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Ein Spiel 2 in einer Best-of-7-Serie könnte bereits ein Fingerzeig sein. Entsprechend motiviert dürften die acht beteiligten Teams in vier Serien am Dienstagabend zu Werke gehen. Die Montreal Canadiens glänzten gegen den Tampa Bay Lightning (Serie: 1:0) im Powerplay auch dank Dreierpacker Juraj Slafkovsky. Die Buffalo Sabres wollen die losgetretene Euphoriewelle gegen die Boston Bruins (Serie: 1:0) weiter reiten. Die Vegas Golden Knights setzen gegen den Utah Mammoth (Serie: 1:0) auf Härte und Scoring aus der Tiefe. Die Colorado Avalanche tat sich schwer mit den Los Angeles Kings (Serie: 1:0) und will seine Offensivkraft im zweiten Spiel entfesseln.

Slafkovsky als Fixstern in Montreals Powerplay

Schon in Spiel 1 der Serie eroberte Montreal das Heimrecht in Tampa und setzte sich mit 4:3 n.V. durch. Nach einem Mann des Tages musste nicht lange gesucht werden: Juraj Slafkovsky (3-0-3) erzielte einen Hattrick, inklusive dem Siegtreffer in der Overtime. Alle seine drei Tore waren Powerplay-Treffer. Überhaupt waren die Canadiens in Überzahl unfassbar effektiv (3/5, 60 Prozent Erfolgsquote).

Im Powerplay spielt Montreal nicht in der üblichen 1-3-1-Formation, sondern in einem zunächst recht breitgefächerten Fünfeck in einer 2-2-1-Grundaufstellung, bei der es immer wieder Positionswechsel gibt: Lane Hutson agiert als einziger Verteidiger zentral an der blauen Linie. Nick Suzuki ist zumeist auf dem linken, Ivan Demidov auf dem rechten Flügel zu finden. Cole Caufield und Slafkovsky teilen sich die vordersten beiden Positionen, die zunächst auf Höhe der Grundlinie neben dem Tor lokalisiert sind. Dann aber gibt es plötzliche Bewegungen von dort, entweder vors Tor oder in den Slot. Hier war Slafkovsky ganz besonders effektiv.

Der Lightning jedenfalls ist gewarnt. „Die Chancen, die wir zugelassen und die Anzahl an Strafen, die wir kassiert haben, sind kein Erfolgsrezept, weder in der regulären Saison noch in den Playoffs“, kritisierte Verteidiger Ryan McDonagh. „Unser PK muss sich steigern und einen besseren Job erledigen.“

„Man muss sich nur mal unsere Strafen anschauen. Das hatte nichts mit Überaggression zu tun, sondern mit Dummheit“, wurde Tampas Trainer Jon Cooper vor Spiel 2 (7 p.m. ET; Mi. 1 Uhr MESZ) deutlich.

MTL@TBL, Slafkovsky erzielt im ersten Spiel einen Hattrick und gewinnt

Buffalo will sich von Heim-Fans ernähren

Die Vorfreude auf Spiel 2 zwischen Buffalo und Boston (7:30 p.m. ET; Mi. 1:30 Uhr MESZ) ist riesig. Kein Wunder, denn schon in Spiel 1 war im KeyBank Center gefühlt das Dach weggeflogen, als die Sabres binnen 4:34 Minuten im dritten Drittel aus einem 0:2-Rückstand einen 3:2-Vorsprung gemacht hatten. 

Stürmer Tage Thompson (2-1-3) wurde zum großen Helden des Abends. „Das sind die Spiele, für die du lebst“, sagte Buffalos Center-Hüne (1,97 Meter groß, 100 Kilogramm schwer). „In solchen Spielen willst du sein. Es hat lange gedauert.“

Thompson spielt damit auf die gefühlt endlose Playoff-Durststrecke an den Niagarafällen an: 14 Jahre in Folge hatte Buffalo die Stanley Cup Playoffs verpasst. Im 15. Anlauf wurde dieser Fluch gebrochen. Die Fans goutierten das mit einem Tollhaus.

„Das war wohl das Lauteste, was ich je gehört habe“, staunte Sabres-Torwart Ukko-Pekka Luukkonen. „Wir wussten, dass es laut werden würde, wir wussten, dass es elektrisierend sein würde - aber wir konnten uns nicht ausmalen, dass es so euphorisch zugehen würde. Die Fans sind der Grund, warum wir das tun dürfen, was wir tun. Sie sind es, die am längsten gewartet haben.“

Von eben diesen Fans erhofft sich Buffalo den nötigen Extra-Schub für Spiel 2 gegen Boston.

