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Raffl mit Gelassenheit in der Erfolglosigkeit

Der österreichische Flyers-Stürmer hat trotz seit dem 7. Januar fehlendem Punkt derzeit viel Spaß

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Jeden Donnerstag im Laufe der Saison 2017/18 widmet NHL.com/de einem deutschsprachigen Spieler einen speziellen Bericht. Dabei stellen wir sowohl junge Spieler, die sich einen Namen machen wollen, als auch etablierte Akteure und Teamleader ins Rampenlicht.

In dieser Ausgabe geht es um Michael Raffl.

Für den Österreicher Michael Raffl läuft es bei den Philadelphia Flyers persönlich derzeit nicht gerade gut. Hatte er die reguläre Saison 2016/17 bereits mit 21 Spielen ohne selber einen einzigen Scorerpunkt zu erzielen abgeschlossen, so setzte sich diese schwarze Serie auch nach dem Sommer bis heute scheinbar unaufhaltsam fort. Mittlerweile hat Raffl weitere 18 Spiele in dieser Saison ohne jede Punktausbeute beendet.

Der letzte Treffer des Stürmers mit der Nummer 12 auf dem Rücken datiert vom 7. Januar, als er gegen die Tampa Lightning einnetzte, seinen letzten Assist markierte er drei Tage vorher gegen die New York Rangers. Noch nie musste der gebürtige Villacher eine längere Durststrecke überbrücken.

Video: TBL@PHI: Raffl haut einen Schlagschuss in die Lücke

Dass sich seine Eiszeit pro Spiel in dieser Saison im Durchschnitt bei nur gut elf Minuten bewegt, führt nicht unbedingt dazu, dass sich der Zustand bald entscheidend ändern lässt. Der 28-jährige Raffl, der noch vor einem Jahr häufiger in der Top-Reihe neben Claude Giroux und Jakub Voracek eingesetzt wurde, findet sich seit Saisonbeginn in der vierten Linie mit den fünf Jahre jüngeren Scott Laughton und Taylor Leier wieder.

Trotz der gesamten Situation hat sich Raffl seinen trockenen Humor bewahrt. In einem Interview mit NBC Sports vor einer Woche sagte er auf seine Reihe angesprochen, während Laughton neben ihm saß und seinen Kommentar, "ich habe schon Rückenschmerzen, weil ich die zwei Jungs immer tragen muss", lachend zur Kenntnis nahm.

Laughton revanchierte sich mit einem "Nichts", auf die Frage, was er daran schätze mit Raffl zu spielen. Schließlich gab es aber doch noch ein ernstes Statement. "Es läuft", meinte er. "Meine Zahlen passen nicht, aber die Mannschaft funktioniert richtig gut. Ich meine, es ist vom Team her gesehen vielleicht so gut wie noch nie, seitdem ich hier bin. Es waren nicht viele Spiele bisher, wo wir überhaupt keine Chance hatten und wir hatten auch immer die Chance zu gewinnen. Das macht dann schon Spaß."

Seine persönliche Situation, nur noch in der vierten Reihe zum Einsatz zu kommen, sieht Raffl nicht so schlimm, wie mancher Beobachter von außen sie einschätzt. "Ich bin stolz darauf", betonte er mit der Anspielung, dass er schon häufiger in seiner Karriere die Reihe wechseln musste. "Ich denke nicht, dass ich schon jemals 50 Spiele am Stück in einer Reihe gespielt habe, von daher läuft das soweit ganz gut."

Die fehlenden Punkte sind für ihn kein Indiz, dass etwas im Argen sein könnte. Mit einer Bilanz von Minus 1 steht er trotzdem in dieser Statistik gut da und hat die zweitmeisten Checks aller Flyers-Stürmer ausgeteilt. "Das ist die Aufgabe, die man in der vierten Reihe ausfüllen muss", erläuterte Raffl. "Es ist natürlich schön Tore zu schießen und Punkte zu sammeln, aber verstehen sie mich nicht falsch, es ist wie es ist. Man muss sein Spiel anpassen, wenn man eine Rolle dieser Art innehat."

Nur lobende Worte findet Raffl für seine beiden Mitspieler. "Mit Leiersy und Laughts ist es extrem einfach zu spielen, da gibt es kein Geheimnis dahinter", merkte er an. "Du gehst raus und arbeitest hart um die Pucks. Wenn du ihn verlierst, dann sind diese Jungs so schnell und zur Stelle, um ihn zurück zu gewinnen. Wir alle drei bringen uns da gleich ein, also hast du auch das Vertrauen etwas auszuprobieren. Ehrlich gesagt haben wir bisher viel Spaß dabei."

Selbst Trainer Dave Hakstol findet an Raffls Leistung trotz fehlender Punkte ebenfalls Gefallen. "Er füllt die Lücke in dieser Reihe gut aus", sagte Hakstol. "Alle diese Jungs arbeiten gut zusammen. Schon am ersten Tag des Camps haben Raf und Laughts gezeigt, dass sie eine gute Chemie miteinander haben. Sie verbringen seitdem viel Zeit zusammen und nur wenige getrennt voneinander."

Das alles spricht dafür, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis der Knoten endlich platzt und zumindest der erste Punkt für Raffl herausspringt. Laughton und Leier verpassten zum Beispiel in der letzten Partie gegen die Minnesota Wild am Dienstag jeweils eine Großchance.

39 Spiele ohne ein einziges Tor oder Assist sind für einen Stürmer, der ein Jahresgehalt von immerhin 2,35 Millionen US-Dollar einstreicht, eine zu lange Zeit. Doch Raffl verdeutlicht seine äußerliche Gelassenheit ein weiteres Mal, wenn er zum Schluss noch scherzhaft anmerkte: "Ich weiß schon gar nicht mehr, wie der Torjubel geht."

Sicher kommt dieser ganz instinktiv, wenn es soweit ist. Am heutigen Donnerstag in der Begegnung bei den Winnipeg Jets gibt es die nächste Gelegenheit dazu.

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