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Besser spät als nie! Gregory Hofmann gab kurzlich im Alter von fast 29 Jahren sein Debüt in der NHL für die Columbus Blue Jackets. Dabei wurde er bereits vor zehn Jahren von den Carolina Hurricanes gedraftet, entschied sich damals allerdings zunächst für eine Karriere in der Schweiz.
Im Gespräch mit NHL.com/de erzählt der Center von seinem Werdegang und seinen ersten Erfahrungen in der NHL.

Hallo Gregory, wie fühlt es sich an, nun ein NHL-Spieler zu sein?
Bis jetzt sehr gut. Mit dem Trainingscamp und dem Saisonstart ist alles gut gegangen. Ich habe meine Eiszeit gehabt. Wir hatten bereits drei Siege und haben einmal gegen Detroit verloren. Aber es läuft gut, wir verbessern uns. Ich muss mich auch weiter steigern. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich an die Arena komme und hier spiele. Es macht sehr viel Spaß.
Dein erstes Saisonspiel endete mit einem spektakulären 8:2 gegen die Arizona Coyotes. War das der perfekte Einstieg?
Ich muss ehrlich sagen, ich war vor dem Spiel nervös. Das ist ja auch klar. Es war viele Jahre mein Traum, in der NHL zu spielen. Dann war der Moment gekommen. Ein Sieg ist natürlich immer am besten. Aber es ist nur ein erster Schritt, ein NHL-Spieler zu sein. Und es ist noch einmal ein anderer Schritt, jeden Abend konstant zu spielen.
Ihr habt nun drei der ersten vier Spiele gewonnen, zuletzt gegen die New York Islanders in der Verlängerung. Wie stark sind die Blue Jackets in dieser Saison einzuschätzen?
Ich weiß, dass uns jeden Abend gegen jeden Gegner ein harter Kampf erwartet. Wir müssen unsere beste Leistung bringen, um unser Spiel zu gewinnen. Genauso wie gegen die Islanders, die eine sehr gute Mannschafft haben. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, in der Overtime gewonnen und die zwei Punkte geholt. Wir müssen probieren, jeden Tag als Mannschaft einen Schritt vorwärts zu machen.

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Was fiel dir bei der Umstellung vom europäischen Eishockey auf die NHL am schwierigsten?
Die kleinere Eisfläche, ganz klar. Man hat weniger Zeit mit dem Puck. Ich habe auch weniger Eiszeit. Aber ich glaube, das läuft jeden Tag besser. Ich lerne so schnell wie möglich auf dem kleineren Feld und versuche, mich jeden Abend ins Spiel zu bringen. Als ich hierherkam, habe ich gewusst, dass das nicht einfach wird. Aber ich freue mich extrem auf die weiteren NHL-Spiele mit dieser Mannschaft.
Arno Del Curto, dein ehemaliger Trainer und Förderer beim HC Davos, hat gesagt, du könntest auch in der NHL ein Star-Spieler sein. Würdest du ihm zustimmen?
Das ist sehr sympathisch vom Arno. Er war ein sehr guter Trainer für mich, als ich damals 18 Jahre alt gewesen bin. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Man wird sehen, was in meiner Karriere noch passiert. Das ist schwierig zu sagen. Ich habe bis jetzt erst vier Spiele gemacht. Ich glaube, das ist ein Prozess. Ich versuche das, was ich in der Schweiz gemacht habe, auf den amerikanischen Stil zu übertragen.
Du wurdest bereits im Jahre 2011 von den Hurricanes gedraftet, hast Dich damals allerdings für einen Verbleib in der Schweiz entschieden. Was war der Grund dafür?
Ich bin damals zwei Mal im Trainingscamp von Carolina gewesen. Sie haben mir damals nach zwei, drei Wochen gesagt, dass ich es nicht in das NHL-Team schaffen würde. Ich konnte entscheiden, ob ich in der AHL spielen oder in die Schweiz zurückkehren möchte. In der Schweiz konnte ich eine gute Rolle spielen und viele Minuten Eiszeit bekommen, sodass ich mein Spiel verbessere. Daher habe ich entschieden, das zu machen. Die Schweiz hat eine super Liga mit sehr vielen guten Spielern.

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War der Wunsch, es trotzdem noch einmal in der NHL zu versuchen, über all die Jahre weiterhin präsent?
Ja. Ich wusste, dass ist jetzt meine letzte Chance, es in diesem Jahr zu probieren. Eine große Sache ist für mich, dass ich nach der Karriere nichts Bedauern muss. Ich wollte mir nicht sagen müssen, ich bin gut in der Schweiz gewesen, aber ich habe es nie in der NHL probiert. Ich wollte es jetzt noch einmal probieren und sehen, was in dieser Saison passiert. Mit dieser Entscheidung bin ich sehr glücklich.
Was gab den Ausschlag, dass der Kontakt zu den Columbus Blue Jackets entstand und du dorthin gewechselt bist?
Das begann alles im Februar, als Columbus meine NHL-Rechte von Carolina übernommen hat. Ich habe mit Rick Nash (Director of Player Development der Blue Jackets, Anm.d.Red.) in der Schweiz in der Saison 2012/13 beim HC Davos zusammengespielt. Ich war mit ihm noch immer im Kontakt. Sicherlich hat er zum Jarmo (Kekäläinen, General Manager, Anm.d.Red.) auch ein paar Worte gesagt. Dadurch hatte ich dann auch Kontakt zu Jarmo. Ich musste entscheiden, ob ich hierherkommen oder in der Schweiz bleiben möchte. Ich habe gesehen, dass Columbus mich haben will. Also habe ich mir gesagt, ich probiere es.
Wie hast Du die Saisonvorbereitung erlebt und wie sicher warst du dir, im endgütigen Kader zu stehen?
Im Trainingscamp wollen sehr viele Spieler einen Platz im Kader bekommen. Man muss jeden Tag hart arbeiten. Man muss auch zeigen, dass man seine Rolle akzeptiert und sich verbessern möchte. Letztendlich treffen der Trainer und der gesamte Staff die Entscheidung. Ich bin zufrieden, dass ich in der Mannschaft bin und meine Rolle habe. Natürlich gab es auch Unsicherheiten, wenn man zehn Jahre in der Schweiz gespielt hat und nach Amerika kommt. Aber andererseits habe ich in meiner Karriere schon so viel erlebt. Ich versuche das Beste und bin genau in der richtigen Position.
Noch eine Frage fernab der Eisfläche: Wie gut hast du dich in Columbus eingelebt?
Sehr gut. Ich sehe hier jeden Tag neue Sachen. Das ist eine schöne Stadt. Und ich freue mich jeden Morgen extrem, wenn ich zum Training zur Arena komme, die Jungs sehe und weiß, ich spiele jetzt in der NHL und habe das Ziel erreicht.