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An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, die etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf aktuelle Begebenheiten und grundsätzliche Entwicklungen, welche die Diskussionen derzeit bestimmen: Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.
Heute beschäftigen wir uns mit den immer populärer werdenden Familien-Trips der NHL-Franchises.

Früher war es noch eine Rarität, wenn ein NHL-Team einmal die Familien der aktiven Spieler auf einen Auswärtstrip einlud und sie dabei ganz nah an die Aktiven heranließ. Im Laufe der letzten Jahre jedoch haben mehr und mehr Mannschaften diese Tradition für sich entdeckt und nehmen immer häufiger Angehörige mit zu den Partien. Sie dienen dabei nicht nur als Glücksbringer, sondern erfüllen eine wichtige Funktion. Sie helfen mit, die Stimmung der einzelnen Teammitglieder zu verbessern. Auf diese Weise stärken sie die Chemie in der Mannschaft und im gesamten Umfeld.
Darüber hinaus dient die Anwesenheit der Mütter und Väter als zusätzliche Motivationsspritze. Denn welcher Spieler gibt nicht sein Bestes, wenn die Eltern in der Halle mit dabei sind? Deshalb macht es durchaus Sinn, dass die Klubs während der langen Hauptrunde auf dieses Hilfsmittel zurückgreifen.
So war es zum Beispiel beim amtierenden Stanley-Cup-Champion, den Pittsburgh Penguins, in der Vorwoche beim Training voller als sonst auf der Tribüne. Zahlreiche Väter waren offiziell dazu eingeladen worden. "Das gibt vielen von ihnen einen regelrechten Kick", berichtete Meistertrainer Mike Sullivan mit einem Lächeln im Gesicht. "Einige werden sicherlich noch den ein oder anderen guten Tipp an ihren Sohn loswerden wollen."

Doch die Väter der Penguins-Spieler mussten sich nicht nur auf die Anwesenheit beim Training beschränken. Sie alle flogen im Anschluss an das erste gemeinsame Treffen in vertrauter Umgebung mit zum Auswärtstrip nach Dallas. Im Anschluss ging es weiter zum Spiel in St. Louis.
"Das ist eine nette Geste der Organisation", findet Sullivan. "Es ist unser Weg, uns bei den Eltern und Familien zu bedanken. Sie haben die Spieler schließlich zu den Persönlichkeiten gemacht, die sie heute sind. Natürlich gefällt es allen, einmal etwas mehr Zeit zusammen verbringen zu können, als sonst in dieser Jahreszeit möglich. Doch wir vergessen bei allem Vergnügen nicht, worauf es für uns wirklich ankommt. Wir wollen sportlichen Erfolg. Der Fokus liegt unverändert auf den Spielen." Geradezu ideal, wenn die Kombination aus beidem so gut gelingt wie am Sonntag bei Sidney Crosby. Er erzielte seinen 400. Karrieretreffer beim 4:1 über die Blues vor den Augen seines Vaters Troy.
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"Ich sehe ihn sonst während der Saison natürlich nur selten. Daher ist es toll, wenn ich jetzt etwas mehr Zeit mit ihm verbringen kann. Das weiß ich sehr zu schätzen", befand der Sohn schon vor seinem historischen Meilenstein. Seinen Vater mit unter den Zuschauern im Scottrade Center von St. Louis zu wissen, dürfte den Penguins-Kapitäns besonders zu seinem Jubiläumstor motiviert haben.
Einer der Coaches, der diese Tradition mitbegründet haben soll, ist Lindy Ruff. Er stand seinerzeit in Diensten der Buffalo Sabres. Dort hat sich diese Tradition bis heute fortgesetzt. Die Sabres eröffneten ihr jüngstes Zusammenkommen mit den Familien auf heimischem Eis gegen die New York Islanders, bevor es an Bord eines Flugzeugs ging und der gemeinsame Trip auswärts in Boston fortgesetzt wurde.
An der Ostküste führte das Programm zunächst in den Fenway Park, der Heimstätte der Boston Red Sox. Bei den Sabres sahen die Verantwortlichen dieser Teambuilding-Maßnahme voller Vorfreude entgegen. "Das ist eine herausragende Sache. Wir begreifen uns hier eh als eine große Familie. Da tut es gut, wenn die Väter einmal so nahe mit dabei sind", sagte Trainer Phil Housley.

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Ende Januar absolvierten die Toronto Maple Leafs gemeinsam mit den Spielervätern ein paar tolle Tage. Die Leafs gönnten den Angehörigen zunächst das Vergnügen eines gemeinsamen Heimspiels (5:0 über die Islanders) im Air Canada Centre, bevor sie mit den Familienmitgliedern zu den New York Rangers und den Bruins weiterflogen.
Stürmer Nazem Kadri gab die Anwesenheit dabei eine Extra-Portion Selbstvertrauen. "Die Väter gelten bei uns immer als Maskottchen. Unsere Statistiken fallen während dieser Tage immer besonders positiv aus", betonte er voller Vorfreude vor dem gemeinsamen Abflug.
Trainer Mike Babcock sieht die Maßnahme für den sportlichen Erfolg der Mannschaft ebenfalls als Vorteil an. "Ist doch ganz klar. Wenn die Eltern in der Halle mit dabei sind, will jeder Spieler sie beeindrucken. Ich bin jetzt 54 Jahre alt und möchte immer noch, dass die Familie stolz auf mich ist. Warum sollte das bei den Jungs anders sein?" meint er und verdeutlicht, dass diese Familien-Trips in der NHL alles andere sind, als nur ein gemütlicher Familienausflug.