Während in der NHL die reguläre Saison 2019/20 seit dem 12. März aufgrund der Bedenken im Zusammenhang mit dem Coronavirus pausiert, liefert NHL.com/de weiterhin eigene Storys. Heute: Was wäre passiert, wenn… - in dieser Serie spekulieren wir darüber, was geschehen wäre, wenn es wichtige Ereignisse in der NHL-Geschichte so nicht gegeben hätte.

Verletzungen gehören zum Sport wie Punkte und Tore. Einen der ganz Großen im Eishockey hat es während seiner Karriere allerdings sehr hart getroffen: Mario Lemieux. Wie viele Scorerpunkte hätte "Le Magnifique" wohl gemacht, wenn er halbwegs störungsfrei durch seine NHL-Laufbahn gekommen wäre? Hätte er sogar an Wayne Gretzkys Zahlen herankommen können? Und: Wie viele Stanley Cups hätten die Pittsburgh Penguins geholt, wenn er dem Team konstant zur Verfügung gestanden hätte?
Mario Lemieux, geboren am 5. Oktober 1965, war der Top-Pick im NHL Entry Draft 1984. Die Penguins hatten in der Saison davor 17 der letzten 21 Spiele verloren und hatten es damit noch "geschafft", hinter den New Jersey Devils zu landen. Natürlich gefiel das den Devils nicht. Auch sie hatten auf Lemieux im Draft spekuliert. Sie mussten sich am Ende mit Kirk Muller "zufrieden geben". Die NHL Draft Lottery um die besten Draft-Plätze gab es damals noch nicht und wurde gerade wegen solchen taktischen Spielchen im Jahr 1995 eingeführt.

