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NHL.com/de präsentiert in der Rubrik Rookie Watch aktuelle Themen rund um die diesjährigen Rookies. In dieser Ausgabe: JJ Peterka und Lukas Reichel empfehlen sich in der AHL.

Der NHL Draft 2020 war ein Meilenstein für das deutsche Eishockey. Mit Tim Stutzle (Nummer 3) und Lukas Reichel (Nummer 17) wurden erstmals zwei Deutsche in der ersten Runde gewählt, dazu kam JJ Peterka, der in der zweiten Runde mit dem dritten Pick (Nummer 34) gedraftet wurde. Während Stützle bei den Ottawa Senators jedoch umgehend den Sprung in die NHL schaffte, wählten die Teams von Peterka und Reichel einen anderen Weg für die beiden.
Die Buffalo Sabres entschieden sich zunächst Peterka ein weiteres Jahr in Europa bei Red Bull München reifen zu lassen. Er begann die Saison 2020/21 bei Red Bull Salzburg und gehörte in der ICE Hockey League nach zwölf Spielen mit 16 Punkten (7 Tore, 9 Assists) zu den besten Spielern. Danach ließ er in 30 DEL-Spielen für München weitere 20 Zähler (9 Tore, 11 Assists) folgen. Vor der laufenden Saison folgte der Schritt nach Nordamerika, wo er das Training Camp der Sabres mitmachte und in fünf Vorbereitungsspielen drei Tore und einen Assist verbuchte.

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Trotz der guten Leistungen schickten die Sabres ihn zu ihrem Farmteam in der American Hockey League, den Rochester Americans. Der Einstand dort verlief nicht gerade nach Maß, die Americans unterlagen im ersten Spiel den Utica Comets mit 2:6, Peterka hatte mit einem Torschuss und ohne Punkte einen unauffälligen Auftritt.
"Ich glaube, das war eine gute Lektion um zu lernen, wie hart es in der AHL zugeht, wie körperbetont gespielt wird und wie viel verlangt wird", erklärte Rochesters Trainer Seth Appert gegenüber theahl.com und lobte Peterkas willen aus der Erfahrung zu lernen. "Jeder kämpft und beißt und kratzt, um entweder in der NHL zu spielen, oder seinen Platz in dieser Liga zu halten. JJ ist ein Kämpfer und er weiß, dass er nicht sein bestes Spiel hatte."
Dass er zu mehr fähig ist, zeigte der 19-jährige Münchner umgehend. Im nächsten Spiel führte er die Americans mit einem Tor und zwei Vorlagen zu einem 5:3-Heimsieg gegen die Syracuse Crunch und half dadurch eine Serie von fünf Siegen in den nächsten sechs Spielen einzuleiten.
Peterka stürmt in der ersten Reihe der Mannschaft auf dem rechten Flügel und trägt dazu bei, dass diese Reihe mit Center Sean Malone und Außenstürmer Jack Quinn zu den gefährlichsten der AHL zählt. Quinn ist mit 24 Punkten (11 Tore, 13 Assists) der Topscorer der AHL, Peterka ist mit 18 Punkten (4 Tore, 14 Assists) auf dem sechsten Platz der Liga und liegt unter den Rookies hinter Quinn und Verteidiger Scott Perunovich auf Rang drei.

