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Gerade einmal 159 Sekunden waren gespielt, als Lukas Reichel im Spiel seiner Chicago Blackhawks gegen die Calgary Flames sein erstes NHL-Tor erzielte. "Es ist ein Traum, der wahr geworden ist", sagte der 20-jährige Deutsche danach. "Das erste NHL-Tor ist etwas ganz Besonderes für mich. Und ich möchte weiterhin treffen."

Für den Nürnberger war die Partie am Sonntag das dritte NHL-Spiel in dieser Saison sowie sein 14. NHL-Auftritt insgesamt. Reichel gab den Puck zunächst an Seth Jones weiter, der von der blauen Linie aus abzog. Flames-Torwart Jacob Markstrom konnte den Schuss nur abprallen lassen. Reichel reagierte schnell und staubte ab. "Das war ein bisschen glücklich. Aber es spielt keine Rolle, wie das Tor gefallen ist. Ich bin einfach happy, dass ich den reingemacht habe", so der Torschütze.

CGY@CHI: Reichel erzielt ein Tor und zwei Assists

Überhaupt war Reichel in diesem Spiel sehr effektiv. Er legte noch mit zwei weiteren Assists nach, unter anderem zum Gamewinner in der Overtime durch Max Domi. Er überzeugte Blackhawks-Trainer Luke Richardson damit so sehr, dass er offenbar gute Chancen hat, nun längerfristig ein fester Bestandteil des Kaders zu sein. "Ich denke, dass er sich seinen Platz verdient hat", sagt der Übungsleiter. "Er sollte nun eine längere Zeit eingeräumt bekommen, um zu sehen, ob er das Niveau, was er gerade hat, aufrechterhalten kann. Ich bin mir sicher, dass er dazu in der Lage ist."
Nicht nur für Reichel, sondern für die gesamte Mannschaft der Blackhawks war der 4:3-Overtime-Sieg gegen die Flames von besonderer Bedeutung. Erstmals seit Oktober konnten sie zwei Spiele in Folge gewinnen, nachdem sie bereits am Freitag mit 2:0 gegen die Arizona Coyotes gesiegt hatten. Die weiteren Treffer für Chicago gingen auf das Konto von Colin Blackwell und dem Schweizer Philipp Kurashev. Die Flames hatten mit einem Torschussverhältnis von 47:25 zwar deutlich mehr Torgelegenheiten, konnten sich aber mit ihren Treffern durch Elias Lindholm, Jonathan Huberdeau und Nazem Kadri am Ende lediglich einen Punkt sichern.

CGY@CHI: Domi trifft zum Sieg der Blackhawks in OT

Ein Grund dafür war Blackhawks-Torwart Alex Stalock mit seinen 44 Saves. "Ihr Torhüter hat eine großartige Leistung erbracht", sagte Kadri anerkennend. Flames-Trainer Darryl Sutter hingegen haderte: "Dieses Spiel muss man gewinnen. Wenn man nur eine Strafzeit kassiert, zwei Powerplay-Tore erzielt und nur wenige Schüsse zulässt, sollte man das Spiel eigentlich für sich entscheiden."
Doch dies gelang nicht, weil die Blackhawks, die zum zweiten Mal in Folge verletzungsbedingt auf ihren Stürmer Patrick Kane verzichten mussten, schlicht und einfach effektiver waren. "Das war ein großartiges Spiel", sagte Domi. "In der ersten Periode haben wir sie überlistet. Im zweiten Drittel fielen wir etwas zurück, aber Stalock war wieder einmal unglaublich. Wir haben Wege gefunden, um in unserer eigenen Zone sicher zu stehen. Und dann haben wir uns die Chance erarbeitet, das Spiel zu gewinnen."
Für Reichel wird dieser Sieg wohl ewig in Erinnerung bleiben. Er bewies allerdings nicht nur seine Treffsicherheit, sondern unterstrich mit seinen beiden Vorlagen auch seine Spielintelligenz. Beim Treffer zum 3:1 durch Kurashev befand er sich in einer guten Position, um selbst aus kurzer Distanz den Abschluss zu suchen. Viele junge Spieler hätten nach ihrem ersten NHL-Treffer wohl versucht, ein Tor nachzulegen. Doch Reichel hatte den Blick für den Nebenmann und leitete den Puck an zwei Gegenspielern vorbei zu Kurashev.
"Mein erster Gedanke war, dass ich selbst schieße. Aber dann sah ich, dass es eine kleine Lücke für den Pass gibt, sodass Kurashev ihn per One-Timer abschließen kann. Ich bin froh, dass die Scheibe ankam", erklärte Reichel. Auch beim Siegtreffer in der Overtime steckte er den Puck in einer hektischen Spielsituation zu Domi durch, sodass dieser verwandeln konnte.

CGY@CHI: Kurashev trifft nach 35 Sekunden im 2.

Überhaupt scheint es so, als hätte Reichel nun seinen Platz bei den Blackhawks gefunden. Bereits nach dem Spiel gegen die Coyotes, in dem er einen Torschuss abgab und noch ohne Scorerpunkt blieb, bekam er ein Lob von Trainer Richardson. "Er wirkt bereits sehr reif und verfügt auch über eine gewisse Ruhe", sagte er "Er hat viel Vertrauen in seine Fähigkeiten und ich bin mir sicher, dass er seine Chance nutzen wird."
Im Spiel gegen die Flames hat er genau dies getan und darf sich nun Hoffnung auf viele weitere Einsätze machen. "Ich fühle mich gut und hoffe, dass ich hierbleiben kann", ließ Reichel verlauten.