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Der Start von Lemieux war äußerst vielversprechend. Sein Debüt in der NHL feierte der Center am 11. Oktober 1984 gegen die Boston Bruins. Natürlich sicherte er sich am Ende der Spielzeit die Calder Trophy als bester Rookie. Und gleich beim ersten Wechsel gelang ihm mit seinem ersten Schuss ein Tor. Unterm Strich standen in 915 NHL-Spielen 690 Tore, 1033 Assists und 1723 Scorerpunkte. In den Playoffs kamen noch mal 76 Tore und 96 Assists (172 Punkte) dazu. Zweimal gewann Lemieux mit seinen Penguins den Stanley Cup 1990/91 und 91/92. Sechsmal wurde er mit der Art Ross Trophy als bester Scorer in der NHL ausgezeichnet, dreimal gewann er die Hart Trophy als wertvollster Spieler. Zehnmal knackte er die Marke von 100 Scorerpunkten in einer Saison.
Doch schaut man sich seine Karriere an, fällt auf, dass Lemieux nie 82 Spiele in einer Saison absolviert hatte. 79 waren es 1985/86 - das sollte auch seine Bestmarke bleiben. Dass er zehn oder gar 20 Spiele verpasste, war keine Seltenheit. Dass er trotzdem so oft bester Scorer der Liga wurde, sagt viel über seine einzigartigen Fähigkeiten aus.
Es brauchte allerdings etwas Anlauf, bis die Penguins das Team um den Superstar herum aufgebaut hatten. In den ersten sechs Jahren mit Lemieux schafften die Penguins nur einmal den Einzug in die Playoffs. 90/91 und 91/92 hatten sie allerdings alle Puzzleteile zusammen. Um Lemieux hatten sich Asse wie Kevin Stevens, Jaromir Jagr, Mark Recchi, Paul Coffey und Larry Murphy versammelt.
Und in dieser Schlagzahl hätte es eigentlich weitergehen können. Doch am 12. Januar 1993 der Schock: Lemieux gibt bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist. Hodgkin-Lymphom lautet die Diagnose. Strahlentherapie, zwei Monate Pause. Lemieux kommt zwar zurück, doch die Penguins scheiden in der zweiten Playoff-Runde gegen die New York Islanders aus.
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Ende August 1994 gibt Lemieux bekannt, dass er die Saison 1994/95 aussetzen will - der Rücken spielt nicht mit. Die Penguins kommen mit Spielern wie Jagr, Ron Francis, Luc Robitaille, Murphy, Stevens und Ulf Samuelsson zwar in die Playoffs, doch wieder ist in der zweiten Runde Endstation. Bis zur Saison 1996/97 geht das in etwa in diesem Rhythmus weiter. Die Penguins sind zwar ein Playoff-Team, haben aber kein Champion-Format mehr. Auch, weil ihr bester Spieler nicht konstant zur Verfügung steht.
Nach der Spielzeit 1996/97 erklärt Lemieux seinen Rücktritt. Zu dem Zeitpunkt hätte er 1020 Spiele absolviert haben können. 745 waren es am Ende. Mit einem gesunden Lemieux hätten die Penguins mehr erreichen können. Ja, alleine schon in die Playoffs der NHL einzuziehen, ist eine gute Leistung. Und für den Titel muss wirklich alles passen.
Aber die Penguins hatten in den 90er-Jahren ein ausgezeichnetes Team zusammen. Jagr war damals gerade Anfang 20 und hatte noch seine gesamte NHL-Karriere vor sich. Der ebenfalls noch junge Petr Nedved hatte zwei sehr gute Jahre in Pittsburgh. Mit Ron Francis hatten die Penguins einen erfahrenen Haudegen auf der Centerposition. Wie gut die Mannschaft war, lässt sich daran ablesen, dass sie es auch in Abwesenheit des Meisters immer in die Playoffs geschafft hat. Mit Lemieux wäre es aber sicher weiter gegangen, als die erste oder zweite Runde. Er war ein Spieler, der mit seinen individuellen Fähigkeiten den Unterschied gemacht hat.
Am 27. Dezember 2000 feiert Lemieux sein Comeback. 35 Lenze hat er da schon auf dem Buckel. Und doch scheint er in sehr guter körperlicher Verfassung. Nach fast vier Jahren Pause gelingen ihm gegen die Toronto Maple Leafs im ersten Spiel gleich ein Tor und zwei Vorlagen. Endstation ist erst im Eastern Conference Finale gegen die New Jersey Devils. Doch wer gehofft hatte, dass es in dieser Art für die Penguins und vor allem mit ihrer Ikone weitergehen würde, sah sich getäuscht.

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Eine Hüftverletzung limitiert die Nummer 66 der Penguins auf 24 Partien in der darauffolgenden Spielzeit. Im Jahr danach sah es zwar wieder relativ gut aus, doch in der Saison darauf war nach zehn Spielen und einer Hüftverletzung Schluss. Nach dem Lockout 04/05 versucht es Lemieux noch mal, muss aber einsehen, dass in der "neuen" NHL für ihn kein Platz mehr ist. Ein gewisser Sidney Crosby hatte da schon das Steuer in der Stahlstadt übernommen.
Die Karriere von Lemieux ist sicherlich eine große. Er ist zurecht in der Hall of Fame, unter seinem Namen könnten aber ganz andere Statistiken stehen, wenn er gesund geblieben wäre. Seine 1723 Scorerpunkte bedeuten für ihn Platz acht in der ewigen Bestenliste. Es ist keine gewagte These, dass er, wenn der Körper mitgespielt hätte, mindestens auf Platz zwei wäre. Da steht sein alter Teamkollege Jagr mit 1921 Punkten.
Ob er Wayne Gretzky (2857) noch eingeholt hätte, sei mal dahingestellt. Es wären dann allerdings die richtigen beiden Spieler an der Spitze der ewigen Bestenliste bei den Scorern. Und auch in Sachen Stanley Cup hätten die Penguins mindestens noch einmal jubeln dürfen, wenn ihr Superstar gesund geblieben wäre. Wenn nicht sogar öfter.