Nikita Kucherov tritt stets bescheiden auf, sucht nur selten die große Bühne. Interviews meidet er, Lob spielt er herunter, persönliche Auszeichnungen kommentiert er lieber knapp. Auch über den anstehenden Meilenstein von 1000 NHL-Punkten wollte der Stürmer der Tampa Bay Lightning im Vorfeld nicht sprechen.

Erst nachdem er am Samstag gegen die Anaheim Ducks in der heimischen Benchmark International Arena beim 4:3-Erfolg seiner Mannschaft diese Marke erreichte – und wenig später mit seinem 1001. Punkt auch noch das Siegtor vorbereitete –, stellte er sich kurz den versammelten Reportern.

An diesem besonderen Abend kam selbst Kucherov nicht an der Aufmerksamkeit vorbei. Als die Bank sich leerte und seine Mitspieler jubelnd auf ihn zuströmten, die Fans aufsprangen und das Scheinwerferlicht auf ihn fiel, lächelte selbst der sonst so zurückhaltende Russe. Ein Moment, der zeigte, wie sehr ihn dieser persönliche Erfolg berührte.

„Es war ein großartiges Gefühl“, berichtete Kucherov, der in dieser Saison in sechs Spielen inzwischen auch schon wieder sieben Punkte (zwei Tore, fünf Vorlagen) erzielt hat. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffen würde. Ich bin sehr dankbar – für meine Teamkollegen, meine Trainer, unsere Fans. Ohne sie wäre ich nicht hier.“

ANA@TBL: Kucherov bereitet Guentzels zweites Tor des Tages vor

In exklusiver Gesellschaft

Kucherov benötigte 809 Spiele, um die 1000-Punkte-Marke zu erreichen. Nur zwei aktive Spieler waren schneller: Connor McDavid (659 Spiele) und Sidney Crosby (757). Unter den außerhalb Nordamerikas geborenen Spielern schafften dies nur Peter Stastny (682), Jari Kurri (716) und Jaromir Jagr (763) in weniger Partien.

Er ist zudem nach Steven Stamkos erst der zweite Spieler, der mit den Lightning die 1000-Punkte-Marke erreicht hat. Stamkos erzielte in 16 Spielzeiten bei Tampa Bay 1137 Punkte (555 Tore, 582 Assists). Er spielt derzeit seine zweite Saison bei den Nashville Predators.

Bemerkenswert zudem: Alle seine Punkte erzielte Kucherov unter Trainer Jon Cooper. Zuvor hatten nur Mike Bossy und Bryan Trottier ihre ersten 1000 Punkte unter demselben Coach erzielt, beide unter Islanders-Legende Al Arbour.

„Es war ein Privileg, das miterleben zu dürfen“, sagte Cooper. „Ich erinnere mich noch, als er als junger Spieler zu uns kam. Heute ist er einer der besten Spieler der Welt. Er wird als einer der größten, vielleicht sogar der größte Spieler in die Geschichte dieser Organisation eingehen.“

Titel, Trophäen, Triumphzüge

Kucherov gehört seit Jahren zur absoluten Elite der NHL. 2019 gewann er die Hart Trophy als wertvollster Spieler der Liga, dazu dreimal die Art Ross Trophy als Topscorer (2019, 2024, 2025) und zweimal den Stanley Cup (2020, 2021).

„Das ist kein Zufall“, meinte Verteidiger Victor Hedman, der am selben Abend seinen eigenen 800. NHL-Punkt erreichte. „Er arbeitet so hart wie kaum jemand. Jeder Punkt ist das Resultat unzähliger Stunden auf und abseits des Eises.“

ANA@TBL: Hagel, Hedman assistieren bei Cirellis Tor im zweiten Drittel

Der Perfektionist

Tatsächlich gilt Kucherov als einer der detailversessensten Spieler der Liga. In seiner Garage in Tampa hat er synthetisches Eis verlegt und ein Tor aufgebaut, um selbst im Sommer an seiner Schusstechnik zu feilen. In unzähligen Videoanalysen studiert er unter anderem Patrick Kane, den Stürmer der Detroit Red Wings – einen weiteren Linksschützen, der auf der rechten Seite spielt und das Spiel mit Übersicht und Kreativität prägt.

„Man hört oft, dass er die meisten Puckberührungen in der Liga hat – und zwar im Training“, sagte Teamkollege Aaron Ekblad. „Seine Vorbereitung ist schlicht beeindruckend. Gegen ihn zu spielen, ist eine ständige Herausforderung“, meinte er.

Der Moment des 1000. NHL-Punktes

Seinen Meilensteinpunkt erzielte Kucherov auf typische Weise – mit Spielwitz, Übersicht und Präzision. Auf dem rechten Flügel trug er den Puck über die blaue Linie, den Kopf oben, immer auf der Suche nach der besten Option. Er sah Brayden Point auf der Gegenseite und spielte einen millimetergenauen Pass durch eine Lücke. Point leitete die Scheibe weiter auf Jake Guentzel, der sie ins Tor abfälschte – 2:1 für Tampa Bay nach 12:19 Minuten im zweiten Drittel, 1000 Punkte für Kucherov.

Später bereitete er im Powerplay auch den Siegtreffer vor. Nach einem Pass von Hedman im linken Kreis fand er Anthony Cirelli im Slot, der per One-Timer traf.

„Er ist unglaublich darin, schon vor dem Erhalt des Pucks zu wissen, was er damit machen wird“, erklärte Kane. „Er kann alles – schießen, passen, lesen. Das macht ihn so gefährlich, weil man nie weiß, was er vorhat. Ich schaue ihm gerne zu, um selbst etwas zu lernen.“

Ein Superstar ohne Eitelkeit

Kucherovs Leistungen sprechen für sich. Doch anders als viele Superstars seiner Generation sucht er nicht die Schlagzeilen. Er arbeitet still, konzentriert, zielstrebig – und lässt sein Spiel für sich sprechen.

„Er ist ein geborener Wettkämpfer“, sagte Cooper. „Aber er braucht keine großen Worte. Seine Motivation kommt von innen. Er will immer besser werden.“

Der 1000. Punkt ist daher weniger ein Ziel für ihn als lediglich ein weiterer Schritt auf einem Weg, den Kucherov mit großer Konstanz geht. Für die Fans war es ein besonderer Moment, für ihn selbst vielleicht nur ein kurzer Blick zurück – bevor er wieder nach vorne schaut.

Denn dort wartet schon die nächste Herausforderung auf Kucherov und seine Mitstreiter. Direkt am heutigen Sonntag (5 p.m. ET; 22 Uhr MEZ) statten die Vegas Golden Knights den Lightning einen Besuch ab. Zeit zu reflektieren bleibt da nicht viel. Und Kucherov wäre nur zu gerne dann auch wieder unter den Punktelieferanten seiner Mannschaft.

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