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Weniger ist mehr im Powerplay

Viele Schüsse bedeuten nicht mehr Erfolg - Musterbeispiel Washington

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Mittwoch in der Saison 2018/19 wird NHL.com/de in der Rubrik "Inside the numbers" nach verschiedenen Trends und Statistiken suchen, um Euch die Analyse des Spiels näherzubringen.

In dieser Ausgabe: Die Indikatoren für ein gutes Powerplay

Die Washington Capitals und Toronto Maple Leafs zeichnet in der laufenden Saison vor allem eines aus: ein brutal effektives Powerplay. Washington nutzt 38,7 Prozent seiner Überzahl-Möglichkeiten für ein Tor (12/31), bei Toronto sind es 37,5 Prozent (9/24). Doch was macht die jeweiligen Special Teams so brandgefährlich?

Schüsse: Weniger ist mehr

Ziel in Überzahl ist es, den dezimierten Gegner müde zu spielen und dann im richtigen Moment den Abzug zu drücken. Ein Indikator für ein gutes Powerplay könnte also die Anzahl der Torschüsse sein. Im Schnitt gaben die 31 NHL-Teams bislang 43,7 Schüsse in Überzahl ab.

Deutlich über diesem Mittelwert liegen die Carolina Hurricanes, die mit 68 Powerplay-Torschüssen schießwütiger sind als alle anderen NHL-Klubs. Allerdings zeigte sich Carolina dabei nicht sonderlich effektiv und stellt mit gerade einmal 12,1 Prozent Erfolgsquote das viertschlechteste Powerplay der Liga. Auch die San Jose Sharks (61 Schüsse), St. Louis Blues, Philadelphia Flyers (beide 60) und Buffalo Sabres (57) bringen in Überzahl viele Scheiben zum Tor. Doch weder San Jose (20,6 Prozent, 16.) noch St. Louis (27,9 Prozent, 8.) noch Philadelphia und Buffalo (beide 17,6 Prozent, 20.) schaffen es in der Powerplay-Wertung ganz nach vorne.

 

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Zum Vergleich: Die besten Überzahl-Teams schossen weniger: Die Capitals kommen auf 41 Schüsse (19.), die Maple Leafs gar nur auf 35 (24.).

Ist im Powerplay also weniger mehr? Am seltensten schossen im Powerplay die Pittsburgh Penguins (18 Schüsse, 31.), Minnesota Wild (25, 30.), Edmonton Oilers (29, 29.) und New Jersey Devils (30, 28.) ab. Mit Ausnahme von Minnesota (13,6 Prozent, 23.) haben alle drei Teams ein gutes Überzahlspiel: Pittsburgh mit 27,8 Prozent (8.), Edmonton mit 30,4 (5.) und New Jersey mit 28,6 Prozent (7.).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nicht jeder Schuss ein guter Schuss ist. Viele Mannschaften fahren besser damit, Puck und Gegner so lange laufen zu lassen, bis sich eine vielversprechende Lücke auftut.

Effizienz ist Trumpf

Der Auftrag der Stürmer ist es dann, die Scheibe auch im Tor unterzubringen. Auch hier spielt Effizienz eine große Rolle. Bei den individuellen Schützen liegen New-York-Rangers-Stürmer Mika Zibanejad (18 Schüsse), Dallas-Stars-Center Tyler Seguin, Philadelphias Shayne Gostisbehere sowie Washingtons Alex Ovechkin (alle je 16 Schüsse) ganz vorne in dieser Statistik. Während Gostisbehere und Seguin je einmal trafen (je 6,25 Prozent Effizienz), kommt Zibanejad auf zwei Tore (11,1 Prozent) und Ovechkin auf vier Treffer (25,0 Prozent).

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Durch eine gnadenlose Effizienz (bei mindestens vier Powerplay-Toren) bestechen überdies Torontos Auston Matthews mit 57,1 Prozent (vier Tore, sieben Schüsse), Washingtons Evgeny Kuznetsov mit 50 Prozent (fünf Tore, zehn Schüsse), Edmontons Connor McDavid mit 50 Prozent (vier Tore, acht Schüsse) und New Jerseys Kyle Palmieri mit 40 Prozent (vier Tore, zehn Schüsse).

Dass alle vier genannten Torjäger bei vier der sieben besten Powerplay-Teams in der NHL spielen, spricht für sich.

Musterbeispiel Washington

Das beste Überzahlspiel haben die Capitals - genauso wie die besten Überzahl-Spieler: Kuznetsov ist der beste PP-Schütze (fünf Tore), John Carlson der beste PP-Vorbereiter (sieben Assists). Zudem stellt Washington mit Nicklas Backstrom (acht Punkte), Carlson (acht), Ovechkin (sieben) und Kuznetsov (sieben) vier der fünf besten PP-Scorer (mit McDavid, sieben).

Doch was macht das Powerplay der Caps so gefährlich? Die Hauptstädter stellen sich in einer Schirm-Formation (engl.: "Umbrella") auf. Carlsson gibt den Quarterback zentral an der blauen Linie. Rechtsschütze Ovechkin agiert am linken Bullykreis, Linksschütze Kuznetsov gegenüber auf rechts. T.J. Oshie und Backstrom agieren nah am Tor, lassen sich abwechselnd und je nach Spielsituation hinter das Tor fallen, stechen in den Slot oder nehmen die Sicht des gegnerischen Torwarts.

Video: WSH@VAN: Ovechkin trifft, Backstrom mit 600. Assist

"Unser Powerplay ist gut auf die Hände und die Fähigkeiten unserer Spieler abgestimmt, also haben wir viele Optionen", berichtet Capitals-Verteidiger Matt Niskanen. "Unsere Jungs sind gut darin, freie Spieler zu finden. Es ist ziemlich tödlich." Eben auch weil die Fähigkeiten der einzelnen Spieler perfekt auf die Position passt: Oshie als Techniker mit feinen Händen, Backstrom als genialer Passgeber mit dem wohl besten Saucer-Pass der Liga, Kuznetsov mit Präzision und Finesse sowie "Libero" Carlson als genialer Spielmacher mit hartem Schuss. Und da wäre noch Ovechkin, der meist am Ende der Powerplay-Kombinationskette steht und den Puck auf unnachahmliche Art und Weise mit fulminanten Direktabnahmen ins Tor schweißt.

Diesen Signature Move kennt mittlerweile jede Mannschaft in der NHL - und trotzdem ist Ovechkins Laserstrahl kaum zu verteidigen. Oshie erklärt, warum: "Wenn du Ovechkin komplett aus dem Spiel nehmen möchtest, dann stehen andere Spieler frei und sie sind gut genug, um dann auch zu treffen. Oder würdest du T.J. Oshie im Slot freistehen lassen, um Ovi zu decken?" Ähnlich sieht es auch Ovechkin selbst: "Wenn wir so spielen, weiß niemand, wer von uns den Schuss nehmen wird. Wenn Backstrom und Kuznetsov am Puck sind, dann finden sie dich zur rechten Zeit am rechten Ort. Dasselbe gilt für Carlson."

 

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Powerplay als Erfolgsgarant

Ein gutes Powerplay ist also eine tödliche Waffe und definitiv ein Weg zum Erfolg: Washington erzielte 35,3 Prozent seiner Tore im Powerplay (12 von 34), bei Toronto sind es 26,5 Prozent (neun von 34). Beide Klubs stellen gemeinsam die besten Offensiven in der NHL und sind voll auf Playoff-Kurs.

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