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Ironman-Serien sind Beweis für Talent und Durchhaltevermögen

Sharks Patrick Marleau knackt als Dauerspieler die 800 Spiele und ist Keith Yandle auf den Fersen

von Stefan Herget @nhlde / NHL.com/de Freier Chefautor

Marleau im Powerplay zur Führung

CHI@SJS: Marleau fälscht Meiers Schuss in Überzahl ab

Timo Meier schickt den Puck aus der Drehung Richtung Tor und dieser wird von Patrick Marleau zum PP-Tor und 1:0 der Sharks abgefälscht

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Iron Man ist ein mittlerweile dreiteiliger Hollywood Blockbuster mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle als der Superheld, basierend auf einen Marvel Comic. Die Figur verfügt über eine High-Tech-Rüstung, die ihn vor Verletzungen und Schaden schützt.

Im nordamerikanischen Eishockey hat sich der Begriff "Ironman" für Spieler etabliert, die lange ohne eine Unterbrechung Spiele absolvieren. Es scheint so, als ob sie ebenfalls eine Rüstung besitzen, die sie vor Verletzungen und Schaden schützt, doch ein Eisenmann, wie er ins Deutsche übersetzt heißt, im Sport Eishockey, vollbringt diese übermenschliche Leistung bis auf seine standardgemäße Ausrüstung ohne einen Schutzpanzer sowie in der Realität und nicht auf der fiktiven Kino-Leinwand.

Am Dienstag beim 4:2-Sieg seiner San Jose Sharks gegen die Chicago Blackhawks im SAP Center wurde Patrick Marleau zum sechsten Spieler in der NHL-Geschichte, der mindestens 800 Spiele in Serie und ohne Unterbrechung in der NHL auflaufen konnte. Er reiht sich damit hinter Rekordhalter Doug Jarvis (964 Spiele) und dessen Verfolgern Garry Unger (914), Steve Larmer (884), Andrew Cogliano (830) und Keith Yandle (811) ein und liegt knapp vor Phil Kessel (789), der als nächster in Kürze die Marke knacken könnte. Die Serien von Yandle und Kessel sind ebenfalls noch am Laufen.

Video: SJS@CHI: Marleau trifft im PP bei Rückkehr zu Sharks

Coglianos Anlauf auf den Rekord von Jarvis wurde im Januar 2018 ausgerechnet durch eine Sperre der NHL wegen einem illegalen Check gestoppt. Zuvor konnte der Stürmer seit seinem NHL-Debüt im Oktober 2007 in elf Spielzeiten alle Spiele seiner Mannschaften bestreiten.

"Ich denke, am meisten beeindruckend ist, dass er in der Lage war gesund zu bleiben in einem Spiel, das immer schneller und physischer wird", sagte Coglianos damaliger Teamkollege bei den Anaheim Ducks Francois Beauchemin über den heutigen Stürmer der Dallas Stars. "Er arbeitet mit Stolz sehr hart und macht viele Dehnungsübungen."

Natürlich ist das Geheimrezept nicht alleine, seinen Körper und die Muskulatur flexibel zu halten, sondern neben einer gewissen Disziplin und auch körperlicher Konstitution, braucht es auch etwas Glück. "Glück kommt da natürlich ins Spiel", weiß auch Beauchemin. "Ich meine, jeder kann einen Schuss irgendwo hinbekommen und sich einen Knochen brechen. Aber ich denke, dass Andrew alles dafür tut, so gesund wie möglich zu bleiben. Es ist extrem beeindruckend, wozu er in der Lage ist."

 

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Wie knapp Glück und das Pech verletzt zu werden, häufig beieinander liegen, zeigte Marleau eindrucksvoll, als er am Dienstag mit einer sichtbaren Wunde am Kinn zum Gespräch vor die Presse trat. "Mich hat dort ein Puck getroffen, nichts schlimmes", sagte er lapidar, doch ein Einschlag etwas höher oder links bzw. rechts hätte nachhaltige Folgen haben können oder womöglich eine Pause erzwungen.

Wie ernst Spieler die bestehende Serie nehmen, zeigte die Tatsache, dass sich die Sharks am 8. Oktober mit Marleau auf einen Vertrag einigten, doch erst am Tag darauf diesen unterschrieben. Hintergrund dieser Vorgehensweise war, dass die Sharks am Tag der Einigung ein Spiel bei den Nashville Predators hatten, an dem Marleau aber nicht mehr hätte mitwirken können. Mit der Unterschrift am Spieltag hätte er aber zum Team gehört und seine Serie wäre gestoppt gewesen.

So lief sie mit seinem Einsatz einen Tag später weiter und Marleau erreichte am Dienstag die 800. Mit seinen 40 Jahren ist der Kanadier nicht nur deswegen ein Phänomen. Mit seinem Treffer zum 1:0 in der 22. Minute führte er die Sharks in einem wichtigen Spiel, um nach verkorkstem Saisonstart endlich die Kehrtwende einzuläuten, auf die Siegerstraße. "Es fühlte sich gut an in Führung zu gehen und wir haben darauf aufgebaut", sagte er nach dem ersten Tor seit seinem Doppelpack in seinem ersten Spiel zurück in San Jose am 10. Oktober ebenfalls gegen Chicago. "Es ist schön mit einer Führung zu spielen."

Besonders an diesem Abend war, dass Marleau erstmals wieder mit seinem langjährigen Weggefährten Joe Thornton in einer Reihe spielen durfte. "Es fühlte sich großartig an", erzählte er. "Es fühlte sich normal und gut an, wieder mit ihm am Eis zu stehen. Er spricht mir dir. Wir gehen auf der Bank immer die Spielzüge durch und überlegen, was wir besser machen können."

Es wird noch mehr Gelegenheiten geben, dass beide über Szenen sprechen können, denn ein Ende der Serie von Marleau ist nicht absehbar. Um die Dimension noch einmal zu veranschaulichen sei erwähnt, dass er seit dem 9. April 2009, also vor über zehn Jahren, nicht mehr ausgefallen ist. Neben der Technik, dem Können und der Einstellung ist das ebenfalls ein Qualitätsmerkmal für einen Weltklassespieler. Was nützt ein noch so guter Spieler, wenn er häufig verletzt ist? Von nichts kommt nichts und ohne entsprechende Pflege des Körpers und eiserne Disziplin ist eine solche Dauer nicht vorstellbar.

Jarvis Rekord kann vielleicht der 33-jährige Yandle von den Florida Panthers knacken, für Marleau dürfte es zu spät dafür sein. Doch seinen Platz als ein Ironman sollte er schon jetzt für eine lange Zeit, wenn nicht die Ewigkeit, sicher haben.

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