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Während in der NHL die reguläre Saison 2019/20 seit dem 12. März aufgrund der Bedenken im Zusammenhang mit dem Coronavirus pausiert, liefert NHL.com/de weiterhin eigene Storys. Heute: Was wäre passiert, wenn… - in dieser Serie spekulieren wir darüber, was geschehen wäre, wenn es wichtige Ereignisse in der NHL-Geschichte so nicht gegeben hätte.

Der 9. August 1988 brachte die Eishockeywelt zum Beben: Wayne Gretzky, bis dahin untrennbar mit den Edmonton Oilers verbunden, wurde zu den Los Angeles Kings getradet. Mit ihm wechselten auch Verteidiger Marty McSorley und Stürmer Mike Krushelnyski ins sonnige Kalifornien. Die Oilers bekamen im Gegenzug Angreifer Martin Gelinas und die Erstrunden-Draftpicks der Kings in den Jahren 1989, 1991 und 1993 sowie 15 Millionen US-Dollar.

Der Trade sorgte dafür, dass die Kings in der NHL wahrgenommen wurden. Das Franchise, gegründet 1966 und seit der Saison 1967/68 in der NHL, hatte über die Jahre in der Liga nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet. Die Oilers dagegen hatten bis zum Ende der Spielzeit 1987/88 viermal den Stanley Cup gewonnen - mit Gretzky und Spielern wie Jari Kurri, Esa Tikkanen, Grant Fuhr und Mark Messier.

Doch der Trade im August 1988 veränderte alles. Zwar gewannen die Oilers in der Saison 1988/89 noch einmal den Cup, seitdem wartet man in Edmonton allerdings sehnsüchtig auf die nächste Siegesparade.

Die Kings auf der anderen Seite profitierten von dem Tausch. Sie gewannen zwar mit Gretzky nie den Titel - die Finalteilnahme in den Stanley Cup Playoffs 1993 mit einer 1:4-Niederlage in der Serie gegen die Montréal Canadiens war das höchste der Gefühle. Aber allein die Tatsache, dass die Legende mit der Nummer 99 auf dem Rücken für die Kings auflief, sorgte dafür, dass sie im Sportmarkt der Metropole an der Pazifikküste etwas zu bieten hatten. Fortan kamen deutlich mehr Zuschauer ins Inglewood Forum und das Interesse in Sachen Profisport konzentrierte sich nicht mehr nur auf die Los Angeles Lakers (Basketball) und die Los Angeles Dodgers (Baseball).

Lassen wir uns also mal zu dem Gedankenspiel hinreißen, dass die Oilers Gretzky hätten behalten können. Nun, es ist wohl keine allzu gewagte These, wenn man behauptet, dass Edmonton mit dieser talentierten und treffsicheren Offensive auf Jahre hinweg zu den Anwärtern auf den Titeln gehört hätte. Gretzky, Messier und Co. waren einfach zu gut. Vorausgesetzt, die Stützen der Mannschaft wären vom Verletzungspech verschont geblieben, die Playoff-Teilnahme wäre für die Oilers nur eine Formsache gewesen. Klar, für den Titel muss dann am Ende alles passen. Aber die Truppe hatte schließlich davor schon bewiesen, dass sie das Potenzial eines Champions hat.

Nicht nur in der Offensive waren die Oilers damals gut bestückt. Auch in der Verteidigung sahen sie nicht schlecht aus. Da war vor allem Fuhr zwischen den Pfosten. Sechsmal wurde der Keeper ins NHL All-Star Game berufen. 1988 gewann er die Vezina Trophy als bester Torhüter. Das Personal davor war ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Mit Steve Smith, Charlie Huddy, Jeff Beukeboom und Kevin Lowe hatten die Oilers vier sehr gute Verteidiger in ihren Reihen. Sie konnten sich einerseits wehren und wussten andererseits, wo das Tor stand. Huddy kam in der Spielzeit auf 13, Smith auf zwölf Treffer.

Aber auch die Los Angeles Kings hatten damals schon einen Kern von jungen, guten Akteuren in ihren Reihen. Zuvorderst ist da natürlich Luc Robitaille zu nennen, der Ende der 1980er-Jahre gerade mal Anfang 20 war und seine Karriere noch vor sich hatte. In diese Kategorie fielen auch Bernie Nicholls, Jimmy Carson sowie Verteidiger Steve Duchesne. Im Tor stand Glenn Healy, 1989 kam dann Kelly Hrudey.

Das alles waren gute bis sehr gute Spieler. Auch um sie herum hätte man eine gute Mannschaft aufbauen können. Allerdings hatten sie alle einen Nachteil: Sie hießen eben nicht Gretzky. Die Nummer 99 zählte zu den Spielern, die ihre Teamkollegen besser machen. Davon profitierten die Kings natürlich in den Folgejahren nach dem Trade.

Robitaille und Co. wären sicherlich auch ohne Gretzky gute NHL-Spieler geworden. Klar, es gibt im Verlauf der Ligahistorie auch etliche Spieler, die es nicht verstanden, ihr Potenzial abzurufen und die entsprechend früh gescheitert sind. Doch das wäre diesen Spielern nicht passiert.

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Aber ohne Gretzky hätten sich die Kings noch ein bisschen gedulden müssen. Das Draft-System sorgt in der NHL immer für einen gewissen Ausgleich, was das Niveau der Spieler in einem Team angeht. Da hätten die Kings mit den drei Erstrunden-Picks, die sie an die Oilers abgegeben haben, schon einiges bewegen können. 1989 waren zum Beispiel Torwart Olaf Kölzig, der später bei den Washington Capitals groß aufspielte, sowie die Verteidiger Adam Foote (Colorado Avalanche) und Nicklas Lidstrom (Detroit Red Wings) zu haben. 1991 hätten die Kings Spieler wie Ray Whitney, Zigmund Palffy, Sandis Ozolinsh, Jozef Stumpel und Chris Osgood ziehen können. Und 1993 hätten sie Jason Allison, Saku Koivu, Todd Bertuzzi, Jay Pandolfo, Jamie Langenbrunner, Bryan McCabe, Kevin Weekes oder Eric Dazé haben können.

Und letztendlich haben die Kings ja 2012 und 2014 auch den Cup gewonnen. Seit dem Gretzky-Trade waren da jedoch schon mehr als 20 Jahre vergangen. Direkt darauf zurückzuführen ist der Erfolg also nicht mehr. Allerdings hat die Nummer 99 den Weg für eine rosige Zukunft bei den Kings bereitet. Gretzky hat Eishockey im sonnigen Kalifornien salonfähig und damit auch den Weg für weitere Franchises in südlicheren Gefilden der USA frei gemacht.