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Es ist schwer in der NHL zu bestehen. Das ist so und das war schon immer so. Nicht umsonst ist es die beste Eishockeyliga der Welt, in der von den Spielern viel abverlangt wird.

In einer regulären Saison sind normalerweise 82 Spiele über sechs Monate zu absolvieren und dann noch über 20 Partien in den Stanley Cup Playoffs innerhalb von zwei Monaten, wenn das Finale erreicht wird.
Das Spiel verlangt ungemein hohe Physis, wenn die Aktiven häufig drei bis vier Mal in der Woche auflaufen. Es beinhaltet nicht nur körperliche Anstrengung, sondern auch die Verarbeitung von Blessuren, die zwangsläufig durch die Bearbeitung des eigenen Körpers durch den Gegner entstehen.
In dieser Saison hat sich das Programm wegen des späteren Saisonstarts Mitte Januar aufgrund der COVID-19-Pandemie zwar auf 56 Spiele für jedes Team bis Anfang Mai reduziert, doch die Intensität wurde dadurch nicht weniger, sondern eher höher. Einzelne Quarantänen und Spielausfälle machen das Programm noch kompakter.

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Genau in dieser Zeit hat sich Patrick Marleau von den San Jose Sharks in der vergangenen Woche mit seiner aktiven Serie von mittlerweile 888 absolvierten Spielen in Folge auf den vierten Platz in dieser Kategorie der NHL-Geschichte geschoben und den früheren NHL-Spieler Steve Larmer (6.10.1982-15.4.1993; 884) überholt. Dicht hinter den beiden folgt mit Phil Kessel von den Arizona Coyotes der nächste aktive Spieler in dieser Auflistung. 879 hat er in seinen Büchern stehen.
Nachdem vor Marleau mit Verteidiger Keith Yandle (901) von den Florida Panthers auf dem dritten Platz ein weiterer aktiver Spieler steht, befinden sich derzeit drei Aktive unter den Top 6 in der Geschichte auf der Jagd nach den Bestmarken von Garry Unger (24.2.1968-21.12.1979; 914) und Doug Jarvis (8.10.1975-10.10.1987; 964).
Obwohl teilweise der Jugendwahn in der NHL Einzug gehalten hat, sind es trotzdem noch die erfahrenen Kräfte, auf denen die General Manager und Trainer ebenso zählen. Nicht umsonst sind die Dienste einiger Akteure, die das fünfte Jahrzehnt bereits begonnen haben, immer noch gefragt.
Genauso wie Spieler mit bereits mit 18 oder 19 Jahren in der Liga debütieren, so sind diejenigen mit 40 oder älter zu finden, wie der Fall Marleau beweist. Der 41-jährige Kanadier ist seiner Karriere noch nicht müde und strebt nach mehr.
"Natürlich einen Stanley Cup zu gewinnen, das ist das ultimative Ziel", beantwortet er die Frage danach, ob seine aktive Serie die wichtigste von allen wäre. "Aber abseits davon geht es nur darum, gut zu spielen und der Mannschaft zu helfen zu gewinnen. Das hört sich abgedroschen an, aber so ist es."

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Trotzdem und obwohl der dazu gehörige Rekord aus den 1970er-Jahren stammt, stellt sich mit Yandle, Marleau und Kessel in den Top 6 dieser besonderen Rangliste die Frage, ob es heutzutage leichter möglich wäre, eine solche Serie zu erreichen?
"Ich glaube, das ist eine schwierige Frage", betont Oilers-Trainer Dave Tippett. "Natürlich ist es heute um die Fitness und die Trainingsmethoden bessergestellt als früher, doch andererseits sind die Spieler heute mehr denn je gefordert."
Serien dieser Art sind grundsätzlich schwer zu erreichen, denn man darf wirklich über Jahre hinweg keine Verletzung haben, keine Schwächephase zeigen, so dass der Trainer einen nicht einsetzt oder von der NHL eine Sperre wegen Regelübertretung kassieren. Wahrlich kein leichtes Unterfangen und es zeigt, dass es um mehr geht als körperliche Fitness oder Glück mit Verletzungen zu haben.

"Ich denke, solche Spieler haben eine besondere Einstellung und Auffassungsgabe", ist Panthers-Trainer Joel Quenneville, der Yandle in seinen Reihen hat, überzeugt. "Das schützt dich zwar nicht vor Verletzungen und Ausfällen, aber es hilft, vielleicht das eine oder andere Malheur zu verhindern."
Er glaubt allerdings nicht, dass es im letzten Jahrzehnt leichter wurde, solche Serien aufzustellen. Drei Spieler mit aktiven Serien in den Top 6 der ewigen Bestenliste zu haben, ist ein besonderer Umstand, der seiner Meinung nach keiner Regel folge.
Natürlich gibt es viele Gründe, die angeführt werden könnten, wie verbesserte Ausrüstung, verbesserte Trainings- und Behandlungsmethoden und vieles mehr, doch wie heißt es frei aus dem Fußball übertragen: "Die Wahrheit liegt auf dem Eis."