Auch wenn das wie nur eine kleine Änderung scheint, darf man nicht unterschätzen, wie viele Mühen es den 32-jährigen Howard, der elf Jahre lang anders spielte, gekostet hat.
"Um ehrlich zu sein, war die Umstellung nicht einfach. Besonders als wir in die Vorbereitungsspiele gegangen sind, dachte ich, dass die viel zu viel Tor zum schießen haben", erzählte Howard. "Es war wie eine mentale Blockade die ich erst durchbrechen musste. Es ist schwer, sich zurückzulehnen und das Spiel kommenzulassen, besonders, wenn du nicht so groß bist wie die anderen Typen in der Liga."
Mit nur 185 cm fühlte ich mich zuerst, als ob ich zu viel Netz gebe und sie einfach an mir vorbeischießen können. Doch dann habe ich mich im Training immer besser daran gewöhnt. In den Vorbereitungsspielen habe ich dann gemerkt, dass ich nicht nur mehr Zeit habe, um von Punkt A zu Punkt P zu kommen, ich konnte das Spiel auch besser lesen."
Wenn man Howard nun beobachtet, erkennt man, dass er viele seiner Saves im Stehen macht. Er macht seinen Größennachteil dadurch wett, dass er sich seltener auf die Knie wirft. Das ist ein weiterer Vorteil davon, tiefer zu spielen.
"Es fühlt sich so an, dass die Extrasekunde, in der ich lesen und die Information verarbeiten kann, mir bessere Entscheidungen ermöglicht", sagte er. "Ich kann die Schüsse besser aus den Schlägern lesen -- oder Pässe."
Die Siege wollten sich für Howard noch nicht durchgehend einstellen. Seine Bilanz liegt bei aktuell 5-5-0. In seinen zehn Starts haben die Red Wings lediglich 17 Tore erzielt, zwei Mal verloren sie mit 1-0. Wenn man von den mit dieser Position üblichen Aufs und Abs, die sich mit der Dauer einpendeln werden, absieht, kann man unzweifelhaft herausstellen, dass er heute wie ein ganz anderer Torhüter wirkt.
Er macht kürzere Bewegungen aus einer tieferen Position und fängt damit Pässe ab. Howard hat mehr Kontrolle und mehr Zeit, um Schüsse festzuhalten, anstatt sie abtropfen zu lassen. Dadurch lässt er viel weniger Rebounds zu.
"Er macht in diesem Jahr viel mehr Saves mit seinem Körper als früher, wo er zeitweise etwas unsicher wirkte", erklärte Jeff Salajko, der in seinem ersten Jahr Torwarttrainer der Red Wings ist und zuvor drei Jahre lang Torwarttrainer des Farmteams aus der American Hockey League, den Grand Rapids, war. "Er könnte immer noch diese Highlight Saves wie früher machen, daran habe ich kein Zweifel. Er hat goldene Hände und ist ein Athlet. Aber jetzt muss er das nicht mehr."
Bereits im Sommer spielte Howard mit der Idee, tiefer im Tor zu stehen, doch erst Ende August, im Network Goaltending Camp in Madison, Wisconsin festigte sich der Entschluss. Er sah den 188 cm großen Jake Allen, die Nummer 1 der St. Louis Blues und bemerkte, wie Allen mit seinem tiefen Stellungsspiel Spielzüge managen kann.