotzdem bereits voll der Vorfreude, zumal er in Detroit Unterstützung aus Deutschland bekommen hat, nachdem sich Torhüter Thomas Greiss im Oktober für zwei Jahre den Red Wings anschloss. "Ich freue mich wirklich darüber einen Deutschen in der Mannschaft zu haben. Ich war schon immer ein Fan von Thomas Greiss", bekennt er. "Er hat mit den Islanders viel erreicht und seine ganze Karriere ist bemerkenswert. Es ist großartig, dass er zukünftig an meiner Seite steht und ich kann es kaum erwarten, ihn zu treffen."
Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.