CHI-update

Vor der Stanley Cup Qualifikationsrunde fühlt NHL.com/de den 24 Teilnehmern auf den Zahn und wirft jeweils fünf wichtige Fragen auf, mit denen sich die Teams auseinandersetzen müssen. In dieser Ausgabe: Chicago Blackhawks.

Die Chicago Blackhawks holten mit 72 Punkten aus 70 Spielen (32-30-8) exakt 51,4 Prozent aller möglichen Zähler und sicherten sich damit den letzten Platz in der Qualifikationsrunde. Nun geht es in einer Best-of-5-Serie gegen die Edmonton Oilers und deren Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid. Bei einem Erfolg stünde Chicago erstmals seit drei Jahren wieder in den Stanley Cup Playoffs.

1. Sind alle Verletzungen auskuriert?

Nach der langen Pause wegen der Unterbrechung der Saison am 12. März wegen der Coronavirus-Pandemie freuen sich die meisten Trainer der Liga darauf, ohne Einschränkungen durch Verletzungen auf ihren vollen Kader zugreifen zu können. Für Chicagos Coach Jeremy Colliton gibt es trotz der Unterbrechung von vier Monaten noch ein paar Fragezeichen. Die Verteidiger Calvin de Haan und Brent Seabrook mussten sich Operationen unterziehen und galten ursprünglich als Ausfall für die komplette Saison. Durch die neuen Umstände könnten sie rechtzeitig fit werden, allerdings begannen beide erst vor Kurzem wieder mit dem Training. Selbst wenn sie einsatzfähig sind, ist ungewiss, ob sie bereits die Form haben, um gegen die Elitestürmer der Oilers zu bestehen. Stürmer Zack Smith wurde Anfang März am Rücken operiert. Von daher ist unklar, ob er zum Einsatz kommt. Angreifer Andrew Shaw verpasste die letzten 44 Spiele der Saison aufgrund einer Gehirnerschütterung. Auch sein Status ist unbekannt.

2. Kann sich die Abwehr verbessern?

Die Abwehr der Blackhawks bewegte sich mit einem Schnitt von 3,06 Gegentoren im Mittelfeld der Liga (Rang 16). Allerdings ließ kein Team mehr Schüsse pro Spiel aufs eigene Tor zu als die Blackhawks (35,1). Gegen Draisaitl und McDavid könnte eine solche Flut an Torschüssen das Todesurteil für die Playoff-Hoffnungen in Chicago sein. Sollten Seabrook und de Haan in guter Form zurückkehren, könnte das der löchrigen Abwehr mehr Sicherheit geben und zudem den Spielaufbau verbessern. Durch den Ausfall der beiden wichtigen Verteidiger und den Abgang von Erik Gustafsson zu den Calgary Flames lastete zuletzt viel Druck auf Veteran Duncan Keith, Connor Murphy und Olli Maatta. Neben dem Trio übernahmen Slater Koekkoek und Rookie Adam Boqvist viel Verantwortung. Sollte sich die alte Weisheit bewahrheiten, dass die Defensive Meisterschaften gewinnt, müssen die Blackhawks einen Weg finden, weniger Torschüsse zuzulassen und darauf hoffen, dass ihre verletzten Verteidiger rechtzeitig in Form kommen.

CHI@EDM: Boqvist trifft nach toller Kane-Vorarbeit

3. Was machen die Torhüter?

Durch die vielen zugelassenen Torschüsse standen die Torhüter der Blackhawks oft ungewollt im Mittelpunkt und mussten die Kohlen aus dem Feuer holen. Chicago vertraute zunächst auf das Duo Robin Lehner und Corey Crawford, das sich die Arbeit zwischen den Pfosten teilte. Zur NHL Trade Deadline im Februar wurde Lehner jedoch an die Vegas Golden Knights abgegeben und man holte Malcolm Subban als neue Nummer zwei hinter Crawford. Subban lieferte mit einem Gegentorschnitt von 3,18 und einer Fangquote von 89 Prozent allerdings nicht gerade Spitzenleistungen ab. Durch den Weggang von Lehner dürfte wieder deutlich mehr Arbeit auf Crawford zukommen, der mit 91,7 Prozent Fangquote und 2,77 Gegentoren pro Spiel zwar keine Bestwerte vorzuweisen hatte, was in Anbetracht der vielen Schüsse auf sein Tor aber wenig verwunderlich war. Nun steht Crawfords Spezialität bevor, er ist ein Mann für die wichtigen Spiele unter hohem Druck. Ob er umgehend in seinen Playoff-Modus findet, wird eine spannende Frage sein.

4. Kommt das Powerplay in Fahrt?

Die Offensive der Blackhawks sortierte sich mit 2,97 Toren pro Spiel im Mittelfeld auf Platz 18 ein. Deutlich schwächer zeigte sich das Powerplay, das mit einer Erfolgsquote von 15,2 Prozent zu den vier schlechtesten der Liga gehörte. Gegen die Oilers, die das beste Powerplay (29,5 Prozent) und das zweitbeste Penalty Killing (84,4 Prozent) vorzuweisen hatten, muss von den Blackhawks in Überzahl mehr kommen. Patrick Kane war mit 23 Punkten (acht Tore, 15 Assists) im Powerplay wie immer zuverlässig, Alex DeBrincat erlebte mit 45 Punkten (18 Tore, 27 Assists) zwar eine für seine Verhältnisse schwache Saison, lieferte aber im Powerplay mit zehn Toren und sechs Assists eine ordentliche Leistung ab. Keith erzielte elf (zwei Tore, neun Assists) seiner 27 Punkte (drei Tore, 24 Assists) in Überzahl. Abgesehen von diesen drei Akteuren strahlten die Blackhawks bei numerischer Überlegenheit jedoch nur wenig Torgefahr aus. Seabrooks Rückkehr könnte eine Hilfe sein.

SJS@CHI: Kane bringt DeBrincats Vorlage im PP heim

5. Bewährt sich Jugend oder Erfahrung?

Das große Thema der Serie gegen Edmonton wird das Aufeinandertreffen der beiden offensiven Führungsduos sein: Draisaitl und McDavid auf der einen Seite, Toews und Kane auf der anderen. Die beiden Stars der Oilers waren die Topscorer der Liga. Draisaitl stand mit 110 Punkten (43 Tore, 67 Assists) ganz vorne, McDavid folgte auf Rang zwei mit 97 Punkten (34 Tore, 63 Assists). Kane lieferte für die Blackhawks 84 Punkte (33 Tore, 51 Assists) und war damit bester Scorer seines Teams. Toews landete auf dem zweiten Platz mit 60 Punkten (18 Tore, 42 Assists). Das hört sich zwar nach einer klaren Sache für die Oilers an, doch Kane und Toews können gegen das Oilers-Duo mit ihrer Erfahrung punkten. Das ist ein Aspekt, der in der einzigartigen Situation der Qualifikation und in den Playoffs nicht unterschätzt werden darf. Draisaitl und McDavid kommen gemeinsam auf 26 Playoff-Spiele. Allein Toews stand mit 128 Playoff-Einsätzen fast fünfmal so oft auf dem Eis. Kane absolvierte 127 Auftritte in der Endrunde. Mit Niklas Hjalmarsson (128), Keith (126) und Seabrook (123) stehen weitere Veteranen mit einer Menge Playoff-Erfahrung im Team. Diese müssen die Blackhawks voll zur Geltung bringen, um die Oilers zu bezwingen.