DET@BUF: Peterka fälscht ihn in die Maschen ab

"Wenn die Chemie in einer Reihe stimmt, ist man als Spieler doppelt so viel wert und hat doppelt so viele Chancen, dass ist eine wichtige Sache für Stürmer", betonte Quinn die Bedeutung des Zusammenspiels mit Peterka. "Wir arbeiten wirklich gut zusammen und das ist für mich aufregend, weil wir uns dadurch stark entwickeln können."
Dank dieser Reihe liegen die Americans mit 22 Punkten aus 17 Spielen (11-6-0) auf dem dritten Platz der North Division in aussichtsreicher Position. Anders sieht es bei den Sabres in der NHL aus. Nach einem guten Start in die Saison begab Buffalo sich Ende Oktober in den Sturzflug und wurde in der Tabelle mit 19 Punkten aus 22 Spielen (8-11-3) auf den sechsten Platz der Atlantic Division durchgereicht. Die Offensive liegt mit 2,86 Toren pro Spiel auf dem 18. Platz und Tage Thompson ist mit 16 Punkten (10 Tore, 6 Assists) der Topscorer des Teams. Diese mangelhafte Ausbeute im Angriff würde dafür sprechen, jungen und durchschlagskräftigen Stürmern wie Quinn und Peterka eine Chance zu geben.
Ähnlich gut lief es bis vor Kurzem für Reichel bei den Rockford IceHogs, dem Farmteam der Chicago Blackhawks. Wie Peterka verbrachte er zunächst eine weitere Saison in der DEL, wo er in 38 Spielen 27 Punkte (10 Tore, 17 Assists) sammelte und mit den Eisbären Berlin die Meisterschaft holte. Nun folgte auch für ihn der Schritt in die AHL. Sein Team gewann nur eins der ersten fünf Spiele und steht nach 15 Begegnungen mit 14 Punkten auf dem sechsten Platz der Central Division. An dem gebürtigen Nürnberger liegt die Tabellensituation der IceHogs jedoch sicherlich nicht, er ist mit zwölf Punkten und sieben Toren der beste Torjäger der Mannschaft.
"Er hat einige Attribute, die man einfach nicht beibringen kann", schwärmte Trainer Anders Sorensen im Interview mit der Chicago Sun Times. "Sein Abwehrspiel wird immer reifer... offensiv entwickelt er einen immer besseren Überblick und fühlt sich wohler dabei den Puck zu behaupten."
Die positive Entwicklung erlaubte Reichel am 7. November den bisherigen Höhepunkt seiner Saison, ein Hattrick bei einem 4:3-Sieg gegen die Manitoba Moose. Laut Derek King, dem Interimstrainer der Blackhawks, hat die Organisation es aber nicht eilig, ihn in die NHL zu holen, um in seiner Entwicklung als Spieler nichts zu überstürzen.
"Er hat gerade viel um die Ohren, da ist es vielleicht besser für ihn, wenn er eine Weile am gleichen Ort bleibt und erstmal ankommt", sagte Sorensen. "Aber früher oder später wird man ihn in der NHL sehen."
Die Blackhawks hadern wie die Sabres mit ihrer Offensive. Mit 2,1 Toren pro Spiel stellen sie den drittschlechtesten Angriff der Liga, Patrick Kane führt sie mit 18 Punkten (6 Tore, 12 Assists) an und nur drei Spieler konnten nach 21 Spielen die Marke von zehn Punkten knacken. Frisches Blut könnte ihnen helfen und Reichel wäre nach dem Eindruck, den er in der AHL erweckt hat ein Paradekandidat, um einen neuen Impuls zu setzen. Doch am Sonntag kam der große Schock für die IceHogs.

Lukas Reichel sieht sich in einem Lernprozess

Im Spiel gegen die Milwaukee Admirals stand es im dritten Drittel 2:1 für Rockford, als Reichel den Puck mit Geschwindigkeit in das gegnerische Drittel brachte. Gleich zwei Verteidiger wussten sich nicht anders zu helfen, als ihm mit dem Schläger die Beine wegzuziehen, woraufhin Reichel Kopf voraus in die Bande einschlug. Er musste sich von einem Teamkollegen vom Eis helfen lassen, über das Ausmaß der Verletzung ist nichts bekannt.
Die Verletzung könnte Reichel zurückwerfen, doch er und Peterka konnten sich mit einem starken Start in die AHL-Saison nicht nur für tragende Rollen in ihren Teams empfehlen, sie machen es den Verantwortlichen in der NHL auch immer schwieriger sie zu ignorieren und bei den jeweiligen Farmteams zu lassen.