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Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die Edmonton Oilers.

Mit großen Hoffnungen und mit keinen geringeren als NHL-Top-Scorer Leon Draisaitl sowie Superstar Connor McDavid waren die Oilers in die Postseason 2020 gestartet. Nur knapp hatten die Oilers als nach der Punktequote fünftbeste Mannschaft der Western Conference in der regulären Saison den direkten Einzug in die Playoffs verpasst. Doch die Euphorie erhielt schon in der NHL Stanley Cup Qualifikation einen herben Dämpfer: Gegen die Chicago Blackhawks, das schlechtplatzierteste Team, das sich für das Turnier qualifizieren konnte, schied Edmonton im heimischen Rogers Place in der Best-of-Five Serie mit 1:3 aus.
Ähnliches: [Draisaitl und Kahun: Ein wiedervereintes Scoring-Duo]
Altbekannte Schwächen konnten auch in der ersten Saison unter Trainer Dave Tippett nicht abgestellt werden: Im Schnitt vier Gegentore pro Spiel bedeuteten die schlechteste Defensive aller Endrunden-Teams (gemeinsam mit Winnipeg Jets). Auch das Penalty Killing (77,8 Prozent) brach im Vergleich zur regulären Saison (84,4 Prozent) regelrecht ein. Dauerthema bleibt die Torhüter-Position: Weder Mikko Koskinen (88,9 Prozent) noch Mike Smith (78,3 Prozent) konnten nach dem Re-Start überzeugen.
Die Schlüsselspieler
Mit Draisaitl und McDavid spielen zwei der besten Spieler der Welt in Edmonton. Trotzdem schafften es die Oilers seit deren NHL-Durchbruch zur Saison 2015/16 in fünf Jahren nur einmal in die Playoffs. An den beiden Superstars lag dies allerdings nicht. Der pfeilschnelle McDavid knackte schon dreimal die Schallmauer von 100 Scorerpunkten. Draisaitl gelang dies schon zum zweiten Mal in Folge. Mit 110 Punkten (43 Tore, 67 Assists) war der Kölner sogar Top-Scorer in der NHL und krönte seine herausragende Saison selbst mit der Art Ross Trophy. Doch damit nicht genug: Im Nachgang wurde der deutsche Mittelstürmer auch noch zum doppelten MVP gekürt: Von Sportjournalisten mit der Hart Trophy sowie von Mit- und Gegenspielern (NHLPA) mit dem Ted Lindsay Award.
Draisaitl und McDavid werden auch 2020/21 wieder eine Schlüsselrolle in Edmonton einnehmen und die Triebfeder der Oilers-Offensive sein. In der Vorsaison erhielt Draisaitl mehr Eiszeit als jeder andere Stürmer in der NHL (22:37 Minuten pro Spiel), McDavid folgt diesbezüglich auf Rang drei (21:52 Minuten). Beide sind in allen wichtigen Momenten auf dem Eis. Auch im Powerplay: In Überzahl führten Draisaitl (44) und McDavid (43) die Punktestatistik ligaweit an.

CHI@EDM, Sp1: Draisaitl bezwingt Crawford im PP

Kahun erweitert die Optionen - Haas muss um Kaderplatz kämpfen
Mit Dominik Kahun haben die Oilers kürzlich einen weiteren Deutschen nach Edmonton geholt. Kahun, der für die Chicago Blackhawks, Pittsburgh Penguins und Buffalo Sabres in zwei NHL-Saisons 68 Scorerpunkte (25 Tore, 43 Assists) in 138 Spielen erzielt hatte, könnte eine perfekte Ergänzung zu Draisaitl sein: Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Mannheim beim MERC (Schüler-Bundesliga) sowie den Jungadlern (DNL). In drei gemeinsamen Spielzeiten im Junioren-Bereich sorgten sie mit kumuliert 849 Scorerpunkten (!) für Furore (siehe Main-Story). Kahun unterschrieb für ein Jahr und 975.000 US-Dollar.
Um einen Kaderplatz kämpfen muss dagegen der Schweizer Gaetan Haas. In seiner Premierensaison in der NHL war der 28-jährige Spätzünder zeitweise gesetzt. In 58 Spielen sammelte er zehn Scorerpunkte (fünf Tore, fünf Assists). Um Spielpraxis vor dem Start der neuen Saison zu sammeln, wurde der Mittelstürmer zum SC Bern ausgeliehen. Durch Neuzugang Kyle Turris hat Haas zusätzliche Konkurrenz auf der Center-Position bekommen.

Kahuns schönste Tore für Penguins und Sabres

Sie könnten nachrücken
Im NHL Draft 2020 sicherten sich die Oilers die Rechte an Dylan Holloway, der in der 1. Runde an 14. Stelle ausgewählt wurde. Der 19-jährige Kanadier gilt als hart arbeitender Zwei-Wege-Stürmer, der sowohl mit seinem Körper, seinem Schläger und seinen schnellen Füßen für ein starkes Defensivspiel steht. Direkt einen NHL-Platz zu ergattern, dürfte für Holloway allerdings schwer werden.
Stärken
Das Prunkstück der Oilers bleibt die Offensive: Draisaitl und McDavid stehen über allen - dahinter scheint der Sturm mit Ryan Nugent-Hopkins, Talent Kailer Yamamoto, dem aus Finnland zurückgeholten Jesse Puljujarvi sowie den weiteren Neuzugängen Turris und Kahun und den physisch starken James Neal oder Zack Kassian sowohl in der Tiefe als auch in der Spitze gut aufgestellt.

EDM@CHI, Sp3: McDavid räumt im Powerplay den Puck auf

Entwicklungspotenzial
Am meisten Steigerungspotenzial hat Edmonton in der Abwehr. Hier ist Tyson Barrie der neue Hoffnungsträger. Der offensiv-orientierte Verteidiger kam von den Toronto Maple Leafs und könnte der lange vermisste Anker-Spieler in der Defensive sein. Allerdings müssen sich für eine erfolgreiche Saison auch Barries Mitspieler erheblich steigern. Kaum Entwicklungspotenzial haben die Oilers dagegen zwischen den Pfosten: Weder bei Koskinen (32) noch bei Smith (38) oder Neuzugang Anton Forsberg (27) sind Leistungsexplosionen zu erwarten.
Playoff-Chancen
Die Edmonton Oilers werden es 2020/21 dank einer ausgewogenen Offensive, die sowohl für Tore als für Unterstützung hinten sorgen wird, in die Playoffs schaffen. Spannend bleibt die Frage, wie stabil die Verteidigung stehen wird. Die Problemzone bleibt der Goalie.