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Martin Havlat macht Schluss

Nach 14 NHL Saisons und 790 Spielen gibt Martin Havlat im Alter von 35 Jahren sein Karriereende bekannt

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Am Mittwoch sah es nach einem ruhigen Tag in der NHL aus, doch dann schlug eine Nachricht große Wellen in der Fangemeinschaft. Martin Havlat, eine lebende Legende im tschechischen Eishockey, gab bekannt, dass er die Schlittschuhe endgültig an den Nagel hängt. Er gehört zu den großen Helden, mit denen in der Tschechischen Republik eine ganze Generation von jungen Eishockeyspielern aufwuchs. Nach 14 Saisons beendete er nun im Alter von 35 Jahren seine Karriere.

Die Spielergewerkschaft NHLPA veröffentlichte gestern ein emotionales Schreiben Havlats, in dem er seinen Rücktritt bekanntgab und begründete und bei dessen Lektüre dem Leser deutlich wird, wie schwer diese Entscheidung Havlat gefallen ist. Das Schreiben macht deutlich, dass die Eishockeywelt einen der engagiertesten Spieler verloren hat, für den Eishockey mehr ist als nur ein Spiel oder ein Sport, man merkt deutlich, dass es für Havlat nicht darum ging eine Karriere zu beenden, sich von einem Beruf zu verabschieden, sondern einen Lebensabschnitt, einen Lebensinhalt, ein Lebensgefühl hinter sich zu lassen. Doch in den letzten Jahren holten ihn seine Verletzungen, die ihm seine gesamte Karriere über zu schaffen machten ein, obwohl er alles versuchte um wieder auf die Beine zu kommen, doch es ging einfach nicht mehr.

"Ich fühlte damals so viele Emotionen", schreibt Havlat über den Moment, als er bei der Vorbereitung auf die Saison 2016-17 feststellte, dass er nicht fit für die neue Saison ist. "Es war mehr Frustration als Ärger, aber letztendlich wäre ich wütender gewesen, hätte ich nicht wenigstens versucht nochmal zurückzukommen. Jetzt bin ich nicht mehr wütend, nur glücklich, dass ich alles in meiner Macht stehende versucht habe."

Er kann trotz aller Verletzungen auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Havlat wurde in der ersten Runde des NHL Draft 1999 von den Ottawa Senators als Nummer 26 gedraftet und wurde bereits in der darauffolgenden Saison 2000-01 als Stammspieler in der NHL eingesetzt. Er kam dabei auf 19 Tore und 42 Punkte in 73 Spielen und war ein Finalist bei der Vergabe der Calder Trophy für den besten Rookie der Liga.

In den folgenden drei Saisons erzielte er immer über 20 Tore, über 50 Punkte und kam in der Saison 2003-04 sogar auf 31 Tore, seine persönliche Bestleistung und 68 Punkte. Havlat verbrachte insgesamt fünf Saisons bei den Senators und machte 105 Tore und 235 Punkte in nur 298 Spielen, eine Leistung die ihm jüngst die Ehre einbrachte, von den Fans der Senators in das Jubiläumsteam zum 25-jährigen Bestehen des Teams gewählt zu werden. Außerdem kam er in den Playoffs auf 14 Tore und 34 Punkte in 51 Spielen für das Team.

"Ich fühle mich glücklich, 14 Saisons in der NHL gespielt haben zu dürfen", erklärte Havlat. "Seid versichert, ich gehe als dankbarer Mann in den Ruhestand. Ich werde den Ottawa Senators für immer dankbar sein, dass sie mir geholfen haben meinen Kindheitstraum zu erfüllen."  

