Nach zwei Niederlagen in drei Tagen platzte der Knoten bei den Ottawa Senators. Am Sonntag schlugen sie zu Hause im Canadian Tire Centre die Vegas Golden Knights klar mit 7:1. Die Senators lieferten über 60 Minuten eine überzeugende Mannschaftsleistung, von Torwart Mads Sogaard (19 Saves), über Rookie Stephen Halliday (zwei Tore, ein Assist) bis zu Kapitän Brady Tkachuk (drei Assists).

„Mir hat gefallen, dass wir von Anfang an bereit waren“, freute sich Trainer Travis Green. „Wir haben gegen ein gutes Team gespielt und ich fand gut, dass unsere Mannschaft an sich geglaubt hat. Wir wissen, dass wir mit jedem Team der Liga mithalten können.“

Tragischer Held Halliday

Ein besonders starkes Spiel hatte Stephen Halliday, der seine erste Saison in der NHL erlebt. In der zehnten Minute behauptete er den Puck tief im gegnerischen Drittel und bediente Fabian Zetterlund, der das 1:0 erzielte.

Im zweiten Drittel traf Halliday selbst auf Vorlage von Tim Stützle zum 4:0 (38.). Stützle verzeichnete dabei seinen 30. Assist der Saison. In der 43. Minute fälschte Halliday einen Schuss von Tkachuk zum 6:0 ab und sammelte sein zweites Tor und seinen dritten Punkt des Spiels. Der letzte Rookie, dem für die Senators drei Punkte in einem Spiel gelangen, war Stützle in der Saison 2020/21 mit einem Hattrick.

„Man braucht immer einen Spieler oder zwei, wenn man Glück hat, die nachrücken und dem Team helfen zu gewinnen“, kommentierte Green die Leistung des Rookies. „Das macht er hervorragend.“

Die Freude über Hallidays beeindruckenden Auftritt erhielt aber einen gewaltigen Dämpfer, nicht lange nach seinem zweiten Treffer. In der 48. Minute fuhr Tomas Hertl an der Bande einen Check gegen ihn und Halliday schlug am Ende der Spielerbank der Golden Knights mit dem Kopf ins Plexiglas ein. Der 23-jährige verließ die Partie vorzeitig und kehrte nicht zurück. Über seinen Gesundheitszustand ist noch nichts näheres bekannt.

VGK@OTT: Halliday trifft vom Kreis zum 4:0

Senators schießen sich den Frust von der Seele

Die Senators holten vom 13. bis 20. Januar in fünf Spielen in Folge Punkte (3-0-2), verloren zuletzt aber zwei Mal innerhalb von drei Tagen in regulärer Spielzeit, ein 3:5 gegen die Nashville Predators und ein 1:4 gegen die Carolina Hurricanes. Der sonst so explosive Angriff strauchelte in diesem Monat immer wieder. Vor der Partie gegen die Golden Knights hatte Ottawa in sechs von 13 Spielen im Januar höchstens zwei Tore erzielt. Insgesamt liegen sie mit einem Schnitt von 3,29 Toren pro Spiel auf Platz zehn der NHL.

Vegas bekam am Sonntag zu spüren, zu was die Offensive der Senators fähig ist. Neben Zetterlund und Halliday trafen auch Jordan Spence (27.), Nick Jensen (44.) und Doppeltorschütze Dylan Cozens (26., 42.). Besonders die drei Treffer innerhalb der ersten vier Minuten des Schlussabschnitts waren eine Machtdemonstration.

„Unser ganzes Team hat über die vollen 60 Minuten wirklich gut gespielt“, lobte Cozens. „Wir wussten, dass wir heute gewinnen müssen. Wir haben in letzter Zeit oft gut gespielt und dann nicht gewonnen. Am Ende ist es egal, wie viele gute Spiele du lieferst, du musst sie auch gewinnen.“

Starker Auftritt in allen Bereichen

Der Angriff war aber nicht die einzige Qualität der Senators. Sie dominierten das Spielgeschehen, hatten viel Puckbesitz und ließen nur 20 Torschüsse zu. Mit 34:20 Checks und 19:16 geblockten Torschüssen, zeigten sie zudem auch deutlich mehr Einsatz und körperliche Präsenz.

„Heute haben einfach alle gut gespielt“, schwärmte Tkachuk. „Jeder war fest entschlossen zu gewinnen und wir haben Sogaard im Tore gut unterstützt. Er hatte auch einige wichtige Saves.“

Ottawa steht mit 55 Punkten aus 52 Spielen (24-21-7) auf dem vorletzten Platz der Eastern Conference. Mit dem Sieg halten sie aber den Anschluss im Rennen um die Plätze in den Stanley Cup Playoffs. Die Boston Bruins, die den zweiten Wildcard-Platz belegen, sind nur sieben Punkte vor ihnen.

VGK@OTT: Cozens erzielt das zweite Tor im Spiel

Sogaard bietet stabilen Rückhalt

Die Torwartposition ist in dieser Saison ein Problem für Ottawa. Bisher kamen mit Linus Ullmark, Leevi Merilainen, James Reimer, Hunter Shepard und Sogaard fünf verschiedene Torhüter zum Einsatz. Gemeinsam kommen sie auf eine Fangquote von 86,6 Prozent, was der mit Abstand schlechteste Wert der Liga ist.

Auch Sogaard hatte einen Fehlstart in die Saison. In seinem einzigen anderen Auftritt für Ottawa in dieser Saison kassierte er am 8. Januar fünf Gegentore bei 16 Torschüssen. Den Großteil der Saison verbrachte er, wie in den vergangenen Jahren, in der American Hockey League bei den Belleville Senators.

„Das war ein langer Weg zurück hierher“, sagte Sogaard. „Aber hier auf dem Eis zu sein und zu sehen, wie hart die Jungs für mich gearbeitet haben, war wirklich etwas Besonderes. An dieses Spiel werde ich mich lange erinnern.“

Genau wie für die Senators, war es auch für Sogaard das beste Spiel seit Langem. Er musste sich lediglich ein Mal Rasmus Andersson geschlagen geben (56.). Sollte er zu seiner Form finden, könnte er zu einem wichtigen Faktor für Ottawa werden.

„Er war großartig“, lobte auch Green. „Ich freue mich für ihn. Es war hart für ihn und man freut sich immer für Spieler, die sich durchbeißen, auf ihre Chance warten und dann gut spielen.“

Enttäuschende Woche für Vegas

Während die Senators ihren Kantersieg feierten, schwankten die Golden Knights irgendwo zwischen Enttäuschung, Wut und Fassungslosigkeit.

„Das sah aus, als würde ein NHL-Team gegen eine Nachwuchsmannschaft spielen“, machte Stürmer Mark Stone, der zum ersten Mal in 15 Spielen nicht gepunktet hatte, seiner Wut Luft. „Das waren nicht wir. Einige Dinge werden wir einfach abhaken und vergessen, aber man kann nicht alles einfach streichen, weil das nicht die Erwartungshaltung werden darf.“

Vegas steht mit 62 Punkten aus 51 Spielen (25-14-12) auf dem ersten Platz der Pacific Division und gewann von 6. bis 17. Januar sieben Spiele in Folge. Seitdem war das Spiel gegen Ottawa aber die dritte Niederlage in vier Spielen.

„Mir hat unser Einsatz nicht gefallen, wir haben am Anfang kein Laufduell gewonnen“, bemängelte Trainer Bruce Cassidy. „Normalerweise kommt dann ein Aufbäumen vom Team, aber das kam auch nicht. Über dieses Spiel werden wir ein ernstes Gespräch führen müssen.“

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