Vor gut 20 Jahren weckten die ersten jungen deutschen Schlussleute auch das verstärkte Interesse der NHL. Von 1993 bis 2003 wurden mit Marc Seliger (WAS, 1993, Nr. 251), Kai Fischer (WAS, 1996, Nr. 160), Robert Müller (WAS, 2001, Nr. 275), dem in Kasachstan geborenen Dimitri Pätzold (SJS, 2001, Nr. 107) und Patrick Ehelechner (SJS, 2003, Nr. 193) gleich fünf von ihnen gedraftet. Die Washington Capitals und San Jose Sharks hatten ein besonderes Augenmerk auf deutsche Torhüter geworfen, doch nur Pätzold sollte in der Saison 2007/08 zu drei Einsätzen in der besten Eishockeyliga der Welt kommen.
Ein Jahr nachdem sie Pätzold gezogen hatten, entschieden sich die Sharks beim NHL-Draft 2004 in der dritten Runde an Position 94 erneut für einen deutschen Nachwuchstorhüter - sein Name Thomas Greiss. Im Alter von 20 Jahren gab Greiss am 13. Januar 2008 in einer Partie gegen die Anaheim Ducks sein NHL-Debüt. Es war der Anfang einer NHL-Karriere, die exemplarisch dafür ist, was man mit Geduld, Ausdauer und harter Arbeit alles erreichen kann. Greiss eilte lange Zeit der Ruf voraus ein typischer Backup-Goalie zu sein. In San Jose war er die Nummer 2 hinter Evgeni Nabokov und Antti Niemi, bei den Phoenix/Arizona Coyotes galt er immer als Ersatzmann von Mike Smith - obwohl der Füssener am Saisonende sogar einen besseren Gegentrefferschnitt (2,29) und eine höhere Fangquote (92,0%) als der Kanadier ausweisen konnte.
Im Sommer 2014 unterschrieb Greiss als Unrestricted Free Agent einen Einjahresvertrag bei den Pittsburgh Penguins, wohlwissentlich, dass es schwer sein würde an Marc-Andre Fleury vorbeizuziehen. Greiss kam zu 20 Saisoneinsätzen im Trikot der Penguins. Nachdem sein Kontrakt bei den Penguins ausgelaufen war, konnte er sich als Unrestricted Free Agent mit den New York Islanders auf einen 2-Jahres Vertrag einigen, was sich letztendlich, durch die Vertragsverlängerung am Montag, als Win-Win Situation für beide Vertragspartner herausstellen sollte.
"Du weißt ja nie was dabei rauskommt. Doch es schaut doch so aus, als sei die Zusammenarbeit für beide Seiten zufriedenstellend. Ich liebe es hier zu spielen und ich war hier erfolgreich. Ich glaube damit ist jeder zufrieden", sagte Greiss am Dienstag.
Zum Zeitpunkt seiner ersten Vertragsunterzeichnung bei den Islanders hatten nur wenige geglaubt, dass der stets besonnene Allgäuer, an dem nur ein knappes Jahr älteren Slowaken Jaroslav Halak, der auf eine Erfahrung von 331 NHL-Partien zurückblicken konnte, vorbeiziehen könnte. Es war kein Zufall, es lag auch nicht an der Verletzung von Halak in der Saison 2015/16 - wie es immer noch in der nordamerikanischen Sportpresse zu lesen ist - dass Greiss an Halak vorbeizog. Nein, Greiss war schon vorher der zuverlässigere Torhüter gewesen. Die Beharrlichkeit mit der er tagtäglich daran arbeitete sein Spiel zu verbessern war hierfür verantwortlich.
Er gab immer wieder zu, dass ihn auch Selbstzweifel während seines sportlichen Werdegangs plagten, doch er blieb immer zuversichtlich: "Du musst an dich selbst glauben, sonst kommst du in dieser Liga nicht weit. Es muss dir Spaß bereiten, du musst dein Bestes geben und dann siehst du schon wo du am Ende landest."