Nach der Saison 2005-06 wurde er an die Chicago Blackhawks abgegeben, wo er drei Saisons verbrachte. 2007 nahm er zum ersten Mal am NHL All-Star Spiel teil und stellte in der Saison 2008-09 persönliche Rekorde an Assists (48), Punkten (77) und plus-minus-Statistik (+29) auf. Er führte in dieser Saison auch sein Team in den Bereichen Assists und Punkten an und landete nach Toren auf Rang zwei der Blackhawks. Er war mit 15 Punkten maßgeblich daran beteiligt, dass Chicago in den Playoffs das Finale der Western Conference erreichte.

Danach ging er als Free Agent zu den Minnesota Wild. Auch für die Wild erzielte er in zwei Saisons 40 Tore und 116 Punkte in 151 Spielen. Nach zwei Jahren wurde er dann zu den San Jose Sharks geschickt, wo er in drei Jahren verletzungsbedingt nur auf durchschnittlich 42 Spiele pro Saison kam. Auch in der Saison 2014-15, die er bei den New Jersey Devils verbrachte, bestritt er nur 40 Partien.

Vor der Saison 2015-16 unterschrieb er bei den St. Louis Blues, für die er in seinem ersten Spiel auch gleich das Siegtor machte. Doch nach nur zwei Spielen bat er die Verantwortlichen darum frei gestellt zu werden, zunächst mit der Angabe "persönliche Gründe". Zunächst wurde zu den genaueren Beweggründen nichts bekannt, doch Havlat gab in seiner Rücktrittserklärung bekannt, dass er sich aufgrund der Auswirkungen seiner zahlreichen Verletzungen nicht in der Lage sehe, auf einem für ihn akzeptablen Niveau zu agieren.

"Ich hatte beidseitig starke Schmerzen in der Leiste von der Überbelastung und den vielen Jahren. Also ging ich nach Hause um den nächsten Schritt zu planen. Einige Ärzte untersuchten mich und es gab Hoffnung, dass ich versuchen könnte wieder zu spielen."

Havlat, der in seiner Karriere auf 242 Tore und 594 Punkte in 790 Spielen in der regulären Saison und 21 Tore und 52 Punkte in 75 Playoffspielen und nahm zwei Mal am All-Star Spiel teil. Für die tschechische Nationalmannschaft nahm er drei Mal an der WM teil und holte 2000 mit dem Team die Goldmedaille. Er vertrat sein Team außerdem zwei Mal bei den Olympischen Spielen und beim World Cup of Hockey 2004.

Nach seiner Freistellung von den Blues begann Havlat mit der Behandlung seiner Verletzung und der Reha. Er versuchte wieder auf sein altes Niveau zu kommen und trainierte zu diesem Zweck in seiner tschechischen Heimat mit seinem alten Team Kometa Brno und später in Montreal, wo er sich ein Jahrzehnt lang auf die Spielzeit der NHL vorbereitete. Doch er kam nicht wieder auf das Niveau, das er von sich selbst erwartete, um in der NHL effektiv zu sein. Bereits damals dachte er daran, sich zur Ruhe zu setzen, aber sein altes Team aus Brno machte ihm ein Angebot, dass er annahm.

"Ich habe im Dezember mit ihnen trainiert, aber eine Woche bevor ich im Januar mein erstes Spiel machen sollte, kehrten die selben Beschwerden zurück. Ich wollte zu viel und habe wieder meine Leiste verletzt. Als das passierte wusste ich, ich kann es endlich akzeptieren: Ich muss das Spiel aufgeben."

Havlat hat für die Zukunft noch keine genauen Pläne, wird sich allerdings erstmal Zeit für seine Familie nehmen und tief durchatmen. "Ich weiß noch nicht was ich machen werde. Ich werde es ruhiger angehen lassen. Ich lebe in Boca Raton, Florida. Ich habe zwei wunderbare Töchter. Ohne sie wäre es nicht das gleiche. Meine Eltern haben so viel für mich getan und jetzt, wo ich selbst Vater zweier kleiner Mädchen bin, geht es nicht mehr nur um mich. Mein Leben hat sich zum besseren gewandelt."

 

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