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Rückkehr zur Größe vergangener Zeiten

Lange fielen nicht mehr so viele Tore in der NHL, lange waren nicht mehr so viele Spieler an mehr Toren als in Spielen beteiligt

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Neben vielen anderen Rekorden, hält Wayne Gretzky auch den Bestwert für die meisten Punkte, die jemals ein Spieler in seiner NHL-Karriere erzielen konnte. Ohne "The Great One" seine Stellung als bester Spieler aller Zeiten absprechen zu wollen, muss man seine 2857 Punkte dennoch in den richtigen Kontext setzen. Zu Gretzkys aktiven Zeiten, fielen in der NHL insgesamt deutlich mehr Tore, wodurch die damaligen Athleten mehr Punkte erzielen konnten. Erkennbar ist es auch daran, dass die 61 höchsten Punktzahlen, die ein Spieler in einer Saison erzielen konnte, vor dem Jahr 2000 entstanden. Erst auf dem 62. Platz kommt Joe Thornton mit seinen 125 Zählern aus der Saison 2005/06.

Dadurch, dass in den letzten Jahren weniger Tore geschossen wurden, sank auch die Anzahl an Spielern, die im Durchschnitt mindestens einen Punkt pro Spiel verbuchen konnte. Seit der Saison 2007/08 gab es beinahe von Jahr zu Jahr weniger Spieler, die dieses Kunststück vollbringen konnten. Vor einem Jahrzehnt kamen am Ende der regulären Saison 21 Spieler auf mehr Punkte als Spiele.

 

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Die Entwicklung ging immer weiter zurück, bis in der Saison 2012/13 wieder 17 Spieler den Schnitt von 1,0 knacken konnten, nachdem es im Vorjahr nur deren sieben waren. Diese Saison ist jedoch anders zu beurteilen, da sie durch den Lock-Out auf 48 Partien verkürzt war. Dadurch war es leichter durch eine Punkteserie seinen Saison-Durchschnitt anzuheben. Anschließend waren es neun, dann sechs Spieler, bevor vergangene Spielzeit wieder acht Akteure mehr Punkte als Spiele verbuchen konnten.

In der laufenden Saison fallen wieder deutlich mehr Treffer pro Spiel, was sich auch in der Statistik der einzelnen Spieler bemerkbar macht. 24 der 25 Topscorer der Liga waren an mindestens so vielen Toren wie Spielen beteiligt. Lediglich Patrick Kane, der auf Rang 23 steht, erzielte 29 Punkte in 30 Partien. Unter den besten 50 Scorern der Liga, finden sich noch sechs weitere Spieler, die es auf einen Punkteschnitt von 1,0 bringen.

Video: COL@TBL: Stamkos nutzt Schnelligkeit zum Tor

Tampa Bay Lightning Kapitän Steven Stamkos führt mit 42 Punkten in 29 Spielen die NHL an - ein Schnitt von 1,44. Hochgerechnet auf eine gesamte Saison käme er am Ende auf 119 Punkte. Nur einen Zähler hinter ihm liegt Teamkollege Nikita Kucherov, mit drei Punkten Abstand folgen Los Angeles Kings Kapitän Anze Kopitar und Winnipeg Jets Kapitän Blake Wheeler. Alle vier werden am Ende der Saison eine dreistellige Punktzahl erreichen, sollten sie in diesem Tempo weitermachen. Vier Spieler mit mindestens hundert Punkten gab es in den letzten zehn Jahren nur einmal: In der Saison 2009/10, als Henrik Sedin (112), Sidney Crosby (109), Alex Ovechkin (109) und Nicklas Backstrom (101) die Marke knackten.

Die Trainer in der NHL sind angesichts ihrer Defensivabteilungen, die ungewöhnlich häufig überwunden werden, wenig begeistert über diese Entwicklung. Schließlich lautet eine alte Weisheit des Sports: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften. Für die Fans bedeutet der neue Torreigen allerdings, dass sie mehr Tore, mehr spektakuläre Offensivaktionen und Konter bejubeln dürfen.

Wie lange man sich darüber freuen kann und ob diese Entwicklung anhält oder nur vorübergehender Natur ist, wie es bereits 2005/06 der Fall war, ist unmöglich vorherzusehen. Es gibt schlicht und einfach zu viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Mögliche Regeländerungen, Trainerphilosophien, aufkommende Talente, neue Materialien in der Ausrüstung und vieles mehr können hier einen Einfluss haben.

Im Moment sieht es danach aus, als würde der Trend wieder ein wenig in Richtung längst vergangener Zeiten gehen, in denen Spieler wie Gretzky und Mario Lemieux jede Saison auf weit über hundert Punkte kamen. Es ist fraglich, ob je wieder ein Spieler ein solches Niveau erreichen kann, doch Stamkos und seine Kollegen geben sich derzeit große Mühe, so nahe wie möglich an die Werte der Legenden heranzukommen und erfreuen damit hoffentlich noch lange ihre Zuschauer.

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