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Mit seiner gewohnten Höflichkeit saß Marco Sturm am Dienstagvormittag auf dem Podium bei der Pressekonferenz und platzierte eine Botschaft an einen Teil der Belegschaft von den Boston Bruins. Konkret richteten sich die Worte des Trainers an die zweite Sturmreihe. Von der erwarte er mehr als zuletzt. Sie verfüge über ein großes Potenzial. Jetzt sei die richtige Zeit, dass sie ihr Können unter Beweis stelle, wandte sich der Deutsche auf indirektem Weg an das Trio Casey Mittelstadt, Pavel Zacha und Viktor Arvidsson.

Am Abend zeigten die drei, dass die Nachricht bei ihnen angekommen war. Mit fünf Punkten (drei Tore, zwei Assists) steuerten sie den Löwenanteil zum 4:2-Erfolg in Spiel 2 der Ersten Runde der Stanley Cup Playoffs in der Eastern Conference bei den Buffalo Sabres bei. Arvidsson stach mit einem Doppelpack hervor.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Buffalo Sabres und den Boston Bruins

„Ich habe die Jungs nicht ohne Grund ein wenig angestachelt. Sie brauchen das manchmal. Sie haben unser Spielsystem perfekt umgesetzt. Das war Bruins-Eishockey von Anfang bis Ende“, freute sich Sturm über die Wirksamkeit der von ihm verabreichten Motivationsspritze. Vor allem Arvidsson sei ein Typ, der sich Trainerkritik zu Herzen nehme. „Ich bin mir sicher gewesen, dass er eine starke Antwort geben würde“, so der Coach.

Der Schwede brachte die Bruins im zweiten Drittel mit einem Rückhandschuss durch die Beine von Sabres-Schlussmann Ukko-Pekka Luukkonen mit 1:0 in Führung. Mittelstadt, der seine Brötchen einst in Buffalo verdiente, hatte sich den Puck an der Bande erkämpft und ihn zu Jonathan Aspirot weitergeleitet. Dessen Pass in die gegnerische Zone erlief sich Arvidsson. Im Anschluss vollstreckte er eiskalt.

Für Arvidsson war es das 16. Playoff-Tor seiner NHL-Laufbahn. Mit dieser Ausbeute rangiert er teamintern an zweiter Stelle hinter David Pastrnak. Aspirot feierte derweil mit dem Assist seinen ersten Postseason-Punkt überhaupt.

Mit einem Kullertor erhöhte Morgan Geekie auf 2:0. Er schaufelte die Scheibe aus der neutralen Zone in Richtung des Gehäuses von Luukkonen, der den Aufsetzer überraschenderweise über die Linie springen ließ. „Ich wollte den Puck einfach nur nach vorne hauen und hatte Glück, dass er reinging. So ein Tor werde ich wohl nicht oft machen“, schilderte Geekie die kuriose Szene. Mit einem Treffer im Powerplay durch Zacha stellte Boston den Zwischenstand zur zweiten Drittelpause auf 3:0.

BOS@BUF, GM 2: Zacha tippt einen Schuss von Pastrnak im Powerplay ins Tor

16 Sekunden nach Beginn des letzten Abschnitts erzielte Arvidsson mit seinem zweiten Tor das 4:0. Die Assists lieferten wiederum Aspirot und Mittelstadt. Im Gegensatz zu Spiel 1, als die Bruins ein 2:0 verspielten und mit 3:4 den Kürzeren zogen, reichte der Vorsprung diesmal. Die beiden Gegentore durch Bowen Byram und Peyton Krebs fielen nicht mehr ins Gewicht.

Doch zunächst traute Sturm dem Braten nicht so recht. Nachdem es zum zweiten Mal im Kasten der Bruins geklingelt hatte, nahm er eine Auszeit und platzierte erneut eine Botschaft, diesmal direkt an die auf der Bank versammelte Mannschaft. „Ich habe jeden eindringlich daran erinnert, um was es geht – um den Sieg, sonst nichts. Außerdem habe ich den Jungs gesagt, dass sie Ruhe bewahren und sich nicht von der Kulisse beeindrucken lassen sollten, die wieder wach geworden war und die Sabres nach vorne peitschte“, fasste er nach dem Match den wesentlichen Inhalt seiner Ansprache zusammen. Die Maßnahme brachte den von ihm gewünschten Effekt. Boston sortierte sich neu und hielt dem gegnerischen Druck in der Folge stand.

Nach 60 Minuten konnten Sturm und seine Mannen den Haken hinter die Begegnung setzen. „Wir haben körperbetonter gespielt als in der ersten Partie, ein besseres Forechecking aufgezogen und den Slot besser verteidigt. Unsere Aggressivität hat heute den Unterschied gemacht“, erklärte der Coach. „Wir fahren mit einem Sieg nach Hause und das ist exakt das, was wir wollten. Jetzt müssen wir um unseren Job vor den eigenen Fans ordentlich erledigen. Ich kann es kaum erwarten.“

Dass der Sieg nicht mehr in Gefahr geriet, lag auch an Bostons ausgezeichnet haltendem Torwart Jeremy Swayman. Er parierte insgesamt 34 Schüsse. Der Goalie lobte den unbändigen Einsatz seiner Vorderleute. „Das ist unsere Identität. Jeder Gegner weiß das. Aus diesem Grund fühle ich mich in meinem Torraum extrem sicher“, ließ Swayman wissen. Er ist wie alle im Team gespannt auf die beiden nun anstehenden Duelle im heimischen TD Garden nach einem Jahr Postseason-Abstinenz. „Mit einem Auswärtssieg gehen die Playoffs erst so richtig los“, sagte der Torhüter.

Spiel 3 zwischen den Bruins und den Sabres wird am Donnerstag (7 p.m. ET; Fr. 1 Uhr MESZ) in Boston ausgetragen.

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