Verfolgt das Drama von Buffalos unglaublichem Sieg in Spiel 1 gegen Boston

Bostons zehn Minuten - Sturm stellt sich auf lange Serie ein

Trotz der Niederlage in Spiel 1 war das Gefühl im Lager der Bruins positiv. „Ich finde, wir haben zum Start ein gutes Auswärtsspiel geliefert“, so Abwehrchef Charlie McAvoy. „Wir haben 50 Minuten richtig gutes Hockey gespielt, aus den anderen zehn wollen wir lernen.“

„Es wird eine lange Serie werden“, sagt der deutsche Trainer Marco Sturm. „Wir sind bereit für eine lange Serie. Wir wollen eine lange Serie spielen. Das bedeutet, dass gestern gestern war und heute heute ist. Die Sonne scheint in Buffalo, wir werden das genießen, uns zusammenraufen und Energie tanken.“

Die Lehren aus den letzten zehn Minuten, in denen Boston eine 2:0-Führung verspielt hatte, sind von Sturm schnell zusammengefasst: „Diese Jungs haben Qualität, Tempo und Spielstärke. Sie werden wohl mehr Zeit in der Offensivzone verbringen als wir. Die große Frage ist: Können wir das limitieren? Ein wichtiger Teil davon ist das Puck-Management, da müssen wir cleverer sein.“

Ob Lukas Reichel zu seinem ersten Spiel in den Stanley Cup Playoffs kommt, ist offen. In Spiel 1 stand der deutsche Stürmer nicht im Aufgebot, wurde aber auch nicht zum Farmteam Providence Bruins in die AHL geschickt. Sturm schätzt Reichels Tempo - gut möglich, dass er irgendwann in dieser Serie davon Gebrauch macht, um in diesem Bereich mit einem flinken Gegner gleichziehen zu können.

Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Buffalo Sabres und den Boston Bruins

Vegas vertraut voll auf seine vierte Reihe

Die Golden Knights zählen wenig überraschend zu den Playoff-Teams, die bislang die meisten Checks gefahren haben, denn ihr Trainer John Tortorella steht genau für diesen Stil. In Spiel 1 ließ Vegas 51 Hits auf Utah einprasseln. Alleine zehn Checks fuhr die vierte Reihe um Linksaußen Cole Smith (vier Hits), Center Nic Dowd (drei) und Rechtsaußen Colton Sissons (drei) - und das, obwohl die drei die wenigste Eiszeit erhielten.

„Wir haben uns an unsere Identität gehalten, hart gespielt und ein starkes Forechecking gezeigt. Wir können diesen Spielstil pflegen, denn wir fokussieren uns auf unsere Größe und nutzen sie zu unserem Vorteil“, erklärte Smith, der während des Spiels an der Lippe genäht werden musste.

Doch Vegas‘ vierte Reihe glänzte nicht nur mit Größe, sondern auch mit großen Taten: Smith (0-1-1), Dowd (1-0-1) und Sissons (1-1-2) steuerten kumuliert zwei Tore und vier Scorerpunkte (2-4-6) zum 4:2-Erfolg in Spiel 2 bei.

„Wir sind ziemlich ähnliche Spielertypen, also können wir uns gegenseitig gut lesen“, so Smith. 

Auch in Spiel 2 (9:30 p.m. ET; Mi. 3:30 MESZ) soll die vierte Reihe der Golden Knights wieder hell erstrahlen.

SpielA@VGK, Gm 1: Dowd bringt die Golden Knights mit 3:2 in Führung

Entfesselt Colorado seine Offensive?

Die Avalanche hat ihre Pflicht beim 2:1-Heimsieg gegen die Los Angeles Kings in Spiel 1 erfüllt. Doch viele waren erstaunt, dass die Monster-Offensive des turmhohen Favoriten nur zwei Treffer gegen den krassen Außenseiter produzierte. 

Insgesamt gab Colorado 73 Schussversuche ab, davon erreichten 32 das Tor, 17 rauschten am Ziel vorbei, zwei klatschten an die Latte und 22 wurden von Kings-Spielern geblockt. Von 18 eingesetzten Skatern gaben 16 mindestens einen Torschuss ab. 

Dass Spieler wie die Stürmer Martin Necas, Gabriel Landeskog, Brock Nelson, Nazem Kadri und Valeri Nichushkin sowie die Verteidiger Cale Makar, Devon Toews und Brent Bruns noch lange ohne Scorerpunkt bleiben, ist unwahrscheinlich. Die große Hoffnung: Die Avalanche entfesselt ihre Offensivkraft in Spiel 2 (10 p.m. ET; Mi. 4 Uhr MESZ).

Den gleichen Plan hat allerdings auch L.A.: „Wir brauchen mehr Zeit in der Offensivzone. Wir müssen Pucks halten, härter forechecken und sie hinterherlaufen lassen. Ich muss sie loben, denn sie haben nicht ohne Grund die beste Defensive der Liga und lassen kaum etwas zu. Aber es liegt an uns, mehr zu kreieren und mehr Pucks zu halten“, fordert Kings-Trainer D.J. Smith, dessen Team 25 Torschüsse in Spiel 1 verzeichnete.

LAK@COL, Sp 1: Lehkonen erzielt spät im 2. Drittel das erste Tor

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