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Das war wieder nichts. Mit 3:6 unterlagen die Montreal Canadiens in Spiel 3 vom Stanley Cup Finale gegen die Tampa Bay Lightning am Freitag im heimischen Bell Centre. In der Best-of-7-Serie liegen die Kanadier mit 0:3 zurück, müssen die nächsten vier Spiele allesamt gewinnen, wenn sie den Stanley Cup erstmals seit 1993 wieder nach Montreal holen wollen.

Die Chancen dafür stehen laut den Statistiken nicht gut. Einen Serienrückstand dieser Höhe noch erfolgreich zu drehen, das ist in der über 100-jährigen NHL-Geschichte sehr wenigen Mannschaften gelungen. Genauer gesagt war es erst vier Mal der Fall, die Toronto Maple Leafs im Jahre 1942, die New York Islanders 1975, die Philadelphia Flyers 2010 und die Los Angeles Kings im Jahre 2014. Aber nur beim ersten Mal war dies in einem Finale der Fall, die anderen jeweils in Runden zuvor.
Aus Sicht der Canadiens bedarf es somit eines wahren Eishockeywunders, wenn die erste Meisterschaft nach 28 Jahren in die Eishockey-Geschichtsbücher eingehen soll. Doch so weit nach vorne zu schauen wäre in dieser Lage ein Fehler. Das klassische 'Von-Spiel-zu-Spiel'-Denken ist mehr denn je angesagt, soll die bevorstehende Aufgabe nicht von Anfang an als unlösbar angesehen werden.
Montreals Trainer Dominique Ducharme stellte sich am Samstagmittag den Fragen der Presse und gab sich kämpferisch und unverdrossen: "Ich habe die Mannschaft bisher noch gar nicht gesehen", sagte er, angesprochen auf die derzeitige Stimmung im Kader. "Wir treffen uns erst gleich. Trainieren werden wir erst wieder am Sonntag. Gleich ist nur eine Sitzung. Es ist in jeder Beziehung eine ungewöhnliche Saison. Nichts ist im Augenblick wirklich normal. Das trifft auch auf unsere aktuelle Lage zu. Aber wir schrecken vor der Herausforderung nicht zurück, soviel kann ich sagen."

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Vieles haben die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen schon versucht, um ihre Geschicke zu wenden. Sie wollten ihre individuellen Fehler, die sie die Spiele 1 und 2 gekostet hatten, reduzieren. Sie wollten erstmals in der Serie in einem Spiel in Führung gehen. In Montreal hofften sie zudem auf eine ungewöhnliche Glanzleistung ihres Torhüters Carey Price, den Heimvorteil und auf einen zusätzlichen Push, durch die vor Spiel 3 erfolgte Rückkehr ihres zuvor aufgrund einer akuten Covid-19-Infektion seit dem 18. Juni in einer Quarantäne isolierten Trainers Ducharme. Nichts davon ließ sich auf dem Eis bisher so umsetzen, wie es sich die Protagonisten und die Fans der Traditionsfranchise erhofft hatten.
Einen Torwartwechsel, was ebenfalls eine mögliche Option sein könnte um einen Ruck im Team zu veranlassen, schloss Ducharme am Samstag für Spiel 4 aus: "Price spielt auch am Montag. Ein Torwartwechsel kommt für mich nicht in Betracht. Es geht um uns alle, nicht um die Leistung des Torhüters. Alle müssen für Carey spielen, sich vor ihm voll einsetzen. Wir wollen am Montag alle unsere bestmögliche Leistung bringen. Darum geht es."
Die wird auch erforderlich sein, denn die Lightning gingen in jedem der drei Vergleiche als souveräner Sieger vom Eis und mussten sich bei den bisherigen Erfolgen (5:1, 3:1 und 6:3) scheinbar nicht einmal verausgaben.

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"Wir brauchen mehr Aggressivität, wollen der Aggressor auf dem Eis sein", merkte Ducharme an. "An unserem Willen lag es bislang nicht, der war immer da. Vielleicht manchmal sogar zu viel davon. Es geht um die richtige Balance. Wir müssen bei einem Rückstand etwas mehr riskieren, aber der Gegner nutzt es direkt aus, wenn wir Fehler machen. Es geht darum, die Mischung zu finden. Das ist der bisher beste Gegner, gegen den wir in der Postseason antreten durften. Das erfordert unsere Bestleistung. In den Spielen 2 und 3 haben wir das gut gemacht. Es waren Feinheiten, die den Unterschied ausgemacht haben. Daran müssen wir nach wie vor arbeiten."
Guter Rat ist in diesen Stunden teuer in Montreal. Was könnte dem Klub jetzt noch dazu verhelfen, mit einem Sieg gegen den Titelverteidiger im Spiel 4 am Montag (8 p.m. ET; NHL.tv, Sport1, Sport1+, DAZN; Di. 2 Uhr MESZ) ein Ausrufezeichen zu setzen?

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Spiel 4 ist am Montag? Ja, genau, erst am Montag, nicht schon zwei Tage nach dem dritten Duell, wie es sonst im Stanley Cup Finale üblich ist. Am 4. Juli ist in den USA Nationalfeiertag, so dass es diesmal zwischen den Auftritten auf dem Eis einen freien Tag mehr gibt.
Während sie in Tampa aktuell in Gedanken womöglich insgeheim schon den Seriensieg planen, wollen sie bei den Canadiens die sich bietende Chance der zusätzlichen Erholungs- und Vorbereitungszeit bestmöglich nutzen. Ziel ist es, am Montag noch einmal mit aller Kraft und frischen Ideen zu versuchen, den ersten Sieg im Finale einzufahren, damit zumindest zunächst einmal den 'Sweep' gegen die Lightning zu vermeiden.
"Das ist keine Kraftfrage", ist sich Ducharme sicher. "Wir hatten vor der Serie gegen Vegas ein paar Tage frei. Auch vor dieser Serie hatten wir eine kurze Pause. Wir müssen schlicht die Fehler reduzieren. Das ist keine Sache der Energiereserven, auch wenn wir durch die anstehende Pause bis zum Montag natürlich etwas besser ausgeruht sein werden, wenn das Spiel losgeht als in den Begegnungen zuvor."
Ob der zusätzliche spielfreie Tag der Schlüssel zum ersten Sieg für die Canadiens war, das wird sich am Montag in Spiel 4 des Stanley Cup Finales 2021 zeigen.