Die Scheinwerfer waren an diesem Abend in der Scotiabank Arena nur auf einen Mann gerichtet. Mitch Marner kehrte erstmals seit dem Blockbuster-Trade am 1. Juli 2025 nach Toronto zurück. Neun Jahre lang trug er das Trikot mit dem Ahornblatt, sammelte 741 Punkte in 657 Spielen und prägte eine Ära der Maple Leafs. Doch als die Sirene ertönte, stand nicht seine persönliche Statistik im Vordergrund. Marner blieb ohne Tor und Vorlage, verzeichnete nur einen Torschuss in 17:25 Minuten Eiszeit und verließ das Eis dennoch als Gewinner. Die Vegas Golden Knights besiegten die Toronto Maple Leafs mit 6:3 und sorgten dafür, dass Marners Rückkehr als Erfolg in den Büchern steht.

Es war ein Abend der gemischten Gefühle, der zeigte, dass im Eishockey die Geschichten oft anders geschrieben werden, als es das Drehbuch der Öffentlichkeit vorsieht. Während die Kameras jede Bewegung der Nummer 16 einfingen, lieferten seine Teamkollegen die sportlichen Argumente und sicherten zwei wichtige Punkte in der Tabelle.

Ein seltsames Gefühl in der alten Heimat

Für Marner begann der Tag mit einer ungewohnten Routine in einer vertrauten Umgebung. Das Warm-up, der Blick auf die Ränge, die Atmosphäre in der Halle – all das löste beim Stürmer Emotionen aus, die schwer greifbar waren. „Es war wirklich erst beim Aufwärmen, wo es sich seltsam und komisch anfühlte“, gestand Marner nach dem Spiel. „Es war ein etwas merkwürdiger Tag, aber ich bin glücklich, die zwei Punkte mitzunehmen.“

Die Erleichterung war ihm deutlich anzumerken. Der mediale Druck im Vorfeld war immens, die Erwartungshaltung der Fans in Toronto wie gewohnt riesig. Marner, der in der ewigen Bestenliste der Maple Leafs bei den Assists auf Rang vier (520) und bei den Punkten auf Rang sechs liegt, wirkte befreit, als das Spiel beendet war. „Ja, absolut, definitiv, ehrlich gesagt“, antwortete er auf die Frage, ob er froh sei, dass es vorbei ist. „Ich muss nicht mehr darüber reden und ich bin sicher, sie [das Team der Maple Leafs] sind auch erleichtert, nicht mehr darüber sprechen zu müssen.“ Der Fokus kann nun wieder auf dem liegen, was auf dem Eis passiert und dort bewies Marner trotz fehlender Scorerpunkte seinen Wert durch defensive Arbeit und Präsenz.

Einer von uns“ – Das Team spielt für Marner

Dass dieser Abend für die Golden Knights mehr war als nur ein weiteres Auswärtsspiel im Januar, machte Mark Stone deutlich. Die Mannschaft war sich der Bedeutung für ihren Mitspieler bewusst und nutzte die emotionale Aufladung als Treibstoff. Zudem galt es, eine Reaktion auf die schwache Leistung am Vorabend in Boston zu zeigen, wo das Team laut Stone einen „Stinker“ abgeliefert hatte (3:4-Niederlage).

„Er ist einer von uns“, betonte Stone den Zusammenhalt in der Kabine. „Wir spielen füreinander, das haben wir immer getan und werden wir immer tun. Das ist das Motto unserer Umkleide, also wollten wir definitiv für ihn gewinnen.“ Die Golden Knights wollten nicht zulassen, dass Marners Rückkehr von einer Niederlage überschattet wird. Gleichzeitig ging es darum, Rasmus Andersson einen gelungenen Einstand zu ermöglichen. „Wir wussten, wie viel das [Marner] bedeutete“, fügte Stone an.

VGK@TOR: Marner wird bei Rückkehr nach Toronto von Fans gefeiert

Stone und Eichel stehlen die Show

Während Marner die emotionale Hauptfigur war, übernahmen Stone und Jack Eichel die sportliche Regie. Die Top-Reihe der Golden Knights dominierte das Geschehen nach Belieben. Stone glänzte mit zwei Toren und einer Vorlage und baute seine beeindruckende Punkteserie auf 14 Spiele aus (zehn Tore, elf Assists).

Auch Eichel präsentierte sich in Bestform. Er erzielte den Führungstreffer zum 1:0 bereits nach 66 Sekunden, nachdem er von Stone perfekt bedient worden war, und verlängerte seine eigene Punkteserie auf elf Partien. Die Wucht, mit der Vegas startete, überrumpelte die Hausherren. Keegan Kolesar erhöhte noch im ersten Drittel auf 2:0. Es war die Art und Weise, wie die Golden Knights auftraten, die beeindruckte.

Ein geglücktes Debüt

Neben der Rückkehr von Marner gab es eine weitere Personalie, die für Aufsehen sorgte. Andersson feierte sein Debüt im Trikot der Golden Knights. Der Verteidiger, der erst am Sonntag von den Calgary Flames akquiriert wurde, musste aufgrund von Visa-Problemen verspätet zum Team stoßen. Ohne großes Training wurde er direkt ins kalte Wasser geworfen und schwamm sich sofort frei. Andersson stand 21:34 Minuten auf dem Eis und steuerte einen Assist bei.

Trainer Bruce Cassidy zeigte sich voll des Lobes für den Neuzugang. „Ein guter Puck-Mover, immer bereit und sehr bestimmt in seiner Entscheidungsfindung“, analysierte der Coach. Cassidy zog sogar einen Vergleich zu einem der wichtigsten Spieler im Kader: „Am Ende des Spiels kann man ein bisschen von diesem ‚Money-Player‘-Typ wie Alex Pietrangelo sehen. Wenn das Spiel auf der Kippe steht, wird er einen Weg finden, einen Schuss zu blocken oder den richtigen Pass zu spielen.“ Andersson fügte sich nahtlos in die Defensive ein, die trotz dreier Gegentore stabil wirkte.

VGK@TOR: Barbashev bereitet Stones Tor zur Führung vor

Torontos Suche nach den 60 Minuten

Auf der anderen Seite herrschte Ernüchterung. Die Maple Leafs, die nun nur eines ihrer letzten sechs Spiele gewinnen konnten (1-3-2), verschliefen den Start komplett. Zwar kämpfte sich Toronto nach einem 1:4-Rückstand durch Treffer von Scott Laughton und Bobby McMann noch einmal auf 3:4 heran, doch der letzte Schritt fehlte. Trainer Craig Berube fand nach der Partie deutliche Worte für den fehlenden „Push“ im Schlussdrittel.

„Das stört mich mehr als alles andere“, kritisierte Berube. „Wir haben das Momentum und es sieht nicht so aus, als hätten wir es in das dritte Drittel mitgenommen. Dieses Team hat gestern Abend in Boston gespielt und wir haben die Möglichkeit, sie im dritten Drittel wirklich unter Druck zu setzen.“

Stattdessen war es Stone, der mit seinem 250. NHL-Tor bei einem Zwei-Auf-Eins-Konter das 5:3 erzielte und kurz vor Schluss mit einem Treffer ins leere Tor den Endstand besorgte. Für Toronto bleibt die Erkenntnis, dass gute Phasen gegen ein Spitzenteam wie Vegas nicht reichen. „Es waren einfach keine 60 Minuten von uns“, resümierte John Tavares treffend.

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