NHL.com/de blickt auf bedeutende deutschsprachige Spieler zurück, die ihre Schlittschuhe für einzelne Franchises geschnürt haben. In dieser Folge die Anaheim Ducks.

Bei keinem anderen Team in der NHL waren bislang mehr Torhüter aus dem deutschsprachigen Raum beschäftigt als bei den Anaheim Ducks. Mit Martin Gerber, Jonas Hiller und Reto Berra kamen drei Schweizer und mit Timo Pielmeier ein Deutscher zum Einsatz.
Als erster Spieler dieses Quartetts stand Martin Gerber bei den Kaliforniern zwischen den Pfosten. Das Franchise, das seinerzeit noch unter dem Namen Mighty Ducks of Anaheim firmierte, wählte den Schlussmann beim NHL Draft 2001 in der achten Runde an Gesamtposition 232 aus.

gerber anh

Nach einem Übergangsjahr in der obersten Spielklasse in Schweden wurde er zu Beginn der Saison 2002/03 in Anaheims NHL-Kader aufgenommen. Als Nummer 2 hinter Stammkeeper Jean-Sebastien Giguere absolvierte Gerber 22 Partien in der regulären Saison und zwei weitere in den Stanley Cup Playoffs. Fast hätte er in seiner Premierensaison sogar den Stanley Cup gewonnen, doch am Ende zog seine Mannschaft im Finale gegen die New Jersey Devils den Kürzeren. In der Saison 2003/04 fungierte Gerber erneut als Backup für Giguere und bestritt 32 Einsätze in der Hauptrunde. Im Anschluss wechselte er zu den Carolina Hurricanes.
Bleibende Eindrücke bei den Ducks hinterließ Jonas Hiller. Nach drei Schweizer Meisterschaften und zwei Erfolgen im Spengler Cup mit dem HC Davos wurde er 2007 als ungedrafteter Spieler von Anaheim verpflichtet. Sein NHL-Debüt feierte er am 30. September jenes Jahres beim 4:1-Erfolg der Ducks in London gegen die Los Angeles Kings. Am Tag zuvor hatten sich die Kings dort mit dem gleichen Ergebnis gegen die Ducks durchgesetzt. Es war das erste Mal in der Geschichte der NHL, dass der Saisonauftakt mit zwei Spielen in Europa über die Bühne ging.
Im weiteren Verlauf der Spielzeit 2007/08 reihte sich Hiller zunächst wie zuvor sein Landsmann Gerber als Stellvertreter von Giguere ein. Ein Jahr später stieg er zur Nummer 1 auf. Im Januar 2010 verlängerte er in Anaheim bis 2014.
Einen Höhepunkt erlebte Hiller in der Saison 2010/11. Als Belohnung für seine starken Leistungen wurde er fürs NHL All-Star Game 2011 in Raleigh berufen - bemerkenswerterweise als einziger Torwart aus der Western Conference.
Kurz darauf erkrankte der Keeper. Er litt an einer Virusinfektion, die Gleichgewichtsstörungen und Schwindelgefühle hervorrief. Bis zum Saisonende versuchte er mehrere Male ein Comeback, musste aber erkennen, dass die Beschwerden noch nicht vollständig überwunden waren.
Nach der Sommerpause war Hiller wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. In der Hauptrunde 2011/12 hütete er 73 Mal das Tor der Ducks und stellte damit einen Franchise-Rekord auf. Am 13. Januar 2012, beim 5:0 über die Edmonton Oilers, feierte er seinen 100. NHL-Sieg.

Hiller

In den letzten beiden Jahren in Anaheim geriet sein Nimbus als unumstrittener Stammtorwart zunehmend ins Wanken. Bei den Ducks rückten junge Talente nach, die zu überzeugen wussten. Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen des Klubs, den auslaufenden Kontrakt mit Hiller nicht zu erneuern. Nach 352 Auftritten in der regulären Saison und den Playoffs im Ducks-Trikot war für ihn Schluss. Als Free Agent unterzeichnete er im Juli 2014 einen Zweijahresvertrag bei den Calgary Flames.
Nachdem er sich im April 2017 bereits mit dem HC Fribourg-Gottéron aus der Schweizer National League auf einen Dreijahresvertrag verständigt hatte, entschied sich Reto Berra doch noch einmal zur Rückkehr in die NHL. Möglich war dies dank einer Ausstiegsklausel, die er mit dem Schweizer Verein vereinbart hatte. Im Juli unterschrieb er einen Kontrakt bei den Ducks für die Saison 2017/18. Mehr als fünf Spiele waren ihm dort allerdings nicht vergönnt. Danach setzte er seine Karriere wie ursprünglich geplant bei Fribourg-Gottéron fort.
Äußerst unglücklich verlief das NHL-Debüt von Timo Pielmeier bei den Ducks. Sie hatten den Goalie im März 2009 bei einem Trade von den San Jose Sharks geholt. Nach anderthalb Jahren bei Anaheims Farmteams in der ECHL und der AHL durfte er am 19. Februar 2011 erstmals in der NHL ran. Die Auswärtsbegegnung bei den St. Louis Blues stand allerdings unter keinem guten Stern. Die Gastgeber gewannen haushoch mit 9:3. Beim Stand von 3:4 nach 20 Minuten wurde Pielmeier für Curtis McElhinney ins Tor geschickt. Doch er vermochte ebenso wenig zu überzeugen und musste fünf Gegentreffer bei zwölf Schüssen hinnehmen. Pielmeiers erster NHL-Einsatz war zugleich sein letzter.
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Neben den vier Torleuten liefen mit Luca Sbisa und Korbinian Holzer auch zwei Verteidiger aus dem deutschsprachigen Raum für die Ducks auf. Der Schweizer Sbisa brachte es zwischen 2009 und 2014 auf 240 Spiele in der regulären Saison und den Playoffs. Dabei erzielte er 51 Scorerpunkte (neun Tore, 42 Assists). Für den Deutschen Holzer sind insgesamt 150 Spiele und 18 Punkte (vier Tore, 14 Assists) zwischen 2014 und 2020 verzeichnet.
Erster Schweizer Draftpick der Ducks war 1997 der Angreifer René Stüssi (8. Runde, Position 209). Der Sprung in die NHL blieb ihm jedoch verwehrt. Gleiches gilt für Torwart Sebastian Stefaniszin (2007, 4. Runde, Position 98). Er ist bis dato der einzige Deutsche, für den sich Anaheim beim Draft entschied. Stefaniszin besitzt neben seinem deutschen auch noch einen österreichischen Pass.