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Maple Leafs hoffen nach Trainerwechsel auf St. Louis-Effekt

Sheldon Keefe siegt im ersten Match als Toronto-Trainer und soll die Geschichte von Craig Berubes Blues nachahmen

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Freier Autor

Matthews trifft in der Heimat

TOR@ARI: Matthews bringt die Maple Leafs in Führung

Auston Matthews stürmt auf das Tor zu und verwertet den Puck zum 3:0 für die Maple Leafs in der ersten Minute des dritten Drittels

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Mike Babcock war seit Mai 2015 als Trainer für die Geschicke der Toronto Maple Leafs verantwortlich. Nach dem schwachen Start der Leafs in die Spielzeit 2019/20 entschied sich Toronto die Reißleine zu ziehen und Babcock freizustellen. Am Mittwoch gaben die Maple Leafs bekannt, dass fortan Sheldon Keefe den Posten des Cheftrainers übernehmen wird. Der 39-jährige rückt mit der Empfehlung aus fünf starken Jahren beim AHL-Partner der Leafs, den Toronto Marlies, in die NHL auf. Fünf Niederlagen in Serie kosteten Babcock am Ende seinen Posten, besonders die 1:6-Niederlage gegen die Pittsburgh Penguins und das 2:4 gegen die Vegas Golden Knights waren zu viel für den Titelaspiranten aus Toronto.

Der Wechsel eines Trainers ist meist ein Hilfeschrei der Verantwortlichen. Die Saisonziele sind erheblich gefährdet und das Vertrauen in den Verantwortlichen hinter der Bande ist schwer erschüttert. Die Erklärung von Präsidenten der Maple Leafs, Brendan Shanahan unterstreicht genau diese Situation: "Zu diesem Zeitpunkt hatten wir gemeinsam das Gefühl, dass es das Beste wäre auf Sheldon Keefe zu wechseln. Sheldons Bilanz mit den Marlies in Hinblick auf Entwicklung und Erfolg während seiner Zeit in unserer Organisation haben uns alle darin bestätigt, dass er die richtige Person ist um unseren nächsten Entwicklungsschritt zu gehen."

Toronto galt zu Saisonbeginn als einer der Favoriten auf einen langen, möglicherweise mit Titel gekrönten, Playoff-Lauf. Ein Trainerwechsel scheint hier untypisch und möglicherweise auch überhastet. Doch die Erfahrung aus früheren Jahren zeigt, dass gerade ein solcher, neuer Impuls unerwartete Kräfte in einer Mannschaft freisetzen kann. "Mikes Engagement und pausenlose Arbeitsmoral hat unsere Organisation bis hierhin gebracht und wir sind sehr dankbar und erkennen an, wie er uns mit dieser Grundlage geholfen hat," fasste Shanahan die Erfolge Babcocks zusammen. Mit Keefe will nun ein neuer Coach die Geschichte der vergangenen Saison wiederholen, als Mike Berube für die St. Louis Blues Mike Yeo ersetzte und am Ende der Saison den Titel holte.

Der Erfolg in St. Louis sollte sich jedoch nicht sofort einstellen. Craig Berube wurde, am 19. November 2018, vorerst als Interimstrainer engagiert und schaffte mit den Blues den Umschwung erst im Januar. Bis zum Jahreswechsel spülte es St. Louis auf den letzten Rang der Liga und der Stuhl Berubes war alles andere als sicher. Ein Trainerwechsel führt häufig zu einer veränderten Spielweise und zu neuen Impulsen für die Akteure. Diese Anpassungen im Ablauf verlangen den Spieler viel ab. "Viele neue Dinge sind auf sie zugekommen," sagte Keefe nach seinem Debut als Leafs-Trainer. "Wir haben versucht, es so einfach wie möglich zu halten, aber es ist trotz allem neu." Bis die neuen Prozesse greifen kann es, wie auch in St. Louis, einige Zeit dauern, doch mit dem mehr an Einsatz, um sich beim neuen Trainer zu beweisen, kann eine Leidenschaft im Team entstehen, die später Früchte trägt. Das beste Beispiel ist der amtierende Stanley Cup Sieger aus St. Louis.

Bereits in der ersten Partie wussten die Maple Leafs zu überzeugen. Nach fünf Niederlagen hintereinander (0-1-4) konnte Toronto am Donnerstag gegen die Arizona Coyotes aus der Negativserie ausbrechen und mit 3:1 siegen. Die Aufbruchstimmung hat sich im Team bereits ausgebreitet. "Ich denke unser ganzes Team war etwas aggressiver und kam mit mehr Geschwindigkeit in die neutrale Zone. Wir hatten da draußen Spaß. Wir waren aufgeregt. Es war wie ein Neustart," zeigte sich Tyson Barrie von der Spielweise begeistert.

Neben den St. Louis Blues der vergangenen Saison gibt es weitere positive Beispiele, bei denen die Begeisterung über einen neuen Trainer Wunder bewirkt hat. Mike Sullivan übernahm im Dezember 2015 den Trainerposten bei den Pittsburgh Penguins, nachdem Mike Johnston entlassen wurde. Sullivan stieg ebenso wie Keefe vom Farmteam zum NHL-Team auf. Nachdem die Penguins zu Saisonbeginn lediglich 15 von 28 Matches gewinnen konnten (15-10-3) drehten sie nach dem Trainerwechsel auf und siegten unter Sullivan in 33 von 54 Begegnungen (33-16-5). In den Playoffs marschierte Pittsburgh mit 16 Siegen bei nur acht Niederlagen zum Titelgewinn. In der Folgesaison wiederholte Sullivan den Erfolg mit den Penguins und zeigt, dass ein Trainerwechsel während der Saison kurz- und langfristig Erfolge bringen kann.

Ein weiters titelträchtiges Beispiel für den Tausch des Übungsleiters lieferte Darryl Sutter, der im Dezember 2011 die Los Angeles Kings übernahm und ebenfalls den Stanley Cup gewinnen konnte. Nach einem durchwachsenen ersten Saisondrittel führte Sutter die Kings bis in die Playoffs und konnte durch einen 4:2-Erfolg in der Finalserie gegen die New Jersey Devils den ersten Titelgewinn für Los Angeles einfahren.

 

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Wichtig für den Erfolg noch in der Saison des Trainerwechsels ist der Zeitpunkt. Ein zu später Tausch lässt die Last des schwachen Beginns der Spielzeit zu groß werden. 2010/11 übernahm Jaques Lemaire erst am 23. Dezember die schwächelnden New Jersey Devils von John MacLean. Dem Trainerroutinier Lemaire gelang es zwar die Leistung der Devils deutlich zu verbessern, doch der Rückstand auf die Playoff-Ränge konnte nichtmehr eingeholt werden.  

Die Aussichten für den neuen starken Mann in Toronto, Keefe, sind gut. Die Saison ist noch nicht so weit fortgeschritten und der Anfang ist mit dem Sieg gegen die Coyotes gemacht. Die Anfangsschwierigkeiten werden sich für den NHL-Trainer-Neuling stellen, doch darauf ist er gefasst. "Ich war mit einigen meiner Wechsel etwas spät dran, also da könnte ich etwas schneller werden. Die Spieler haben mir hier geholfen, das weiß ich zu schätzen. Im Großen und Ganzen hat es sich einfach wie ein Eishockeyspiel angefühlt. Ich wusste nicht, wie es werden wird, aber der ganze Tag war gut," bilanzierte Keefe nach der ersten Partie. Sollte es ihm gelingen in die Fußstapfen von Sullivan, Berube und Sutter zu treten, wird sich das gute Gefühl sicher noch weiter verstärken.

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