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Nein, so hatten sie sich den Auftakt in die Stanley Cup Playoffs 2022 bei den Edmonton Oilers ganz bestimmt nicht vorgestellt. Nachdem die Mannschaft in den vergangenen beiden Jahren jeweils direkt in der ersten K.o.-Runde gescheitert war, soll in diesem Jahr alles besser werden. Zumindest für den Auftakt traf das jedoch noch nicht zu.

Am Montag unterlagen die Oilers vor ihren eigenen Fans in Edmonton in Spiel eins der ersten Runde in der Western Conference gegen die Los Angeles Kings, bei denen der frühere Bundestrainer Marco Sturm als Assistenztrainer tätig ist, mit 3:4. Durch diese Pleite verlor der Titelaspirant direkt den Heimvorteil in der Best-of-7-Serie gegen die Kalifornier, die allgemein als Außenseiter in diesem Duell gelten.
Insbesondere der Beginn der Partie misslang den Gastgebern, geriet das Team doch im ersten Spielabschnitt nach einigen gezeigten Unsicherheiten zwischenzeitlich mit 0:2 in Rückstand. Und das, obwohl Leon Draisaitl sich nach dem Morningskate im Pressegespräch noch ausgesprochen optimistisch gab, öffentlich betonte, wie sehr sich die Mannschaft und er auf die Unterstützung der Fans und den Heimvorteil freuen würde. Der Deutsche hatte zudem betont, wie motiviert der gesamte Kader sei, es wesentlich besser zu machen als zuletzt und den Erwartungen des Umfelds diesmal von Anfang an vollauf gerecht zu werden.

LAK@EDM, Sp1: Draisaitl peilt Winkel an, gleicht aus

Von diesem Optimismus und dem Selbstvertrauen im Hinblick auf die eigene Stärke war in den ersten Minuten nichts zu sehen. Die Oilers ließen sich von der ungewöhnlich großen Energie auf den Rängen des Rogers Place anstecken und spielten ungewohnt aufgeregt. Auf der Gegenseite zeigten sich die Kings zunächst abwartend und gelassen, bevor sie sogar zweimal eiskalt zuschlugen.
"Es gab offensichtlich viele Emotionen bei den Fans im Gebäude und eine große Aufregung. Ich denke, wir sind damit nicht so gut umgegangen", analysierte Teamkapitän Connor McDavid hinterher. "Die Kings haben das ausgenutzt. Ich denke, wir haben einen guten Job gemacht, um zurück ins Spiel zu kommen und uns selbst eine Chance zu geben, aber am Ende kam es auf eine Szene an."

LAK@EDM, Sp1: Danault fälscht zur Führung ab

Beim 0:1 bahnte sich der Puck seinen Weg von hinter dem Oilers-Netz nach vorne und landete auf dem Schläger von Alex Iafallo, der die Scheibe zweimal kurz berührte, bevor er sie an Trevor Moore weitergab. Dieser erzielte nach gespielten 11:00 Minuten das erste Tor des Spiels. Moore zeichnete auch 5:48 Minuten später für das zweite Tor der Kings mitverantwortlich, als er einen Pass von unterhalb der Torlinie direkt in den Lauf von Iafallo spielte, der mit einem Schlagschuss an Edmontons Torhüter Mike Smith vorbei die Führung für Los Angeles ausbaute (17.). Der Albtraumstart für die Gastgeber war damit perfekt.
McDavid gelang 43 Sekunden vor Ende des ersten Spielabschnitts aus Sicht der Hausherren zumindest noch das Tor zum 1:2, was den Hoffnungen im Lager der Gastgeber neue Nahrung verlieh. Er umspielte in dieser Szene Kings-Verteidiger Olli Maatta auf dem rechten Flügel, zog nach innen und traf vom rechten Anspielkreis aus in die Maschen des von Jonathan Quick gehüteten Kastens.

LAK@EDM, Sp1: McDavid verkürzt den Rückstand

Kailer Yamamoto ließ die Oilers den schwachen Start im Mitteldrittel sogar kurzzeitig ganz vergessen, als er den 2:2-Ausgleich im Powerplay (23., pp) erzielen konnte, indem er einen Pass von Duncan Keith verwertete. "Mir haben unsere Specialteams gefallen, und ich denke, unser Powerplay hat uns im Spiel gehalten", befand McDavid im Hinblick auf diese Phase des Spiels. Dass der Druck auf Edmonton im nächsten Duell der beiden Kontrahenten am Ende nicht geringer geworden ist, lag auch an Brendan Lemieux, der die Kings nur gut eine Minute später wieder in Front brachte und das 3:2 (24.) erzielen konnte.
"Ich denke, wir haben größtenteils das getan, was wir tun mussten", lautete die kurze Analyse von Kings-Trainer Todd McLellan. "Wir haben im Laufe des Jahres oft das Wort 'Identität' benutzt, und wir haben wieder so gespielt. Das ist es, was uns eine Chance gibt."
Draisaitl glich im Powerplay gut zehn Minuten vor dem Ablauf der Uhr im mittleren Spielabschnitt zwar noch einmal für Edmonton zum 3:3 aus, als er einen Pass von McDavid am rechten Bullykreis annahm und an Quick vorbei im Tor versenkte, doch sollte auch das nicht für eine Trendwende in diesem Spiel reichen. Den Siegtreffer der Kings durch Phillip Danault gut fünf Minuten vor Spielende (55.), konnten die Oilers in der restlichen Zeit nicht mehr kontern, was sie endgültig den Heimvorteil in der Serie kostete.

LAK@EDM, Sp1: Quick vereitelt Draisaitls PP-Chance

Die Hypothek des schwachen Starts in Spiel eins erwies sich am Ende dann doch als zu groß. "Mir hat nicht gefallen, wie wir in das Spiel gestartet sind", kritisierte dementsprechend auch Oilers-Trainer Jay Woodcroft. "Wir haben eine Chance bei einem Bully in der neutralen Zone vergeben, wir haben eine frühe Strafe kassiert und solche Dinge, die es ihnen erlaubt haben, sich zu Beginn der Begegnung gut zu fühlen. Ich denke, wir haben uns in das Spiel in der Folgezeit ordentlich hineingearbeitet und einen Weg gefunden, um zu konkurrieren. Das ist das Positive, das wir aus diesen 60 Minuten heute mitnehmen können."
Der Druck auf Draisaitl, McDavid und ihre Mitstreiter, von denen in diesem Jahr wesentlich mehr erwartet wird als das Team in den vergangenen beiden K.o.-Runden zeigen konnte, ist durch die Auftaktpleite vom Montag in jedem Falle noch einmal deutlich angestiegen. Ein Sieg in Spiel zwei am Mittwoch (10 p.m. ET; NHL.tv; Do. 4 Uhr MESZ) an gleicher Stelle ist für Edmonton jetzt fast schon Pflicht, will man den eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden und die ansonsten aufkeimenden Gedanken an ein erneutes frühes Aus in den Playoffs 2022 vor den beiden dann folgenden Begegnungen in Los Angeles durch einen wesentlich gereifter auftretenden Kader vermeiden.